Ita­li­en bringt 629 Flücht­lin­ge nach Spa­ni­en

Schif­fe der Küs­ten­wa­che und Ma­ri­ne über­neh­men die Mi­gran­ten von der „Aqua­ri­us“– Neue Tra­gö­die im Mit­tel­meer

Hannoversche Allgemeine - - POLITIK - Von Stef­fen Trumpf

Rom. Ita­lie­ni­sche Schif­fe sol­len die Flücht­lin­ge auf der im Mit­tel­meer aus­har­ren­den „Aqua­ri­us“nach Spa­ni­en brin­gen. Die 629 Men­schen wür­den an Bord ei­nes Schiffs der Küs­ten­wa­che und ei­nes der Ma­ri­ne ge­bracht, er­klär­te ei­ne Spre­che­rin der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on SOS Me­di­ter­ra­née. Grund sei­en die schlech­ten Wet­ter­aus­sich­ten auf dem Weg nach Va­len­cia.

Ab­hän­gig vom Wet­ter und der Ab­fahrts­zeit könn­ten die Schif­fe in drei bis vier Ta­gen im Ha­fen von Va­len­cia ein­lau­fen. Dort be­rei­te­ten sich Hel­fer des Ro­ten Kreu­zes be­reits auf die An­kunft der Mi­gran­ten vor, die teil­wei­se me­di­zi­ni­sche Hil­fe be­nö­ti­gen.

Die „Aqua­ri­us“und an­de­re Schif­fe hat­ten am Wo­che­n­en­de Ge­flüch­te­te von Schmugg­ler­boo­ten auf­ge­le­sen. Ita­li­en und Mal­ta ver­wei­ger­ten dem Ret­tungs­schiff aber die Ha­fen­ein­fahrt. Spa­ni­ens neu­er Re­gie­rungs­chef Pe­dro Sán­chez bot am Mon­tag an, dass das Schiff in Va­len­cia vor An­ker ge­hen kön­ne.

Der spa­ni­sche Au­ßen­mi­nis­ter Jo­sep Bor­rell er­klär­te, mit der Ent­schei­dung zur Auf­nah­me der Men­schen wol­le sein Land die Eu­ro­päi­sche Uni­on drän­gen, beim EU-Gip­fel En­de Ju­ni das The­ma Flücht­lings­po­li­tik auf­zu­grei­fen. Die spa­ni­sche Ges­te zie­le dar­auf ab, ei­ne Dy­na­mik aus­zu­lö­sen, um die Po­li­tik des Weg­se­hens zu be­en­den, sag­te Bor­rell dem Ra­dio­sen­der Ser.

Die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Ärz­te oh­ne Gren­zen for­der­te am Diens­tag Ita­li­en und Mal­ta auf, die „Aqua­ri­us“doch noch ein­lau­fen zu las­sen. Die Men­schen an Bord sei­en zu er­schöpft für wei­te­re vier Ta­ge auf See, er­klär­te die Or­ga­ni­sa­ti­on. Be­son­ders den Mi­gran­ten, die nach ei­nem Sturz ins Was­ser wie­der­be­lebt wer­den muss­ten, droh­ten schwe­re Lun­gen­pro­ble­me. Ärz­te oh­ne Gren­zen be­treibt die „Aqua­ri­us“ge­mein­sam mit SOS Me­di­ter­ra­née.

Der un­ga­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Vik­tor Or­ban be­grüß­te da­ge­gen die Ent­schei­dung der ita­lie­ni­schen Re­gie­rung. Sei­ne ers­te Re­ak­ti­on sei ge­we­sen „End­lich!“, sag­te Or­ban nach ei­nem Tref­fen mit sei­nem slo­wa­ki­schen Kol­le­gen Pe­ter Pel­le­gri­ni. Es sei de­pri­mie­rend ge- we­sen, vie­le Jah­re lang zu hö­ren, dass die eu­ro­päi­schen See­gren­zen nicht ver­tei­digt wer­den könn­ten. Die Ent­schei­dung aus Rom wer­de nun Ve­rän­de­run­gen in der eu­ro­päi­schen Flücht­lings­po­li­tik her­bei­füh­ren.

Bei ei­nem neu­en Un­glück mit ei­nem Flücht­lings­boot im Mit­tel­meer sind meh­re­re Men­schen ums Le­ben ge­kom­men. Ein US-Ma­ri­ne­schiff ha­be nach ei­ner Ha­va­rie des Boo­tes vor der li­by­schen Küs­te 41 Men­schen ge­ret­tet, zwölf To­te sei­en be­stä­tigt wor­den, er­klär­te die deut­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Sea-Watch am Diens­tag. Die Sea-Watch sei un­ter­wegs zur Un­glücks­stel­le. „Das pas­siert, wenn nicht ge­nug Res­sour­cen zur Ret­tung be­reit­ste­hen“, so die Ber­li­ner Or­ga­ni­sa­ti­on.

FO­TO: DPA

Auf dem Weg nach Spa­ni­en: Flücht­lings­kind und Hel­fer am Diens­tag an Bord des Hilfs­schif­fes „Aqua­ri­us“.

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