„Wir ha­ben im­mer ver­lo­ren“

Span­nen­de Be­geg­nun­gen bei der „Road to Rus­sia“: Ein Mann zeigt Kin­der­fo­tos von Le­wan­dow­ski und der Tä­to­wie­rer von Boateng plau­dert aus dem Näh­käst­chen

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - Von Li­sa Ne­u­mann, Alex­an­der Sa­len­ko und Re­né Wen­zel

Ber­lin/Warschau. Fünf Ki­lo­me­ter noch, dann ha­ben wir die 1000 ge­knackt. 995 Ki­lo­me­ter ha­ben wir ak­tu­ell mit un­se­rem WM-Mo­bil zu­rück­ge­legt – be­vor es wei­ter Rich­tung Russ­land geht, ma­chen wir halt in Warschau. Hier ha­ben wir auf un­se­rer „Road to Rus­sia“ei­nen frü­he­ren Ge­gen­spie­ler von Bay­erns Su­per­star Ro­bert Le­wan­dow­ski ge­trof­fen, der uns er­zählt hat, wie „Le­wy“als Ju­gend­li­cher war – Blick in die Fo­to­kis­te in­klu­si­ve. Doch da­zu spä­ter mehr; denn zu­nächst führ­te uns un­se­re Rei­se nach Ber­lin, ge­nau­er ge­sagt zu Tim De­r­ober­tis.

Tim De­r­ober­tis ist der Tä­to­wie­rer von Jé­rô­me Boateng und ver­rät uns, wel­ches Tat­too sich der Star-In­nen­ver­tei­di­ger nach der WM ste­chen las­sen will: den Schrift­zug des Stam­mes sei­nes gha­nai­schen Va­ters – „Adua­na“– di­rekt ober­halb des Pos. „Jé­rô­me hört wäh­rend­des­sen im­mer Mu­sik und schläft so­gar da­bei ein. Al­le drei Mo­na­te gibt’s bei Jé­rô­me ein neu­es Tat­too. Es gibt im­mer noch freie Stel­len. Gleich nach der WM wol­len wir wei­ter­ma­chen“, sagt De­r­ober­tis und er­zählt, dass sich Boateng so­gar noch vor dem Tur­nier­be­ginn tä­to­wie- ren las­sen woll­te: „Ich soll­te nach Mün­chen flie­gen, muss­te aber lei­der ab­sa­gen. Ich strei­che sonst gern Ter­mi­ne für ihn, ha­be ihm aber auch ge­sagt, dass es so kurz vor der Welt­meis­ter­schaft ei­gent­lich nicht so gut ist, sich tä­to­wie­ren zu las­sen.“Dar­auf kann man in der Tat kom­men. Ver­tei­di­gen Boateng und Deutsch­land den Ti­tel, hat De­r­ober­tis schon ein wei­te­res Kunst­werk für Boa­tengs Kör­per im Kopf: fünf Ster­ne für fünf WMSie­ge. Auch für sie wä­re noch Platz, ir­gend­wo. Ei­ne Na­ti­on, die noch gänz­lich oh­ne Stern – und da­mit oh­ne WM-Ti­tel – da­steht, ist Po­len, das in ei­ner mach­ba­ren Grup­pe mit den Geg­nern Se­ne­gal, Ja­pan und Ko­lum­bi­en Chan­cen auf den Sieg und so­mit ein mach­ba­res Ach­tel­fi­na­le hat. Al­les hängt da­bei an Ro­bert Le­wan­dow­ski, der ges­tern im Test­spiel ge­gen Li­tau­en (4:0) üb­ri­gens zwei To­re schoss.

Er gilt als ei­ner der bes­ten Mit­tel­stür­mer der Welt. Da­bei war Le­wan­dow­ski in der Ju­gend noch ein schmäch­ti­ger Typ, der von vie­len nicht ernst ge­nom­men wur­de, wie wir bei ei­nem Be­such bei sei­nem ehe­ma­li­gen Ver­ein Var­so­via Warschau, wo Le­wan­dow­ski von 1997 bis 2004 kick­te, er­fah­ren.

