„Ein Er­folg für Kim“

CDU-Au­ßen­ex­per­te Rött­gen wirft Trump Nar­ziss­mus vor

Hannoversche Allgemeine - - BLICK IN DIE ZEIT - In­ter­view: Ras­mus Buch­stei­ner

Herr Rött­gen, war der Gip­fel in Sin­ga­pur nur Sym­bol­po­li­tik mit un­ver­bind­li­chen An­kün­di­gun­gen oder am En­de doch ein ech­ter Durch­bruch?

We­der noch! Es ist si­cher­lich ein Fort­schritt, von der Droh-Rhe­to­rik der Ver­gan­gen­heit zu ei­nem Ver­hand­lungs­pro­zess zu kom­men. Al­ler­dings sind nur An­kün­di­gun­gen er­reicht wor­den, nicht mehr. Ich rech­ne nicht da­mit, dass Nord­ko­rea sein Ra­ke­ten­pro­gramm rasch auf­ge­ben wird. Die­ses Tref­fen war für den nord­ko­rea­ni­schen Dik­ta­tor ein un­glaub­li­cher Ach­tungs­er­folg.

Weil Kim Jong Un die Ei­ni­gung für sei­ne Pro­pa­gan­da aus­schlach­ten wird?

Kim ist von den USA und ih­rem Prä­si­den­ten ho­fiert und aus der di­plo­ma­ti­schen Iso­lie­rung her­aus­ge­führt wor­den, oh­ne ir­gend­ei­ne Leis­tung er­bracht zu ha­ben. Trump da­ge­gen kün­digt an, mit dem jahr­zehn­te­lan­gen Ver­bün­de­ten Süd­ko­rea kei­ne ge­mein­sa­men Ma­nö­ver mehr ab­zu­hal­ten und die US-Trup­pen von dort wo­mög­lich ab­zu­zie­hen. Trump hat sei­nem Pres­ti­ge­be­dürf­nis al­les un­ter­ge­ord­net. Es war sein Wunsch, der Welt ei­nen gro­ßen Er­folg zu prä­sen­tie­ren. Da­mit hat er die USA in ei­ne Po­si­ti­on der Schwä­che ge­führt.

Wel­che ge­mein­sa­men In­ter­es­sen ha­ben Trump und der nord­ko­rea­ni­sche Dik­ta­tor?

Kims Kal­kül in den ver­gan­ge­nen Jah­ren war, die USA durch die Dro­hung mit in­ter­kon­ti­nen­ta­len Nu­kle­ar­waf­fen zu zwin­gen, sich auf Ver­hand­lun­gen ein­zu­las­sen. Das hat er in vol­lem Um­fang er­reicht. Trump war in die­ser Fra­ge vor al­lem von sei­nem Nar­ziss­mus ge­trie­ben. Er woll­te der Welt „ei­nen groß­ar­ti­gen Er­folg“prä­sen­tie­ren, wie er selbst ge­sagt hat.

Legt Trump im Fall Nord­ko­rea völ­lig an­de­re Maß­stä­be an als ge­gen­über dem Iran?

Die Auf­kün­di­gung des Iran-Ab­kom­mens und sein Vor­ge­hen in der Nord­ko­rea-Fra­ge ste­hen völ­lig im Wi­der­spruch zu­ein­an­der. Durch das Iran-Ab­kom­men ist für die Welt über­prüf­bar das En­de der Ar­bei­ten an ei­ner Atom­bom­be er­reicht wor­den. Nord­ko­rea hat Trump in der Fra­ge der Den­u­kle­a­ri­sie­rung nichts Kon­kre­tes zu­ge­sagt. Vor die­sem Hin­ter­grund ist sein Um­gang mit dem Iran-Ab­kom­men für mich um­so un­ver­ständ­li­cher.

Hal­ten Sie ei­nen Kom­plett-Rück­zug der ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen von der ko­rea­ni­schen Halb­in­sel für denk­bar?

Vor­her­sa­gen sind schwie­rig, wenn man an Trumps Per­sön­lich­keit denkt. Es wird si­cher­lich im US-Se­nat, im Re­prä­sen­tan­ten­haus und im Au­ßen­mi­nis­te­ri­um ei­ne kri­ti­sche Nach­be­trach­tung des Gip­fels ge­ben. Die Süd­ko­rea­ner wer­den dar­auf drin­gen, die bis­he­ri­gen Si­cher­heits­ga­ran­ti­en durch die USA zu er­hal­ten.

Was ist jetzt nach die­sem Gip­fel das Ge­bot der Stun­de für den Rest der Welt­ge­mein­schaft?

Für den Rest der Welt­ge­mein­schaft wird es nicht leicht, hier ein­zu­wir­ken. Es geht jetzt erst ein­mal um bi­la­te­ra­le Ver­hand­lun­gen zwi­schen den USA und Nord­ko­rea. Die Na­toVer­bün­de­ten der Ame­ri­ka­ner soll­ten ein­for­dern, dass es kei­ne ein­sei­ti­gen Vor­leis­tun­gen zu­las­ten Süd­ko­reas gibt und von nord­ko­rea­ni­scher Sei­te sicht­ba­re Schrit­te der Abrüs­tung er­fol­gen.

FO­TO: IMAGO Nor­bert Rött­gen (CDU) ist Vor­sit­zen­der des Aus­wär­ti­gen Aus­schus­ses des Bun­des­ta­ges. Der CDUPo­li­ti­ker und ehe­ma­li­ge Bun­des­um­welt­mi­nis­ter ist seit 1994 Mit­glied des Bun­des­ta­ges.

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