Ex­per­ten for­dern: Lasst we­ni­ger Au­tos in die Stadt

An­hö­rung im Rat­haus / Ärz­te war­nen vor Krank­hei­ten durch Luft­ver­schmut­zung / Ver­klei­ne­rung des Ci­ty­rings wie­der im Ge­spräch

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER - Von Andre­as Schin­kel

Der Ver­kehr auf Han­no­vers Stra­ßen nimmt zu, die Luft wird schmut­zi­ger, Schad­stoff­grenz­wer­te wer­den nicht ein­ge­hal­ten – was ist zu tun, da­mit die Luft sau­be­rer wird und die Han­no­ve­ra­ner mo­bil blei­ben? Die­se und an­de­re Fra­gen stan­den am Mon­tag im Mit­tel­punkt ei­ner Ex­per­ten­an­hö­rung im Rat­haus. Ver­tre­ter von Hand­werks­kam­mer, In­dus­trie­und Han­dels­kam­mer oder Wirt­schafts­ver­bän­den fehl­ten, die von Po­li­ti­kern ein­ge­la­de­nen Fach­leu­te aus den Be­rei­chen Me­di­zin, Ver­kehrs­pla­nung und Um­welt­be­ra­tung wa­ren sich da­für weit­ge­hend ei­nig: Han­no­ver braucht ei­ne Ver­kehrs­wen­de. Die Zahl der Au­tos, vor al­lem mit Die­sel­mo­to­ren, muss in der Ci­ty ver­rin­gert wer­den, da­für soll der An­teil von Rad­ver­kehr so­wie öf­fent­li­chem Nah­ver­kehr stei­gen.

„Klar muss sein: Es wird Ver­lus­te ge­ben“, sagt Oli­ver Bay­er, Vor­sit­zen­der ei­ner En­quete­kom­mis­si­on zum öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr in Nord­rhein-West­fa­len. Denn al­les zu­sam­men funk­tio­nie­re nicht – grü­ne Wel­le für Au­tos, schnel­les Durch­kom­men für Rad­ler, Vor­fahrt für Bus­se und Bah­nen.

Luft­ver­schmut­zung ist kein Ka­va­liers­de­likt, das be­le­gen die Stu­di­en von re­nom­mier­ten Me­di­zi­nern. Han­no­vers Herz­spe­zia­list Prof. Axel Ha­ve­rich forscht seit fünf Jah­ren über den Ein­fluss von Fe­in­staub auf die Ge­sund­heit. Sein Er­geb­nis: Die mi­kro­sko­pi­schen Par­ti­kel kön­nen di­ver­se Krank­hei­ten be­för­dern. „Es gibt nach­weis­lich Kor­re­la­tio­nen zwi­schen Fe­in­staub Blut­hoch­druck, Krebs und Lun­gen­er­kran­kun­gen“, sagt Ha­ve­rich.

Wie sich Fe­in­staub auf die Lun­ge aus­wirkt, hat der Di­rek­tor des Pul­mo­lo­gi­schen For­schungs­in­sti­tut in Cott­bus, Prof. Hans Schweis­furth, un­ter­sucht. „Das Lun­gen­krebs­ri­si­ko steigt mit der Fe­in­staub­kon­zen­tra­ti­on“, sagt er. Fe­in­staub wer­de we­ni­ger vom Ver­kehr ver­ur­sacht als viel­mehr von Land­wirt­schaft und In­dus­trie­ab­ga­sen. Aber auch Stick­stoff­di­oxid, das vor al­lem Die­sel­au­tos aus­sto­ßen, las­se das Krebs­ri­si­ko nach oben schnel­len. „Je nä­her die Men­schen an ei­ner be­fah­re­nen Stra­ße woh­nen, des­to häu­fi­ger kön­nen sie Lun­gen­krebs be­kom­men“, sagt Schweis­furth.

Um die Luft­ver­schmut­zung zu be­kämp­fen, soll­te die Zahl der Au­tos sin­ken, dar­in sind sich die Ex­per­ten ei­nig. Axel Fried­rich, Um­welt­be­ra­ter und ehe­ma­li­ger Ab­tei­lungs­lei­ter im Bun­des­um­welt­amt, sieht in Fahr­ver­bo­ten für Die­sel­au­tos die ein­zi­ge Mög­lich­keit, kurz­fris­tig die Mess­wer­te für Stick­stoff- di­oxid zu drü­cken. „In bin op­ti­mis­tisch, dass die Kla­ge der Deut­schen Um­welt­hil­fe ge­gen die Stadt Han­no­ver Er­folg hat“, sagt er.

Die Stadt­ver­wal­tung star­tet jetzt ein Pro­gramm, um Elek­tro­mo­bi­li­tät zu för­dern, et­wa durch den Bau von La­de­sta­tio­nen. „Das ist nicht die Lö­sung“, sagt der Jour­na­list und Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Win­fried Wolf. Der An­teil von E-Au­tos wer­de auch künf­tig zu ge­ring sein, um Luft­qua­li­tät zu ver­bes­sern. Er plä­diert da­für, den öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr zu för­dern, et­wa mit kos­ten­lo­sen Ti­ckets oder der 365-Eu­ro-Jah­res­kar­te.

Im Grun­de ha­be Han­no­ver be­reits ei­nen gu­ten Plan, um den Ver­kehr an­ders zu or­ga­ni­sie­ren und die Luft zu ver­bes­sern, fin­det Prof. Wolf­gang Hal­ler vom In­ge­nieur­bü­ro SHP. Das Bü­ro hat am so­ge­nann­ten Mas­ter­plan Mo­bi­li­tät mit­ge­ar­bei­tet und be­gut­ach­tet häu­fig Bau­vor­ha­ben der Stadt, un­ter an­de­rem den Aus­bau der D-Li­nie. „Wir ha­ben je­doch ein Voll­zugs­de­fi­zit“, meint Hal­ler. Beim öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr sei we­ni­ger die Ge­schwin­dig­keit als viel­mehr der Takt der Bus­se und Bah­nen ent­schei­dend. Und der Ci­ty­ring funk­tio­nie­re auch mit ei­nem Fahr­strei­fen we­ni­ger. Das Au­to, so zeich­ne sich ab, ver­lie­re in gro­ßen Städ­ten oh­ne­hin an Be­deu­tung.

Ex­per­ten für Luft­versch­vut­zu­wr, Ge­suwp­heit uwp Mo­bi­li­tät pis­ku­tie­r­ew über ei­we Ver­kehrs­wew­pe : Oli­ver Bhy­er, Vor­sit­zew­per per Ewquete­kov­vis­siow (v. l.), Uv­welthkti­vist Ar­we Käthwer uwp Prof. Axel Hh­ve­rich.

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