So­fort in den Ha­fen!

Hannoversche Allgemeine - - BLICK IN DIE ZEIT - Von Aloys Vi­mard

Wir be­fin­den uns der­zeit in in­ter­na­tio­na­len Ge­wäs­sern zwi­schen Mal­ta und Si­zi­li­en. Wir hat­ten meh­re­re Ta­ge lang 629 Men­schen an Bord, un­ter ih­nen 11 klei­ne Kin­der, 123 un­be­glei­te­te Min­der­jäh­ri­ge und mehr als 80 Frau­en, dar­un­ter sie­ben Schwan­ge­re. Am Di­ens­tag­abend wur­den 400 von ih­nen auf An­wei­sung der ita­lie­ni­schen See­notret­tungs­leit­stel­le auf zwei ita­lie­ni­sche Schif­fe ge­bracht. Wir ha­ben noch im­mer 229 Men­schen an Bord – die Frau­en, Kin­der und ver­letz­li­che Men­schen. Die meis­ten von ih­nen sind er­schöpft. Wir ha­ben meh­re­re Men­schen in kri­ti­schem Zu­stand be­han­deln müs­sen, dar­un­ter ei­ni­ge, die fast er­trun­ken wä­ren, und an­de­re mit Ve­rät­zun­gen. Wir muss­ten ei­ni­ge Men­schen wie­der­be­le­ben.

Die­se Men­schen müss­ten so­fort in ei­nen si­che­ren Ha­fen ge­bracht wer­den. Die ita­lie­ni­sche See­notret­tungs­leit­stel­le hat uns aber an­ge­wie­sen, sie ins drei Ta­ges­rei­sen ent­fern­te Va­len­cia brin­gen. Wir sind kein Pas­sa­gier­schiff, ei­ni­ge müs­sen auf dem of­fe­nen Deck aus­har­ren, wo sie Son­ne und Wet­ter aus­ge­setzt sind. Es wä­re am bes­ten, wenn die ita­lie­ni­schen Be­hör­den ih­ren Job ma­chen und das in­ter­na­tio­na­le See­recht re­spek­tie­ren wür­den. Das heißt, dass sie uns so schnell wie mög­lich ei­nen Ha­fen zu­wei­sen und wir al­le Ge­ret­te­ten an ei­nen si­che­ren Ort brin­gen kön­nen. Die Men­schen an Bord fra­gen uns, war­um das Schiff nicht wei­ter­fährt und was nun pas­siert. Ein Mann droh­te da­mit, über Bord zu sprin­gen. Er sag­te, er ha­be Angst, dass er nach Li­by­en zu­rück­ge­bracht wür­de, und dass er das Ver­trau­en in uns ver­lo­ren ha­be. Die Men­schen wer­den im­mer ver­zwei­fel­ter.

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