Mit der Kis­te Bier zur Ce­bit

Pit­chen, fei­ern und kein Geld für das Ho­tel – jun­ge Grün­der ver­än­dern das Ge­sicht der IT-Mes­se

Hannoversche Allgemeine - - WIRTSCHAFT - Von Ma­rio Moers

Han­no­ver. Sie kom­men, um für sich zu wer­ben, Märk­te um­zu­krem­peln und Geld zu sam­meln. Jun­ge Grün­der bil­den auf der Ce­bit ei­ne ei­ge­ne Spe­zi­es. Stets be­reit, ih­re bes­ten­falls re­vo­lu­tio­nä­re Ge­schäfts­idee zu prä­sen­tie­ren, ver­än­dern sie die Mes­se. De­ren Or­ga­ni­sa­to­ren ha­ben ei­ni­ges ge­tan, um Grün­dern ein Ce­bit-Er­leb­nis zu bie­ten, das der un­kon­ven­tio­nel­len Ge­schäfts­men­ta­li­tät der Sze­ne ent­spricht. Mit Tisch­fuß­ball-Tur­nie­ren, Speed-Da­ting und so­ge­nann­ten Fuck-up-Näch­ten für Ge­schei­ter­te prägt die Star­t­up-Kul­tur das neue Bild der Com­pu­ter­mes­se.

Ti­be­ri­us Trepp­ner hat ei­ne Vi­si­on. Hal­be­stun­deu­e­ben.de heißt die von ihm ent­wi­ckel­te On­line­Platt­form – sie soll frus­trier­ten Mu­sik­schü­lern das Le­ben er­leich­tern. Trepp­ner ist 16 Jah­re alt und aus ei­nem 70-See­len-Dorf in Meck­len­burg-Vor­pom­mern zur Ce­bit ge­reist. „Wir tref­fen hier un­se­ren In- ves­tor und wol­len uns als Team bes­ser ken­nen­ler­nen“, sagt der Schü­ler mit dem Lo­cken­kopf.

Mit sei­nem Ge­schäfts­part­ner Phil­lipp Mül­ler hat er sich ei­ne kos­ten­lo­se Un­ter­kunft ge­sucht, ih­rem Gast­ge­ber ha­ben die Grün­der ei­ne Kis­te Bier mit­ge­bracht.

Nach dem lan­gen Mes­se­tag ge­hen sie zu­sam­men zu den Kon­zer­ten, die die­ses Jahr im Rah­men­pro­gramm Fes­ti­val-Fee­ling er­zeu­gen sol­len. „Wir ha­ben uns und auch den In­ves­tor über ei­ne Grün­der­platt­form ken­nen­ge­lernt und se­hen uns hier zum ers­ten Mal live“, er­zählt Trepp­ner bei ei­ner Par­tie Tisch­fuß­ball. Und das Ge­schäft? „Kon­tak­te knüpft man doch am bes­ten, wäh­rend man et­was ge­mein­sam un­ter­nimmt“, sagt Mül­ler.

Ei­ne an­de­re Kon­takt­mög­lich­keit ist die so­ge­nann­te Fuck-up-Night. Dort tref­fen sich Start-up-Er­fah­re­ne, de­ren Idee nicht ge­zün­det hat. Bei ei­ner Li­mo er­zäh­len sie sich vom ei­ge­nen Schei­tern und ler­nen aus den Feh­lern der an­de­ren.

Trepp­ner und Mül­ler ge­hen auch zu den so­ge­nann­ten Foun­ders Fights, ei­nem Wett­streit der Grün­der. Über drei Run­den be­kämp­fen sich zwei Teams rhe­to­risch, Pu­bli­kum und Ju­ry kü­ren den Sie­ger. Und da­zwi­schen auf vie­len Büh­nen: Pit­ches, Pit­ches, Pit­ches. Der eng­li­sche Be­griff be­zeich­net die Vor­stel­lung und Be­wer­bung der ei­ge­nen Ge­schäfts­idee vor po­ten­zi­el­len Part­nern und In­ves­to­ren.

„Das gan­ze Le­ben ist ein Pitch. Schon als Ba­by ver­sucht man doch, den an­de­ren in mög­lichst kur­zer Zeit von sei­nem An­lie­gen zu über­zeu­gen“, sagt Jo­han­nes Mat­thi­as. Der 33-jäh­ri­ge Har­vard-Alum­ni ist CEO des Ber­li­ner Com­pa­ny Buil­ders Al­pha Be­ta. Das Un­ter­neh­men in­ves­tiert und ko­ope­riert mit 100 Start-ups. Am Stand des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums wirbt Mat­thi­as selbst. „Wir su­chen In­ves­to­ren, die mit 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro bei un­se­rer Ver­si­che­rungs­auk­ti­ons-Platt­form ein­stei­gen“, sagt er.

Für Tisch­fuß­ball hat der Pro­fiG­rün­der kei­ne Zeit. „Die Ce­bit ist ei­ne Fund­gru­be für In­ves­to­ren. Ich ge­he erst aus der Hal­le, wenn ich tot ins Bett fal­le“, sagt er.

Trepp­ner und Mül­ler zie­hen wei­ter zu ei­nem Ro­bo­ter­kon­zert. „Für uns steht in die­ser Pha­se das Ken­nen­ler­nen im Vor­der­grund“, sagt Trepp­ner. Nächs­te Wo­che geht es für ihn nach Ber­lin. Sein Schü­ler­prak­ti­kum ab­sol­viert er bei sei­nem In­ves­tor.

FO­TO: MOERS

Jun­ge Grün­der: Ti­be­ri­us Trepp­ner (16, links) und Philipp Mül­ler (24) beim Tisch­fuß­ball.

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