Die gro­ße Kai-Diek­mann-Show

Sind Me­di­en die vier­te Ge­walt im Staat? Dar­über soll­te der „Bild“-Her­aus­ge­ber im Land­tag dis­ku­tie­ren. Doch vie­le Fra­gen blie­ben of­fen.

Hannoversche Allgemeine - - NIEDERSACHSEN & DER NORDEN - Von Lin­da tonn

HAN­NO­vEr. Auf je­de Fra­ge hat­te Kai Diek­mann ei­ne pas­sen­de und vor al­lem aus­führ­li­che Ant­wort. Auch auf die kri­ti­schen. Was als Streit­ge­spräch an­ge­kün­digt war, plät­scher­te nur so vor sich hin. Und wer sich am Mon­tag­abend von der Ver­an­stal­tungs­rei­he „Par­la­ments­le­ben“des Nie­der­säch­si­schen Land­tags ei­ne kla­re Ant­wort auf die Fra­ge „Ist Pres­se die vier­te Macht im Staat?“er­hofft hat­te, wur­de ent­täuscht.

Der Jour­na­list und „Bild“-Her­aus­ge­ber stell­te sich den Fra­gen der vier jüngs­ten Ab­ge­ord­ne­ten Ans­gar Fo­cke (CDU), Musta­fa Er­kan (SPD), Ju­lia Wil­lie Ham­burg (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) und Björn Förs­ter­ling (FDP). Doch die Dis­kus­si­on ent­wi­ckel­te sich schnell zur One-ManShow, und die Rol­le der „Bild“-Zei­tung blieb weit­ge­hend un­an­ge­tas­tet.

Der han­no­ver­sche Ka­ba­ret­tist Mat­thi­as Bro­do­wy mo­de­rier­te die Ge­sprächs­run­de. In ge­wohnt hu­mor­vol­ler Art muss­te er Diek­mann häu­fi­ger in sei­nen Aus­füh­run­gen un­ter­bre­chen und um prä­gnan­te­re Ant­wor­ten bit­ten. Er stell­te dann die Fra­ge, die of­fen­sicht­lich vie­le Zu­hö­rer im voll be­setz­ten Plenar­saal in­ter­es­sier­te: „Be­reut die ,Bild‘ ih­re Rol­le in der Cau­sa Wul­ff?“Die Be­richt­er­stat­tung der Bou­le­vard­zei­tung hat­te ei­ne wich­ti­ge Rol­le beim Fall des Bun­des­prä­si­den­ten Chris­ti­an Wul­ff ge­spielt. Ge­spann­te Stil­le. Doch auch in die­sem Fall folg­te ei­ne wohl aus­ta­rier­te Ant­wort, die we­nig Platz für Selbst­kri­tik ließ.

Die „Bild“-Zei­tung ha­be die be­rühm­te Nach­richt auf Diek­manns Mail­box erst nach dem Er­schei­nen der Au­to­bio­gra­fie von Chris­ti­an Wul­ff ver­öf­fent­licht. Viel­mehr hät­ten an­de­re nam­haf­te Me­di­en die Ent­hül­lun­gen ins Rol­len ge­bracht. Zeit­wei­se ha­be die Be­richt­er­stat­tung „ab­sur­de Zü­ge an­ge­nom­men“, sag­te Diek­mann. Ge­schickt ent­ging er al­ler­dings der Fra­ge, ob sich die „Bild“Zei­tung nicht auch die­sen Ab­sur­di­tä­ten an­ge­schlos­sen hät­te.

Wenn es um die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Me­di­en und Po­li­tik ge­he, hal­te sich sei­ne Zei­tung wie al­le an­de­ren Me­di­en an die „ge­bo­te­nen Re­geln der Kom­mu­ni­ka­ti­on“, sag­te Diek­mann. Und den­noch: „Wer das Licht der Öf­fent­lich­keit sucht, kann es nicht mehr aus­knip­sen.“

Je­der Ver­such der Ab­ge­ord­ne­ten, den Me­di­en­pro­fi – wenn auch sehr zag­haft – in die Man­gel zu neh­men, schei­ter­te am All­ge­mei­nen und an fer­ti­gen Ar­gu­men­ta­ti­ons­ket­ten. War­um sei­ne Zei­tung die Grie­chen als fau­les Land dar­stel­le, woll­te Ju­lia Wil­lie Ham­burg von Bünd­nis 90/ Die Grü­nen wis­sen. Wie­der ei­ne aus­wei­chen­de Ant­wort: Die „Bild“-Zei­tung ha­be nicht die Grie­chen, son­dern die deut­sche Po­li­tik kri­ti­siert. Wie es zu den rei­ße­ri­schen Über­schrif­ten kom­me, ließ Diek­mann of­fen.

Ge­konnt lenk­te der Me­di­en­pro­fi das In­ter­es­se der Zu­hö­rer weg vom Her­aus­ge­ber Diek­mann hin zur Pri­vat­per­son. Er streu­te In­for­ma­tio­nen zum ei­ge­nen Fern­seh­ver­hal­ten, zum Um­zug in die USA oder zu sei­nem Tref­fen mit dem ehe­ma­li­gen Papst Be­ne­dikt XVI. ein. Und am En­de des Abends ver­lo­ren al­le die ur­sprüng­li­che Fra­ge völ­lig aus dem Blick. Was bleibt, ist die In­for­ma­ti­on, dass bei Diek­manns zu Hau­se der Strea­m­ing­dienst Net­flix ge­nutzt wird.

Fo­to: dpa

Ei­ne Ant­wort, bit­te: Mo­de­ra­tor Mat­thi­as Bro­do­wy (li.) und Kai Diek­mann.

Pe­ter Pfeif­fer setzt das Mes­ser an.

Nack­te Haut: Nach der Schur.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.