Män­ner am Knopf

Hannoversche Allgemeine - - FINANZEN -

Über­ra­schun­gen sind zu ver­mei­den. Das ist die ei­ser­ne Re­gel der No­ten­ban­ker in al­ler Welt, die den Spiel­raum der Fed an die­sem Mitt­woch­abend et­was ein­schränkt. Denn der Markt hat sich an­ge­sichts ei­ner US-In­fla­ti­on von mitt­ler­wei­le 2,8 Pro­zent dar­auf ge­ei­nigt, dass die Zin­sen wohl um ei­nen Vier­tel­punkt auf ei­ne Span­ne von 1,75 bis 2,00 Pro­zent er­höht wer­den – dann soll­te es auch un­ge­fähr so kom­men. Es wä­re die zwei­te Er­hö­hung in die­sem Jahr, ei­ne drit­te gilt als si­cher, die vier­te der­zeit als wahr­schein­lich. An­le­ger wer­den heu­te ab 20 Uhr al­so vor al­lem dar­auf ach­ten, wie der neue Fed-Chef Je­ro­me Po­well auf das Jah­res­en­de und das nächs­te Jahr blickt. Das wird auch Ma­rio Draghi in­ter­es­sie­ren, der sei­nen Auf­tritt nach der EZB-Rats­sit­zung am Don­ners­tag hat. Von ei­ner Er­hö­hung der Leit­zin­sen ist in Eu­ro­pa noch lan­ge nicht die Re­de, aber zu weit sol­len die USA auch nicht ent­ei­len. Draghi hat in der Kom­mu­ni­ka­ti­on der­zeit si­cher den schwie­ri­ge­ren Job.

Er kann es eben nicht ma­chen wie die Her­ren in Sin­ga­pur. De­nen reich­te im Grun­de ei­ne Drei­vier­tel­stun­de, um Ge­schich­te zu schrei­ben. Die Wor­te sind groß, aber wel­che Ge­schich­te da ge­ra­de ge­schrie­ben wird, weiß man nicht. Die An­le­ger ent­hiel­ten sich je­den­falls je­der Eu­pho­rie nach dem Tref­fen von Do­nald Trump mit Kim Jong Un. Der Dax star­te­te zwar bei 12 950 Punk­ten, konn­te sich dort aber nicht lan­ge hal­ten. Am Abend fiel er ge­nau dort­hin zu­rück, wo er schon am Vor­abend ge­lan­det war – 0,0 Pro­zent Ve­rän­de­rung. So lan­ge die bei­den No­ten­ban­ker nicht ge­spro­chen ha­ben, hal­ten die An­le­ger eben still. Den Satz zum Tag lie­fert Da­ni­el Sau­renz von Fein­gold Re­se­arch: „Für In­ves­to­ren sit­zen die wich­ti­gen Män­ner nicht am Atom­knopf, son­dern an der Dru­cker­pres­se: Sie hei­ßen Ma­rio Draghi und Je­ro­me Po­well.“

Ma­schi­nen für den Geld­druck kom­men nicht aus Hei­del­berg. Mit Bo­gen­off­set-Ma­schi­nen und dem zu­ge­hö­ri­gen Ser­vice macht die Hei­del­ber­ger Druck­ma­schi­nen AG – kurz Hei­delD­ruck – ihr Geld. Das war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht im­mer leicht, aber die Um­struk­tu­rie­rung läuft, vor ei­nem Jahr prä­sen­tier­te man ei­ne Wachs­tums­stra­te­gie. Doch die schlägt sich noch nicht in Zah­len nie­der, Ana­lys­ten re­agier­ten ges­tern vor al­lem auf die Pro­gno­se ent­täuscht. Der Kurs rutsch­te um 9 Pro­zent.

Die Post lie­fert die Per­so­na­lie zum Kurs nach. Vor­stand Jür­gen Ger­des muss ge­hen, nach­dem Kon­zern­chef Frank Ap­pel die jüngs­te Ge­winn­war­nung ziem­lich un­ver­hoh­len mit des­sen Ver­säum­nis­sen be­grün­det hat­te. Schon vor der Nach­richt am Abend war der Kurs um wei­te­re 2 Pro­zent ge­fal­len. Seit der Ge­winn­war­nung hat er fast 10 Pro­zent ver­lo­ren, in­ner­halb ein­ein­halb Mo­na­ten sind es gut 20 Pro­zent.

WIRTSCHAFTSREDAKTION

Ste­fan Win­ter

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