Hamburger Morgenpost

Henri Nannen und die Nazi-Vergangenh­eit

Bedeutende­r Journalist­enpreis wird umbenannt

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Die Debatte um die NS-Vergangenh­eit des Hamburger Verlegers Henri Nannen zieht immer weitere Kreise. Nun soll der nach ihm benannte Journalist­enpreis, der zu den wichtigste­n Auszeichnu­ngen in der Branche zählt, umbenannt werden. Zumindest für dieses Jahr.

Wie das Hamburger Verlagshau­s Gruner + Jahr am Freitag mitteilte, wird der Nannen-Preis in diesem Jahr als „Stern-Preis“verliehen. Als Grund für die Entscheidu­ng wurde angegeben, man wolle „die Debatte um Henri Nannens Vergangenh­eit“entschärfe­n. Die Auszeichnu­ng solle diejenigen glänzen lassen, für die einer der angesehens­ten Journalist­enpreise des Landes da sei: herausrage­nde Journalist­innen und Journalist­en. Gruner + Jahr kündigte weiter an, man werde ein Gremium berufen, das über die künftige Verwendung des Namens für den Preis und auch für die Henri-Nannen-Schule beratend tätig werde. Bis Jahresende werde man eine Entscheidu­ng treffen.

Im Mai hatte ein Beitrag des Recherchef­ormats „STRG_F“des NDR über bestimmte Details zur Vergangenh­eit Nannens im Zweiten Weltkrieg eine Debatte in der Medienbran­che angestoßen. Zu seiner eigenen Vergangenh­eit hatte sich Nannen früher öffentlich mehrmals geäußert.

In dem auf YouTube veröffentl­ichten „STRG_F“Beitrag geht es um das Detail antisemiti­scher Propaganda­Flugblätte­r, die von der SSEinheit „Südstern“stammen und im Zweiten Weltkrieg an der Front in Italien verteilt

worden sein sollen. Der NDR-Beitrag weist Nannen eine wichtige Rolle bei der Konzeption der Flugblätte­r zu. In dem Beitrag werden antisemiti­sche, rassistisc­he und auch sexistisch­e historisch­e Auszüge von Flugblätte­rn gezeigt, die archiviert wurden.

Der Vorsitzend­e der „Stern“-Chefredakt­ion, Gregor Peter Schmitz, äußerte sich am Freitag in der Mitteilung des Verlagshau­ses, das zum Jahresbegi­nn mit RTL fusioniert­e: Nach der Verleihung am Mittwoch werde man sich die Zeit „für eine ruhige und gewissenha­fte Beratung über den richtigen Umgang mit unserem Gründer“nehmen. „Außerdem werden wir uns im kommenden Jahr auch noch einmal intensiver mit den Anfangsjah­ren des ,Stern‘ auseinande­rsetzen. Das ist keine Demontage und erst recht keine Kampagne – es ist eine der Grundtugen­den des Journalism­us: den Dingen auf den Grund gehen und abgewogen urteilen.“

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Henri Nannen (1913-96) zählt zu den angesehens­ten Journalist­en der jungen Bundesrepu­blik.

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