Zu viel An­gel­säch­sisch

Die nie­der­län­di­sche Re­gie­rung will Uni­ver­si­tä­ten vom Eng­li­schen be­frei­en

Hannoversche Allgemeine - - VORDERSEITE - Von Alex­an­der Dahl

Han­no­ver. Die Nie­der­län­der sind ei­ne Ex­port­na­ti­on, ih­re Spra­che hat vie­le Lehn­wör­ter aus dem Eng­li­schen über­nom­men, und Fil­me aus dem an­gel­säch­si­schen Sprach­raum wer­den in der Ori­gi­nal­fas­sung aus­ge­strahlt. Da liegt es na­he, dass beim po­ly­glot­ten deut­schen Nach­barn auch an den Uni­ver­si­tä­ten Eng­lisch Um­gangs­spra­che ist.

Neu­es­ten Er­he­bun­gen zu­fol­ge wer­den mitt­ler­wei­le rund ein Vier­tel al­ler Ba­che­lor- und so­gar drei Vier­tel al­ler Mas­ter-Stu­di­en­gän­ge aus­schließ­lich in eng­li­scher Spra­che er­teilt. Pro­mo­tio­nen auf Nie­der­län­disch gibt es so gut wie gar nicht mehr. Die Grup­pe Be­ter On­der­wi­js Ne­der­land (BON), zu Deutsch: „Bes­se­re Bil­dung in den Nie­der­lan­den“, rügt mitt­ler­wei­le „Sprach­ver­lu­de­rung“und ei­nen fort­schrei­ten­den Kul­tur­ver­lust.

Jetzt will auch die Re­gie­rung in Den Haag ein­grei­fen. Bil­dungs­mi­nis­te­rin In­grid van En­gels­hoven möch­te aus­län­di­schen Stu­den­ten, den Pro­fi­teu­ren der Eng­li­schwel­le in den Hör­sä­len, ei­ne hö­he­re Ge­bühr ab­ver­lan­gen.

Au­ßer­dem soll die Zahl der eng­lisch­spra­chi­gen Stu­di­en­plät­ze dau­er­haft be­grenzt wer­den; gibt es mehr Be­wer­ber als Plät­ze, soll das Los ent­schei­den. Eng­lisch als Lehr­spra­che will van En­gels­hoven zu­dem in Zu­kunft da­durch zu­rück­drän­gen, dass für sei­ne Ver­wen­dung „ein Mehr­wert“nach­ge­wie­sen wer­den muss.

Vom Lehr­be­trieb in Eng­lisch ha­ben nie­der­län­di­sche Uni­ver­si­tä­ten bis­her wirt­schaft­lich pro­fi­tiert: Auch aus­län­di­sche Stu­den­ten zah­len Stu­di­en­ge­büh­ren von mehr als 2000 Eu­ro pro Jahr. Und weil es in den Nie­der­lan­den kaum Zu­las­sungs­be­schrän­kun­gen gibt, sind mitt­ler­wei­le et­wa 122000 von rund 650 000 Stu­den­ten Aus­län­der.

In­zwi­schen wer­de an den Hoch­schu­len so­gar dann Eng­lisch ge­re­det, wenn gar kein Aus­län­der im Raum sei, ätz­ten Me­di­en im Nach­bar­land. Und Ka­ren Maex, Rek­to­rin der Uni­ver­si­tät Ams­ter­dam, frag­te die­ser Ta­ge: „Kön­nen Sie sich ei­nen Hör­saal vor­stel­len mit 80 Pro­zent Stu­den­ten aus Deutsch­land und Chi­na?“Vie­len Men­schen im klei­nen Kö­nig­reich ist die­ser Ge­dan­ke of­fen­bar nicht sehr an­ge­nehm.

FO­TO: DPA

Bis­her wird in den Nie­der­lan­den häu­fig Eng­lisch im Hör­saal ge­spro­chen.

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