Da­mi­an Miecz­ni­kow­ski, heu­te U17-Trai­ner beim Klub, traf den jet­zi­gen Bay­ern-Stür­mer vor 14 Jah­ren das ers­te Mal – als Ge­gen­spie­ler. „Un­ser Trai­ner hat ge­sagt: ‚Macht euch um die kei­ne Sor­gen‘“, er­in­nert sich Miecz­ni­kow­ski. „Die“wa­ren Le­gia Warschau, wo Le­wan­dow­ski nach sei­ner Zeit bei Var­so­via für ein Jahr in der Ju­gend spiel­te.

Miecz­ni­kow­ski er­in­nert sich auch noch an wei­te­re Aus­sa­gen von Trai­nern, die ver­deut­li­chen, dass Le­wan­dow­ski in jun­gen Jah­ren weit weg vom kom­men­den Star war: „Ein Coach rief Ro­bert im­mer zu: ‚Pass auf, dass du dir nichts brichst.‘“

Le­wan­dow­ski straf­te die Läs­te­rei­en der Geg­ner mit To­ren ab. Laut Miecz­ni­kow­ski soll der Stür­mer schon da­mals ein ech­ter Fuß­ball­künst­ler ge­we­sen sein: „Er war nicht nur kör­per­lich fit, er hat­te auch was im Kopf.“

Ein gro­ßes Pro­blem hat­te der heu­ti­ge U17-Trai­ner aber: „Mit Ro­bert ha­be ich lei­der nie zu­sam­men ge­spielt, im­mer nur ge­gen ihn. Und wir ha­ben im­mer ver­lo­ren.“

Noch heu­te be­glei­tet Le­wan­dow­ski ihn in sei­nem All­tag als U17-Trai­ner bei Var­so­via. Der Ver­ein wirbt mit sei­nen Bil­dern um Nach­wuchs­ta­len­te – und ver­sucht, die Ju­gend­li­chen mit Le­wan­dow­skis Ge­schich­te zu mo­ti­vie­ren. „Wir trai­nie­ren die Kin­der, da­mit am En­de viel­leicht eins oder zwei so wer­den wie Ro­bert“, sagt Miecz­ni­kow­ski.

Le­wan­dow­ski soll den Ver­ant­wort­li­chen bei Bay­ern Mün­chen mit­ge­teilt ha­ben, dass er den Klub ver­las­sen möch­te. Na­tür­lich nicht zu­rück zu Var­so­via, von ei­nem Trans­fer wür­de der pol­ni­sche Ver­ein trotz­dem pro­fi­tie­ren. Als Aus­bil­dungs­ver­ein wür­de Le­wan­dow­skis lang­jäh­ri­ger Ju­gend­klub ei­nen Teil der Ab­lö­se be­kom­men. Das Geld kä­me ge­nau zur rech­ten Zeit: Var­so­via will sich dem­nächst ei­nen neu­en Kun­st­ra­sen an­schaf­fen.

Un­se­re „Road to Rus­sia“set­zen wir nach den Sta­tio­nen in Ber­lin und Warschau fort. Mor­gen star­tet das größ­te Fuß­ball­tur­nier schon. Wir wer­den dann beim Pu­blic View­ing der Er­öff­nungs­par­tie Russ­land ge­gen Sau­di-Ara­bi­en live vor Ort in St. Pe­ters­burg sein. Hof­fent­lich.

FO­TOS: PRI­VAT Er­in­nert sich noch an den jun­gen Ro­bert Le­wan­dow­ski: Da­mi­an Miecz­ni­kow­ski (links), heu­te U17-Trai­ner bei Var­so­via Warschau, spiel­te vor 14 Jah­ren ge­gen den pol­ni­schen Stür­mer. Die­ses Fo­to ent­stand am 20. Sep­tem­ber 1999 (sie­he un­ten...

Ein Fo­to aus sei­nem Pri­vat­ar­chiv: De­r­ober­tis tä­to­wiert Boateng.

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