Kin­der­por­no­gra­fie nimmt zu – LKA be­klagt Da­ten­schutz

Fäl­le in Nie­der­sach­sen um 19 Pro­zent ge­stie­gen / LKA for­dert Vor­rats­da­ten­spei­che­rung / „Da­ten­schutz darf nicht vor Kin­der­schutz ge­hen“

Hannoversche Allgemeine - - VORDERSEITE - Von Michael B. Ber­ger

Die se­xu­el­le Ge­walt ge­gen Kin­der und Ju­gend­li­che im In­ter­net nimmt zu – auch in Nie­der­sach­sen. Fahn­der vom LKA ha­ben in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren ei­nen Zu­wachs um 145 auf 901 Fäl­le re­gis­triert. Das Lan­des­kri­mi­nal­amt for­dert, Er­mitt­lun­gen im In­ter­net zu er­leich­tern, um den Tä­tern schnel­ler auf die Spur kom­men zu kön­nen.

Han­no­ver. Die Fäl­le von Kin­der­por­no­gra­fie neh­men zu, und die Fil­me und Fo­tos wer­den im­mer leich­ter über das In­ter­net kon­su­mier­bar. Auch in Nie­der­sach­sen sind die Zah­len für die­ses be­son­ders düs­te­res Ver­bre­chen ge­stie­gen, bei dem Kin­der zu se­xu­el­len Hand­lun­gen ge­zwun­gen und ge­filmt wer­den.

Da­bei ist nicht nur der Miss­brauch straf­bar, son­dern auch das Her­un­ter­la­den und das An­schau­en der Vi­de­os oder Bil­der. So sind die Fäl­le von „Ver­brei­tung, Er­werb und Be­sitz kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten“nach An­ga­ben des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes (LKA) in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren deut­lich an­ge­wach­sen – um 145 auf 901 Fäl­le im ver­gan­ge­nen Jahr. Das ent­spricht ei­ner Stei­ge­rung um 19 Pro­zent. Auch dies­jäh­rig sei­en die Fäl­le um 18,45 Pro­zent ge­stie­gen, be­rich­tet das LKA auf ei­ne An­fra­ge der HAZ.

Gleich­zei­tig wird die Ver­fol­gung der Straf­tä­ter durch recht­li­che Hür­den im­mer schwie­ri­ger, be­klagt der neue LKA-Prä­si­dent Frie­do de Vries: „Wir brau­chen drin­gend die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung zur Ver­fol­gung schwe­rer Kri­mi­na­li­tät, ins­be­son­de­re zur Be­kämp­fung von Kin­der­por­no­gra­fie. Es kann nicht sein, dass un­se­re Er­mitt­lungs­an­sät­ze der­zeit an der Tat­sa­che schei­tern, dass IP-Adres­sen nicht mehr ge­spei­chert sind und wir die Tä­ter nicht iden­ti­fi­zie­ren kön­nen“, sag­te de Vries der HAZ.

„Das ist ei­ne rich­ti­ge In­dus­trie“Die Spei­che­rung von Da­ten auf Vor­rat ist nach lang­jäh­ri­gem Rechts­streit der­zeit fak­tisch aus­ge­setzt. Der Miss­brauchs­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Jo­han­nes-Wil­helm Rö­rig, wand­te sich vor we­ni­gen Ta­gen mit ei­nem Hil­fe­ruf an die Öf­fent­lich­keit und ver­lang­te recht­li­che Klä­run­gen: „Da­ten­schutz darf nicht vor Kin­der­schutz ge­hen.“Des­halb müs­se man über die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung neu re­den. Auch Jo­han­nes Schmidt, Lan­des­vor­sit­zen­der des Kin­der­schutz­bun­des in Nie­der­sach­sen, fin­det: „Man darf in die­ser Fra­ge nicht zu li­be­ral sein, denn die Me­tho­den der Kin­der­por- no­gra­fie sind per­fi­de. Das ist mitt­ler­wei­le ei­ne rich­ti­ge In­dus­trie ge­wor­den, die wie die Ma­fia ar­bei­tet“, sag­te Schmidt der HAZ. Da­bei er­mit­tel­ten die deut­schen Be­hör­den schon mit gro­ßer Quan­ti­tät und Qua­li­tät.

Im­mer mehr jun­ge Tä­ter Dass die Fall­zah­len im Be­reich Kin­de­r­und Ju­gend­por­no­gra­fie in Nie­der­sach­sen stei­gen, lie­ge auch an ver­schärf­ten Er­mitt­lun­gen und an gro­ßen Ver­fah­ren, die bun­des­weit ge­führt wer­den, er­läu­tert Frank Fe­derau, Spre­cher des LKA Nie­der­sach­sen. Ins­be­son­de­re in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren ha­be man Hin­wei­se von der USame­ri­ka­ni­schen Or­ga­ni­sa­ti­on „Na­tio­nal Cent­re für Mis­sing and Ex­ploi­ted“er­hal­ten, die sich um ver­miss­te und aus­ge­beu­te­te Kin­der küm­mert. Die­se ha­be Hin­wei­se von In­ter­net­pro­vi­dern zu kin­der­por­no­gra­fi­schen In­hal­ten an das Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) ge­sen­det, so­fern sie auf Deutsch­land deu­te­ten. Vom BKA sind sie dann an die be­trof­fe­nen Bundesländer über­mit­telt wor­den.

Nach LKA-Re­cher­chen wer­den die Tä­ter im Be­reich der Kin­der­por­no­gra­fie im­mer jün­ger. So sei­en im ver­gan­ge­nen Jahr 41 Pro­zent der 1175 Tat­ver­däch­ti­gen jün­ger als 21Jah­re ge­we­sen. Ein Jahr zu­vor ha­be der An­teil die­ser jun­gen Tä­ter noch 34 Pro­zent be­tra­gen. Auch bei den Min­der­jäh­ri­gen stei­ge der An­teil von Tat­ver­däch­ti­gen an – ei­ne Fol­ge der Tat­sa­che, dass Ju­gend­li­che in­ner­halb ih­res Freun­des­krei­ses oder ih­res Klas­sen­ver­ban­des von sich selbst er­stell­te oder aus dem In­ter­net ge­fisch­te kin­der­por­no­gra­fi­sche Bil­der oder Vi­de­os ver­schi­cken. Die Be­trei­ber kin­der­por­no­gra­fi­scher Sei­ten sä­ßen meist im Aus­land.

Po­li­zist bei Er­mitt­lun­gen im Netz: Die Zahl der Fäl­le steigt auch in die­sem Jahr wei­ter.

FO­TO: DPA

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„Wir brau­chen die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung“: LKAChef Frie­do de Vries.

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