„Wir wol­len Men­schen be­rüh­ren“

Er ist der krea­ti­ve Kopf hin­ter der Mul­ti­me­dia-Show beim Mad­sack-Fest: Bren­dan Shel­per spricht im In­ter­view über gro­ße Shows, ech­te Ge­füh­le – und wie er Han­no­ver in Stau­nen ver­set­zen will

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER - In­ter­view: Hei­ko Ran­der­mann

Herr Shel­per, Sie ha­ben die spek­ta­ku­lä­re Mul­ti­me­dia-Show für die Mad­sack-Fei­er am Sonn­abend ent­wor­fen. Dar­un­ter kann sich viel­leicht nicht je­der was vor­stel­len. Was kann man da er­war­ten? Im Kern geht es uns dar­um, Ge­schich­ten zu er­zäh­len, mit Licht­pro­jek­tio­nen, Tanz und Mu­sik. Wir wol­len er­zäh­len, wie Au­gust Mad­sack nach Han­no­ver kam und hier den An­zei­ger grün­de­te. Aber wir wol­len auch ei­ne wah­re Lie­bes­ge­schich­te aus Han­no­ver er­zäh­len. Wir wol­len zei­gen, was Mad­sack und das An­zei­ger-Hoch­haus für Han­no­ver be­deu­ten. Das Hoch­haus ist al­ler­dings der­zeit nicht zu se­hen. Es ist hin­ter ei­nem Ge­rüst ver­bor­gen, das stimmt, aber ge­nau das wol­len wir nut­zen. Wir wer­den den Stoff für die Pro­jek­tio­nen der Show nut­zen. Und die Pro­jek­tio­nen wer­den von den Tän­zern ge­steu­ert. Wie das?

Die Tän­zer hän­gen an Sei­len, sie kön­nen ver­ti­kal an der Hoch­haus­wand tan­zen, durch pro­ji­zier­te Land­schaf­ten lau­fen. Und die Pro­jek­ti­ons­tech­nik ist so in­tel­li­gent, dass sie die Be­we­gun­gen der Tän­zer le­sen und dar­auf re­agie­ren kann. Da­durch ent­steht ei­ne Ein­heit von Bild und Tanz – das ist ziem­lich ein­zig­ar­tig. Es wird da­ne­ben aber auch tra­di­tio­nel­le Ele­men­te wie Opern­ge­sang ge­ben – es wird spek­ta­ku­lär. Sie kom­men aus Aus­tra­li­en, le­ben jetzt in Deutsch­land. Ist das deut­sche Pu­bli­kum leicht zu be­geis­tern? Ich wür­de sa­gen, dass die Deut­schen im per­sön­li­chen Um­gang am An­fang et­was zu­rück­hal­ten­der sind als die Aus­tra­li­er. Aber als Pu­bli­kum sind die Deut­schen ein­fach im­mer of­fen und auf­ge­schlos­sen. Es gibt hier auch ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on von Tanz­thea­ter, En­ter­tain­ment, Ka­ba­rett – sie wol­len un­ter­hal­ten wer­den und zei­gen, wenn ih­nen ei­ne Show ge­fällt. Das macht es für mich und mei­nen Job leich­ter (lacht). Ist es denn über­haupt noch mög­lich, die Men­schen zu be­geis­tern, wenn je­des Er­leb­nis nur ei­nen Klick ent­fernt ist? Ich den­ke, dass das sehr wohl mög­lich ist. Wir le­ben in ei­nem Strom von schnel­len Ein­drü­cken,Twit­terNach­rich­ten, Youtube-Vi­de­os, die wir se­hen und so­fort wie­der ver­ges­sen. Un­ser Ziel ist es, ein Er­leb­nis zu schaf­fen, das bleibt. Und des­halb wol­len wir Ge­schich­ten er­zäh­len, die den Men­schen in Han­no­ver et­was be­deu­ten, auch im Sin­ne des Mot­tos des Fes­tes: Herz­schlag un­se­rer Hei­mat. Ist das nur Un­ter­hal­tung oder wol­len Sie die Leu­te auch zum Nach­den­ken brin­gen? Bei­des. Sie sol­len la­chen, wei­nen, sich ver­lie­ben und nach­her viel­leicht auch nach­denk­lich sein und ei­ne neue Per­spek­ti­ve durch un­ser Stück ken­nen­ge­lernt ha­ben. Das wä­re mir das Liebs­te (lacht). Wir wol­len das Pu­bli­kum mit un­se­rer Ge­schich­te be­rüh­ren. Braucht man da­für mo­der­ne, spek­ta­ku­lä­re Show­ele­men­te? Nun, wir al­le freu­en uns, wenn wir Din­ge se­hen, die wir noch nie ge­se­hen ha­ben. Des­halb den­ken wir im­mer über neue, in­no­va­ti­ve Darstel­lungs­for­men nach, um das Pu­bli­kum zu fes­seln. Doch manch­mal ist es bes­ser, sich auf die Tra­di­ti­on zu be­sin­nen und die Din­ge zu ver­ein­fa­chen, zu ih­ren Wur­zeln zu­rück­zu­füh­ren. Das Ein­fa­che kann um­so ein­dring­li­cher sein, wenn man vor­her ein ful­mi­nan­tes Show­ele­ment hat­te. Wie ka­men Sie ei­gent­lich da­zu, spek­ta­ku­lä­re Shows zu or­ga­ni­sie­ren? So et­was lernt man nicht ge­ra­de in der hei­mi­schen Ga­ra­ge. Ich ha­be Thea­ter und Akro­ba­tik stu­diert, dann ha­be ich in Syd­ney für ei­ne Grup­pe ge­ar­bei­tet, die sich auf sehr brei­te Un­ter­hal­tungs­for­men spe­zia­li­siert hat, al­so Thea­ter, aber auch an­de­re Prä­sen­ta­tio­nen. In Ka­na­da bin ich mit ei­nem En­sem­ble in Kon­takt ge­kom­men, der sich mit sehr gro­ßen Pro­jek­tio­nen bei Events ei­nen Na­men ge­macht hat. Und in Frank­reich ha­be ich schließ­lich ei­ne Grup­pe ken­nen­ge­lernt, die Er­öff­nungs­fei­ern et­wa für Olym­pi­sche Spie­le or­ga­ni­sie­ren kann. Und die­se Er­fah­run­gen ha­ben mich ge­lehrt, was mög­lich ist und wie man Tau­sen­de, Zehn­tau­sen­de Zu­schau­er auf ein­mal be­geis­tern kann. Das tun zu kön­nen, fin­de ich groß­ar­tig.

Das An­zei­ger-Hoch­haus wird für das Mad­sack-Fest zur Lein­wand: Au­gust Mad­sack, die Ro­ta­ti­on, bun­tes Far­ben­spiel – Bren­dan Shel­per wirft spek­ta­ku­lä­re Pro­jek­tio­nen (oben) an die ver­hüll­te Fas­sa­de des An­zei­ger-Hoch­hau­ses (rechts). „Wir wol­len er­zäh­len, wie...

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