Hoch­mü­tig auf dem Hö­he­punkt

Hannoversche Allgemeine - - BLICK IN DIE ZEIT - Von Ste­fan Koch

Es ist der Hö­he­punkt sei­ner bis­he­ri­gen Amts­zeit. Do­nald Trump de­mons­triert, wie er die­ser Welt sei­nen Stil auf­zwingt und nach neu­en We­gen sucht. Das per­sön­li­che Ge­spräch mit Kim Jong Un öff­net oh­ne Zwei­fel neue Chan­cen für die Zu­kunft der ko­rea­ni­schen Halb­in­sel – aber der Preis ist hoch.

Tat­säch­lich ist es für Trump ein Leich­tes, sich als Sie­ger zu prä­sen­tie­ren. Die frü­he­ren Sech­ser-Run­den mit Ver­tre­tern aus den USA, Chi­na, Russ­land, Ja­pan, Süd­ko­rea und Nord­ko­rea ver­lie­fen schlep­pend und frucht­los. Am En­de stand ein hoch­ge­rüs­te­tes Nord­ko­rea, das die Nach­bar­län­der mit im­mer neu­en Ra­ke­ten­tests in Angst und Schre­cken ver­setz­te.

Trump da­ge­gen sucht den di­rek­ten Draht zu dem Kon­tra­hen­ten. Sei­ne Stra­te­gie geht – zu­min­dest vor­erst – auf: Der jun­ge Macht­ha­ber aus Pjöng­jang er­kennt die Chan­cen, die ihm der un­kon­ven­tio­nel­le US-Prä­si­dent er­öff­net, und ge­nießt erst mal das Blitz­licht­ge­wit­ter. Kim Jong Un hat de fac­to nichts auf­ge­ge­ben, kann aber ei­ne enor­me di­plo­ma­ti­sche Auf­wer­tung für sich ver­bu­chen – und ei­ne Sta­bi­li­sie­rung sei­ner Macht. An­ge­sichts der Bil­der des freund­lich lä­cheln­den jun­gen Nord­ko­rea­ners, der durch die Par­ty­mei­le von Sin­ga­pur schlen­dert, ge­rät es fast zur Fuß­no­te, dass sei­ne Hei­mat ei­nem men­schen­ver­ach­ten­den Ar­beits­la­ger gleicht.

Si­cher­lich: Die Un­ver­bind­lich­keit in den ge­mein­sa­men Er­klä­run­gen war zu er­war­ten und soll­te den Be­tei­lig­ten nicht zum Vor­wurf ge­macht wer­den. Die his­to­ri­sche Be­deu­tung des Tref­fens liegt im Hän­de­druck selbst, nicht in ir­gend­ei­nem Deal. Im­mer­hin stimmt jetzt die Rich­tung: Man re­det mit­ein­an­der und droht ein­an­der nicht nur. Dies lässt ei­nen Hoff­nungs­schim­mer leuch­ten über ei­ner nach wie vor ex­trem an­ge­spann­ten Re­gi­on.

Für die Wel­t­ord­nung ins­ge­samt aber ha­ben die ver­gan­ge­nen wir­ren Ta­ge mit Trump viel Scha­den ge­bracht. Die Art und Wei­se, wie der US-Prä­si­dent den nord­ko­rea­ni­schen Dik­ta­tor lob­te und um­garn­te, steht in frap­pie­ren­dem Wi­der­spruch zu sei­nem häss­li­chen Um­gang mit den G-7-Part­nern. Oh­ne mit der Wim­per zu zu­cken, nutz­te Trump so­gar sei­ne Pres­se­kon­fe­renz in Sin­ga­pur zu neu­en Atta­cken auf den ka­na­di­schen Pre­mier­mi­nis­ter Jus­tin Tru­deau: Ka­na­da wer­de für des­sen Kri­tik an den USA „noch viel Geld be­zah­len“.

Ha­ben sich in­zwi­schen All­machts­ge­füh­le ein­ge­schli­chen in das Den­ken Do­nald Trumps? Glaubt er, er kön­ne sei­ne Nach­barn im Nor­den und Sü­den und auch die Eu­ro­pä­er her­um­schub­sen, wie es ihm ge­fällt? Und glaubt er, er kön­ne ganz ne­ben­bei mal eben ei­ne jahr­zehn­te­al­te Kri­se bin­nen 48 Mi­nu­ten zu En­de brin­gen? Hoch­mut kommt vor dem Fall. Lei­der sagt ihm das kei­ner sei­ner Be­ra­ter. Aber ei­gent­lich müss­te je­mand, der sich selbst aus­drück­lich als „sta­bi­les Ge­nie“be­zeich­net hat, so­gar selbst dar­auf kom­men.

Ha­ben sich in­zwi­schen All­machts­ge­füh­le ein­ge­schli­chen in das Den­ken Do­nald Trumps?

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