Da­ten­schutz: Mit­tel­ständ­ler ru­fen nach Ent­las­tung

Kri­tik an „un­prak­ti­ka­blen“Re­ge­lun­gen / Wirt­schafts­na­he Ver­ei­ni­gun­gen von SPD, CDU/CSU und FDP ma­chen sich für schnel­le Än­de­run­gen stark

Hannoversche Allgemeine - - NIEDERSACHSEN & DER NORDEN - Von Al­brecht Scheu­er­mann

Han­no­ver/Ber­lin. Vor nicht ein­mal drei Wo­chen ist die Da­ten­schutz­Grund­ver­ord­nung in der Eu­ro­päi­schen Uni­on in Kraft ge­tre­ten – doch der Ruf nach Nach­bes­se­run­gen wird im­mer lau­ter. Vie­le Mit­tel­ständ­ler schimp­fen über die zu­sätz­li­che Bü­ro­kra­tie und die dro­hen­den Sank­tio­nen bei Ver­stö­ßen. Jetzt hat sich in Deutsch­land ei­ne par­tei­über­grei­fen­de In­itia­ti­ve ge­bil­det, die auf schnellst­mög­li­che Än­de­run­gen dringt. Da­hin­ter ste­hen die wirt­schafts­na­hen Ver­ei­ni­gun­gen von SPD, CDU/CSU und FDP.

Die Da­ten­schutz-Grund­ver­ord­nung (DSGVO) re­gelt eu­ro­pa­weit den Um­gang von Un­ter­neh­men, Or­ga­ni­sa­tio­nen und staat­li­chen Stel­len mit per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten. Ziel ist ein bes­se­rer Da­ten­schutz. Die Ar­beits­ge­mein­schaft Selbst­stän­di­ge in der SPD, das Wirt­schafts­fo­rum der SPD, der Li­be­ra­le Mit­tel­stand so­wie die Mit­tel­standsund Wirt­schafts­ver­ei­ni­gung der CDU/CSU sind sich ei­nig, dass die Ver­ord­nung grund­sätz­lich ei­ne gu­te Sa­che ist. In ei­ner ge­mein­sa­men Er­klä­rung at­ta­ckie­ren sie je­doch „un­prak­ti­ka­ble Lö­sun­gen und deut­sche Son­der­we­ge, die deut­sche Un­ter­neh­men stär­ker be­las­ten als Un­ter­neh­men in an­de­ren EU-Län­dern“. Sie for­dern des­halb den Bun­des­tag auf, zum Schutz von Un­ter­neh­men, Selbst­stän­di­gen und Frei­be­ruf­lern schnellst­mög­lich Än­de­run­gen zu be­schlie­ßen. Es geht um fol­gen­de Punk­te:

Ab­mah­nun­gen: Der Ge­setz­ge­ber soll Ab­mah­nun­gen durch Kon­kur­ren­ten, die mit an­geb­li­chen Da­ten­schutz­ver­stö­ßen be­grün­det wer­den, für un­zu­läs­sig er­klä­ren. Ab­mah­nun­gen von da­für zu­ge­las­se­nen Ver­ei­nen soll­ten ein­ge­schränkt wer­den.

Zu­sätz­li­che Vor­schrif­ten: Auf­la­gen für Un­ter­neh­men in Deutsch- land, die über die Da­ten­schutz­Grund­ver­ord­nung hin­aus­ge­hen, sol­len ab­ge­schafft wer­den. Da­bei geht es et­wa um die im neu­en Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz fest­ge­leg­ten zu­sätz­li­chen Pflich­ten, ei­nen Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten zu be­nen­nen.

Buß­gel­der: Leich­te erst­ma­li­ge Ver­stö­ße sol­len grund­sätz­lich zu­nächst nicht durch Buß­gel­der ge­ahn­det wer­den. Da­zu müss­ten die Da­ten­schutz­be­hör­den ge­setz­lich an­ge­hal­ten wer­den, die be­trof­fe­nen Fir­men zu­nächst nur zu ver­war­nen.

Al­ler­dings hal­ten die Wirt­schafts­po­li­ti­ker der Par­tei­en auch Än­de­run­gen der DSGVO selbst für nö­tig, um Aus­nah­men für Mit­tel­ständ­ler oder Ver­ei­ne mög­lich zu ma­chen. So soll­ten man­che An­for­de­run­gen erst gel­ten, wenn be­stimm­te Schwel­len­wer­te, et­wa bei Mit­ar­bei­ter­an­zahl und Um­satz, über­schrit­ten wer­den.

Durch die schär­fe­ren Da­ten­schutz­re­geln sind Un­ter­neh­men zum Bei­spiel ver­pflich­tet, ge­nau fest­zu­hal­ten, wie sie per­sön­li­che Da­ten spei­chern, ver­ar­bei­ten und lö­schen. Ge­hen min­des­tens zehn Mit­ar­bei­ter in ei­nem Un­ter­neh­men mit per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten um, muss ein Da­ten­schutz­be­auf­trag­ter be­nannt wer­den. Auch für Web­sei­ten gel­ten neue Pflich­ten.

Aus Sicht der Wirt­schaft sind klei­ne Fir­men oh­ne Ex­per­ten durch die DSGVO häu­fig über­for­dert. Bei Ver­stö­ßen dro­hen je­doch dras­ti­sche Buß­gel­der so­wie Ab­mah­nun­gen.

An­wäl­te ver­su­chen, mit den neu­en Re­geln zum Da­ten­schutz Kas­se zu ma­chen. Cars­ten Lin­ne­mann, Mit­tel­stands- und Wirt­schafts­ver­ei­ni­gung von CDU und CSU

FO­TO: DPA

Klei­ne Fir­men sind vom kom­ple­xen The­ma Da­ten­schutz schnell über­for­dert, sagt die Wirt­schaft.

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