Be­wäh­rungs­stra­fe für Se­kre­tä­rin

34-Jäh­ri­ge be­trog Jü­di­sche Ge­mein­de um 86 000 Eu­ro, um ih­re Spiel­sucht zu fi­nan­zie­ren / Kri­tik an Buch­füh­rung der Ge­mein­de

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER - Von Michael Zgoll

Ei­ne ehe­ma­li­ge Se­kre­tä­rin der Jü­di­schen Ge­mein­de Han­no­ver ist am Diens­tag vom Amts­ge­richt we­gen ge­werbs­mä­ßi­ger Un­treue in 39 Fäl­len und ge­werbs­mä­ßi­gen Be­trugs in 19 Fäl­len zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe von zwei Jah­ren ver­ur­teilt wor­den. Ev­ge­nia M. hat­te für Fir­men be­stimm­tes Geld mit­hil­fe von ma­ni­pu­lier­ten Rech­nun­gen auf die Kon­ten von Ver­wand­ten und Freun­den um­ge­lei­tet und dann ver­ein­nahmt. Die 34Jäh­ri­ge ließ sich Rei­se­kos­ten für Ge­mein­de­mit­glie­der er­stat­ten, die sie nie ein­ge­zahlt hat­te. Und sie kas­sier­te Geld von El­tern für Fe­ri­en­la­ger­auf­ent­hal­te von Kin­dern, das sie für sich be­hielt. Der Scha­den liegt bei 86 000 Eu­ro.

Die Staats­an­walt­schaft hat­te so­gar 156 Fäl­le von Un­treue, Be­trug und Ur­kun­den­fäl­schung mit ei­ner Scha­dens­sum­me von 125000 Eu­ro an­ge­klagt. Doch weil ei­ne frü­he­re Buch­hal­te­rin ver­stor­ben ist und sich die Be­weis­la­ge bei ei­ni­gen An­kla­ge­punk­ten als kom­pli­ziert er­wies, führ­ten das Schöf­fen­ge­richt un­ter Vor­sitz von Si­mon Schnel­le so­wie Staats­an­walt­schaft und Ver­tei­di­gung ein Ver­stän­di­gungs­ge­spräch. Er­geb­nis: Ev­ge­nia M. leg­te ein Teil­ge­ständ­nis ab und kam mit ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe da­von.

Grund für die Be­trü­ge­rei­en der drei­fa­chen Mut­ter, die sie zwi­schen 2013 und 2015 be­ging, war Spiel­sucht. Nach ei­ge­ner Aus­sa­ge zock­te sie in On­li­neKa­si­nos eben­so wie an Spiel­hal­len­au­to­ma­ten. Ihr Mann – von dem sie ge­ra­de ge­schie­den wird – war eben­falls Spie­ler, schaff­te aber den Ab­sprung.

An­ge­klag­te plant The­ra­pie Wie sehr die aus Russ­land stam­men­de M. un­ter Druck stand, zeig­te sich an­hand ei­ner wei­te­ren An­kla­ge, die in das Ur­teil ein­floss. Im De­zem­ber 2017, al­so erst vor ei­nem hal­ben Jahr, war sie am Auf­bre­chen von Spiel­au­to­ma­ten in zwei Kn­ei­pen be­tei­ligt. Die Beu­te: 254 Eu­ro. Vor Ge­richt ver­si­cher­te die Tä­te­rin, zeit­nah ei­ne The­ra­pie be­gin­nen zu wol­len.

Im Zu­ge der Ver­hand­lung wur­de aber auch klar, dass da­mals bei der Buch­füh­rung der Jü­di­schen Ge­mein­de ei­ni­ges im Ar­gen lag. Die neu ein­ge­stell­te Buch­hal­te­rin, die den Skan­dal 2015 auf­deck­te, be­rich­te­te von Kl­ad­den, in de­nen Ein­und Aus­gän­ge von Geld nur sehr un­voll­stän­dig ver­merkt wa­ren. Auch Rich­ter Schnel­le sprach von ei­ner „nicht ganz kla­ren Buch­füh­rung“, und M.s Ver­tei­di­ger Ni­co­las Rei­ser merk­te an, die Ge­mein­de ha­be sei­ner Man­dan­tin das Ver­un­treu­en der Gel­der leicht ge­macht.

Die meis­ten der be­trof­fe­nen Ge­mein­de­mit­glie­der ha­ben ih­re Wur­zeln in Russ­land; sie be­ka­men ihr ab­han­den ge­kom­me­nes Geld eben­so von der Jü­di­schen Ge­mein­de er­stat­tet wie die Fir­men, die mo­na­te­lang auf das Be­glei­chen ih­rer of­fe­nen Rech­nun­gen war­ten muss­ten. „Letzt­end­lich hat Ihr Ar­beit­ge­ber Ih­re Spiel­sucht fi­nan­ziert“, warf der Rich­ter der Be­trü­ge­rin vor.

Be­geht Ev­ge­nia M. in­ner­halb der nächs­ten drei Jah­re er­neut ei­ne Straf­tat, muss sie da­mit rech­nen, ih­re zwei­jäh­ri­ge Haft­stra­fe ab­sit­zen zu müs­sen. Fi­nan­zi­ell wird die Ba­den­sted­te­rin in den nächs­ten Jah­ren auch kei­ne gro­ßen Sprün­ge ma­chen kön­nen: Sie ist ver­pflich­tet, die beim Spie­len ver­zock­ten 86 000 Eu­ro zu­rück­zu­zah­len. Ob die So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ge­rin, die bald ei­nen Job an­neh­men möch­te, da­zu je­mals in der La­ge sein wird, steht in den Ster­nen.

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