Der lan­ge Weg zum Job in Deutsch­land

IQ stellt po­si­ti­ve Bi­lanz vor: Netz­werk hilft 13 500 aus­län­di­schen Fach­kräf­ten bei der An­er­ken­nung von Ab­schlüs­sen

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER - Von Lau­ra Ebe­ling

Am­ra Dzana­no­víc ist froh, end­lich in Deutsch­land ar­bei­ten zu kön­nen. „In Bos­ni­en ha­be ich kei­ne Ar­beit ge­fun­den und konn­te da­her nicht selbst­stän­dig le­ben“, be­rich­tet die in Bos­ni­en aus­ge­bil­de­te Kran­ken­schwes­ter. Seit De­zem­ber 2015 ar­bei­tet die 23-Jäh­ri­ge im Se­nio­ren­und The­ra­pie­zen­trum Am Her­ren­haus Sick­te im Kreis Wol­fen­büt­tel. Da­bei ist Dzana­no­víc kein Ein­zel­fall: Im­mer mehr aus­län­di­sche Fach­kräf­te zieht es nach Deutsch­land, um hier ei­ne Ar­beit zu fin­den. Und vor al­lem im Pfle­ge- und Ge­sund­heits­seg­ment und in der In­for­ma­ti­ons­tech­nik (IT) wer­den sie von Un­ter­neh­men mit of­fe­nen Ar­men emp­fan­gen. „Wir sind ex­tra zwei­mal nach Ser­bi­en ge­flo­gen und ha­ben dort Pfle­ge­kräf­te für un­se­re Häu­ser an­ge­wor­ben“, er­zählt Tho­mas Erbs­löh, Lei­ter ei­nes Se­nio­ren­stifts des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes im We­ser­berg­land. „Wir be­kom­men seit Mo­na­ten kei­ne Fach­kräf­te­be­wer­bun­gen mehr.“

Doch selbst mit ih­rer ab­ge­schlos­se­nen Kran­ken­schwes­ter­aus­bil­dung konn­te die Bos­nie­rin nicht so­fort die Ar­beit in Sick­te auf­neh­men. Ih­re Qua­li­fi­zie­rung wird in Deutsch- land nicht im vol­len Um­fang an­er­kannt, da die Schwer­punk­te bei der Aus­bil­dung im Aus­land an­ders ge­setzt wer­den. Al­ler­dings konn­te Dzana­no­víc ei­ne Kennt­nis­prü­fung, al­so die Ab­schluss­prü­fung ei­nes Aus­zu­bil­den­den der Ge­sund­heits­und Kran­ken­pfle­ge, nach­ho­len und da­mit auch in Deutsch­land als an­er­kann­te Fach­kraft ar­bei­ten. Bei die­sem Ver­fah­ren un­ter­stützt das nie­der­säch­si­sche Netz­werk In­te­gra­ti­on durch Qua­li­fi­ka­ti­on (IQ). Das durch den Bund, die Eu­ro­päi­sche Uni­on und das Land Nie­der­sach­sen ge­för­der­te Pro­jek­te hat nie­der­sach­sen­weit 14 An­lauf­stel­len, die An­er­ken­nungs­so­wie Qua­li­fi­zie­rungs­be­ra­tun­gen an­bie­ten. Seit 2011 wur­den da­durch mehr als 13500 Be­rufs­ab­schlüs­se er­reicht. Die ein­zi­gen Vor­aus­set­zun­gen sind, dass die Teil­neh­mer ei­ne qua­li­fi­zier­te Be­rufs­aus­bil­dung ha­ben, die sie mit ei­nem Zeug­nis und ei­nem Di­plom nach­wei­sen kön­nen, und selbst­stän­dig die deut­sche Spra­che (auf B1-Ni­veau) spre­chen kön­nen.

13 500 Ab­schlüs­se seit 2011 „Ich ha­be in Bos­ni­en schon mein B1 ge­macht“, er­zählt Dzana­no­víc. Zu­nächst ha­be sie sechs Mo­na­te als Pfle­ge­hel­fe­rin in Sick­te ge­ar­bei­tet und dann in neun Mo­na­ten ih­re Kennt­nis­prü­fung er­folg­reich ab­sol­viert. Wäh­rend der Vor­be­rei­tung auf die Prü­fung ar­bei­ten die Teil­neh­mer zum Teil in Be­trie­ben und ha­ben Block­un­ter­richt, in Dzana­no­vícs Fall in der Volks­hoch­schu­le Braun­schweig, Fach­part­ner des IQ-Netz­wer­kes. „Wir ha­ben su­per Er­fah­run­gen mit aus­län­di­schen Pfle­ge- kräf­ten ge­macht“, be­stä­tigt Christoph Iser­mey­er, Lei­ter des Se­nio­ren­und The­ra­pie­zen­trums Am Her­ren­haus Sick­te. Er be­schäf­ti­ge ins­ge­samt 22 bos­ni­sche Mit­ar­bei­ter. „Es ist schon ein enor­mer Kraft­auf­wand, aber es lohnt sich.“

„War­ten war das Schlimms­te“Ei­nen an­de­ren Weg hat Sa­lah Ha­med aus Al­ge­ri­en ein­ge­schla­gen. „Ich bin für ei­ne bes­se­re Zu­kunft nach Deutsch­land ge­kom­men“, be­rich­tet der 32-Jäh­ri­ge. Der stu­dier­te Elek­tro­in­ge­nieur ist am 28. De­zem­ber 2014 nach Han­no­ver ge­kom­men und hat mit Hil­fe ei­ner IQ-Be­ra­tungs­stel­le in Han­no­ver sein An­er­ken­nungs­ver­fah­ren ge­star­tet. Al­ler­dings dau­er­te es drei Mo­na­te, bis er ei­nen Ge­sprächs­ter­min er­hielt, und dann noch ein­mal sechs Mo­na­te, bis sein Di­plom in Tei­len an­er­kannt wur­de. „Das lan­ge War­ten war das Schlimms­te“, fin­det er im Nach­hin­ein. Im Ok­to­ber 2016 mach­te er schließ­lich sei­ne An­er­ken­nung als In­ge­nieur und ar­bei­tet seit No­vem­ber 2017 im Start-upUn­ter­neh­men In­noSep in Han­no­ver. Al­ler­dings hat Ha­med noch gro­ße Plä­ne: „Ich möch­te spä­ter mein ei­ge­nes Start-up-Un­ter­neh­men in Deutsch­land grün­den.“

FO­TO: VON DITFURTH

Er­folg­rei­che IQ-Netz­wer­ker: Am­ra Dzana­no­víc aus Bos­ni­en und Sa­lah Ha­med, der aus Al­ge­ri­en stammt.

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