„Ich will rich­tig Fuß­ball spie­len“

Er ist Stu­dent und Pro­fi: Ti­mo Hübers (21) im HAZ-In­ter­view über sei­ne För­de­rer, sei­ne Spiel­wei­se und sei­nen Ab­wehr-Zwil­ling Wal­de­mar An­ton

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - Von Dirk Tie­ten­berg

Han­no­ver. Am Mon­tag hat er sei­nen ers­ten Mil­lio­nen­ver­trag bis 2021 ver­län­gert. Ti­mo Hübers (21) ver­dient jetzt über drei Jah­re bei 96 auch wie ein ech­ter Pro­fi. Ges­tern ging der Stu­dent der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten wie­der zur Leib­niz Uni. Vor­her traf sich die HAZ im Eis­ca­fé „Mas­si­mo“auf ein Eis.

Denk­mal für Den­ker: Der Wirt­schafts­stu­dent Ti­mo Hübers vor dem Sche­ren­schnitt des Han­no­ver-Ge­lehr­ten Gott­fried Wil­helm Leib­niz am Sü­den­de des Opern­plat­zes. Ge­gen die gro­ßes Bay­ern lie­fer­te er sich pa­cken­de Du­el­le mit San­dro Wa­gner (klei­nes Fo­to). Wenn ich se­he, was an­de­re Men­schen für Schick­sa­le er­lei­den, dann jagt mir im Pro­fi­fuß­ball nichts mehr Angst ein.

Ti­mo Hübers, ha­ben Sie schon als Ju­gend­spie­ler ein Eis be­kom­men, wenn Sie ein Tor er­zielt ha­ben? Je­den­falls nicht vom Re­por­ter. In mei­ner Mann­schaft gab es schon Spie­ler, die mal ei­nen Eu­ro be­kom­men ha­ben oder ein Eis. Mein Pa­pa hat im­mer nur ge­sagt: Gut ge­macht! Wenn es nicht so gut lief, hat er mich im­mer dar­an er­in­nert, woran ich noch ar­bei­ten kann. Das ist aber hart. War Ihr Va­ter Ewald Ihr För­de­rer? Ja. Trai­ner war er nicht, aber er ge­hört zu den drei oder vier El­tern­tei­len, die im­mer da­bei wa­ren. Mein an­dert­halb Jah­re äl­te­rer Bru­der Oli­ver und ich ha­ben uns im­mer an­ge­sta­chelt. Wir ha­ben uns un­end­li­che Du­el­le auf un­se­rem Hof oder auf dem Bolz­platz ge­lie­fert. Das war ei­ne coo­le Zeit. Was ist aus Oli­ver ge­wor­den?

Er stu­diert Elek­tro­tech­nik und spielt in Hil­des­heim in der Lan­des­li­ga. In der Lan­des­li­ga lau­fen auch nicht nur Blin­de rum. Wa­ren Sie im­mer schon Ver­tei­di­ger?

Nein. Ich ha­be als Tor­wart an­ge­fan­gen. Ein oder zwei Jah­re hat es ge­dau­ert, da ha­be ich recht schnell ge­merkt, dass es im Tor zu lang­wei­lig ist. In mei­nem Hei­mat­dorf Diek­hol­zen war ich Sech­ser, bei 96 in der Ju­gend aber schon im­mer Ver­tei­di­ger. Was kön­nen Sie El­tern und Kin­dern sa­gen: Wie wird aus ei­nem jun­gen Fuß­bal­ler ein Pro­fi? Ich brauch­te je­den­falls viel Ge­duld. Ich war bis zur U19 ein Spät­ent­wick­ler. Ich be­kam spät ei­nen Wachs­tums­schub und muss­te mich im­mer an­ders durch­bei­ßen. Dann brauch­te ich Dis­zi­plin. Wenn mein bes­ter Kum­pel den 16. Ge­burts­tag fei­er­te, und ich soll­te am nächs­ten Tag spie­len, muss­te ich in den sau­ren Ap­fel bei­ßen und zu Hau­se blei­ben. Es ge­hört dann Glück da­zu und Leu­te, die dich mö­gen. Al­so braucht man auch die rich­ti­gen Trai­ner? Ja. Wenn ein Trai­ner dich nicht lei­den kann, dann spielst du halt auch nicht. Und in der Uni? Müs­sen Sie Au­to­gram­me schrei­ben oder bringt Ih­nen je-

