Au­to­mo­bi­le Wunsch­träu­me im Cas­tro-Reich

Ku­ba­ner be­kom­men als Ers­te den neu­en Au­di Q2 zu se­hen – aber kau­fen kann ihn fast nie­mand

Hannoversche Allgemeine - - WIRTSCHAFT - Von Isaac RIs­co

Die rot glän­zen­den Neu­wa­gen fal­len auf den her­un­ter­ge­kom­me­nen Stra­ßen Ha­van­nas so­fort auf. Denn seit Jahr­zehn­ten prä­gen ame­ri­ka­ni­sche Stra­ßen­kreu­zer aus den 1950er-Jah­ren das Stra­ßen­bild Ku­bas. Beim An­blick der neu­en Au­dis blei­ben ei­ni­ge Men­schen ste­hen und win­ken den deut­schen Be­su­chern in dem hal­ben Dut­zend Fahr­zeu­gen zu.

Mit dem neu­en Stadt­ge­län­de­wa­gen Q2 hat Au­di an die­sem Sonn­tag erst­mals ei­nes sei­ner Mo­del­le in dem so­zia­lis­ti­schen In­sel­staat vor­ge­stellt – kurz vor der of­fi­zi­el­len Prä­sen­ta­ti­on in Zü­rich. Ku­ba liegt ge­ra­de im Trend. Tou­ris­ten, Pro­mi­nen­te und Fir­men aus al­ler Welt ent­de­cken die Ka­ri­bik­in­sel, vor al­lem seit­dem die USA En­de 2014 of­fi­zi­ell den jahr­zehn­te­al­ten Ku­ba-Boy­kott auf­ge­ho­ben ha­ben. Ku­ba sei ein Land, in dem „wahr­schein­lich nie­mand ein neu­es Au­to vor­ge­stellt hat, in den letz­ten 50 Jah­ren ganz si­cher nicht“, sag­te Au­diEnt­wick­lungs­vor­stand Ste­fan Knirsch.

Ge­ra­de der Au­to­markt ist aber ein gu­tes Bei­spiel da­für, dass der Wan­del auf Ku­ba nur lang­sam vor­an­schrei­tet. Seit ei­ni­gen Jah­ren schon fährt die Re­gie­rung von Staats­chef Raúl Cas­tro (84) ei­nen vor­sich­ti­gen markt­wirt­schaft­li­chen Kurs, in­zwi­schen ar­bei­ten fast 500 000 der elf Mil­lio­nen Ku­ba­ner im wach­sen­den Pri­vat­sek­tor. An­fang 2014 öff­ne­te die Re­gie­rung of­fi­zi­ell auch den Markt für Neu­wa­gen. Je­der Ku­ba­ner, so hieß es da­mals, dür­fe nun ein neu­es Au­to er­wer­ben.

Die An­kün­di­gung kam ei­ner Re­vo­lu­ti­on gleich. Neu­wa­gen wur­den bis da­hin nur als Prä­mi­en an Re­gie­rungs­be­am­te oder an Ärz­te ver­ge­ben. In­zwi­schen sind zwar in Ha­van­na im­mer mehr mo­der­ne­re Au­tos zu se­hen, aber der Nor­mal­bür­ger kann sich kei­nen Neu­wa­gen leis­ten. So man­ches Fahr­zeug kos­tet ein Viel­fa­ches des­sen, was man in Eu­ro­pa da­für be­zah­len wür­de – und das in ei­nem Land, in dem der durch­schnitt­li­che Mo­nats­lohn im Staats­sek­tor um­ge­rech­net et­wa 25 Eu­ro be­trägt. Nach wie vor ist der Au­to­markt staat­lich kon­trol­liert. Der Staat im­por­tiert we­ni­ge Au­tos und legt spä­ter fast un­er­schwing­li­che Prei­se fest. Pri­va­te Au­to­händ­ler gibt es nicht.

Für vie­le Ku­ba­ner bleibt der Neu­wa­gen­kauf al­so ein Traum. „Ei­nen Au­di hät­te ich ger­ne, der wä­re aber zu teu­er für mich“, sagt et­wa Yor­ni­el Pi­ne­da. Der Ta­xi­fah­rer fährt aus­län­di­sche Tou­ris­ten mit sei­nem Chev­ro­let Bel Air, Bau­jahr 1957, durch Ha­van­na. „Um mir so ein Au­to zu kau­fen, müss­te ich meins neun­mal ver­kau­fen.“

In Rot: Ein Au­di Q2 auf dem Re­vo­lu­ti­ons­platz vor dem Bild von „Che“Gue­va­ra.

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