mand das Stam­mes­sen vor­bei? Nein. Auf dem Cam­pus ist zum Glück al­les so wie vor­her. Es wer­den ei­ni­ge mitt­ler­wei­le wis­sen, dass ich ganz gut Fuß­ball spie­len kann. Mei­ne Freun­de freu­en sich na­tür­lich to­tal, wahr­schein­lich so­gar mehr als ich. Wal­de­mar An­ton und Sie ver­bin­det schon die Zeit in der Ju­gend. Sie ver­tei­di­gen ver­gleich­bar. Ist das der Sten­del-Stil? Da­ni­el Sten­del hat viel Wert dar­auf ge­legt, dass wir den Schritt eher nach vor­ne ma­chen als zu­rück. Uns kommt da­bei ent­ge­gen, dass wir nicht die lang­sams­ten In­nen­ver­tei­di­ger sind. Wä­re ich der lang­sams­te, wür­de ich viel­leicht ei­nen Schritt zu­rück­wei­chen, um den Spie­ler ab­zu­lau­fen. Möch­ten Sie wie­der an An­tons Sei­te in der nächs­ten Sai­son spie­len? Ich ver­ste­he mich su­per mit Wal­di. Das ist doch lo­gisch. Aber das ist Trainer­sa­che. Das ist viel­leicht eher

Ti­mo Hübers 96-Pro­fi

ei­ne Sto­ry für die Zei­tun­gen. Wal­di und sind ja im sel­ben Jahr zu 96 ge­kom­men und sind am sel­ben Tag ge­bo­ren. Eben: Han­no­vers Ab­wehr-Zwil­lin­ge. Wie klingt das? Wir spie­len viel­leicht et­was ähn­lich. Aber ich kann das für mich kaum be­ur­tei­len. Letzt­lich ist das doch, wie man so schön sagt, Sa­che des Trai­ners, wo Wal­di am meis­ten ge­braucht wird, auf der Sechs oder in der Ab­wehr. Was macht 96 oh­ne Sa­lif Sa­né in der nächs­ten Sai­son? Er war der­je­ni­ge, ne­ben dem ich ge­spielt ha­be, mein Part­ner. Er ist für mich ei­ner der Top-5-Ver­tei­di­ger der Bun­des­li­ga. Eins-zu-Eins ist er nicht zu er­set­zen. Er hat ei­ne un­heim­li­che Kopf­ball-Quo­te. Aber das müs­sen wir dann eben auf meh­re­re Köp­fe ver­tei­len. Ke­vin Wim­mer ist ja auch kopf­ball­stark und Wal­di auch. Sie sol­len die Din­ge spie­le­risch lö­sen.

Ist es nicht ein­fa­cher, den Ball raus­zu­klop­pen? Nein. Ich will Fuß­ball rich­tig spie­len. Da­für macht man das doch das Gan­ze. Wir ha­ben nicht ein ein­zi­ges Mal trai­niert, den Ball nach vor­ne zu Ni­clas Füllkrug zu klop­pen. Den Geg­ner aus­ein­an­der­zu­spie­len, macht ein­fach viel mehr Spaß. Ist der An­spruch zu hoch?

Das ist ein Ri­si­ko, klar. Aber das ist ei­ne Rie­sen­chan­ce, her­aus­ge­spiel­te To­re aus Po­si­ti­ons­spie­len zu er­zie­len. Das war schon in die­ser Sai­son die Hand­schrift des Trai­ners. Das kön­nen wir noch ver­bes­sern und ver­fei­nern. Wo­vor ha­ben Sie Angst?

Bei al­lem, was mit Fuß­ball zu tun hat, ha­be ich kei­ne Angst. Wenn ich se­he, was an­de­re Men­schen für Schick­sa­le er­lei­den und aus­hal­ten, dann jagt mir im Pro­fi­fuß­ball nichts mehr Angst ein.

FO­TOS: PETROW

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