Er will doch nur sin­gen

Stadt­po­li­tik strei­tet um Ed-Shee­ran-Open-Air in Düs­sel­dorf – 85 000 Fans kön­nen nur noch hof­fen

Hannoversche Allgemeine - - WELT IM SPIEGEL - Von Tom­ma Pe­ter­sen

Düs­sel­dorf. Tau­sen­de be­geis­ter­te Fans, leuch­ten­de Feu­er­zeu­ge und Han­dy­dis­plays – da­zu die sanf­te Stim­me und Gi­tar­ren­mu­sik von Schmu­se­sän­ger Ed Shee­ran: Das Kon­zert am 22. Ju­li in Düs­sel­dorf soll­te ein ähn­lich un­ver­gess­li­ches Me­ga-Event wer­den wie die ver­gan­ge­ne aus­ver­kauf­te Showrei­he im nord­eng­li­schen New­cast­le upon Ty­ne. Doch Düs­sel­dorfs Grü­ne und die CDU ma­chen den Fans mög­li­cher­wei­se ei­nen Strich durch die Rech­nung. Die 85 000 Ti­ckets für die Ed-Shee­ran-Show in Düs­sel­dorf sind längst al­le ver­kauft, die Ent­schei­dung über das Kon­zert ist ges­tern Abend kurz­fris­tig ver­tagt wor­den. Die po­li­ti­sche Mehr­heit im Düs­sel­dor­fer Stadt­rat hat Be­den­ken – ei­ne Ge­neh­mi­gung für die Ver­an­stal­tung gibt es auch noch nicht.

Wenn es nach Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel (SPD) und dem Ver­an­stal­ter FKP Scor­pio geht, hät­te das Open-Air-Kon­zert des 27-jäh­ri­gen Bri­ten in we­ni­ger als sechs Wo­chen auf dem Mes­se­park­platz 1 in Düs­sel­dorf über die Büh­ne ge­hen sol­len. Da­mit die 85 000 Fans hier aber über­haupt fei­ern kön­nen, müss­te das Ge­län­de zu­nächst um­ge­baut wer­den. Doch ei­ne Bau­ge­neh­mi­gung gibt es noch nicht. Es herrscht Cha­os rund um die Or­ga­ni­sa­ti­on. Der Kon­zert­stadt Düs­sel­dorf droht ein im­men­ser Ima­ge­scha­den.

Da­bei stan­den die Pla­nun­gen für das Kon­zert von An­fang an un­ter kei­nem gu­ten Stern: Shee­ran hat­te ur­sprüng­lich auf dem Flug­ha­fen Es­sen/Mühl­heim auf­tre­ten sol­len. Tau­sen­de Ti­ckets wur­den ver­kauft. Dann die schlech­te Nach­richt: Auf dem Flug­ha­fen­ge­län­de nis­ten Feld­ler­chen – sie hät­ten für den Auf­tritt Shee­rans um­ge­sie­delt wer­den müs­sen. Na­tur­schüt­zer wa­ren em­pört und gin­gen auf die Bar­ri­ka­den.

Be­vor der Streit es­ka­lie­ren konn­te, kam die nächs­te Hi­obs­bot­schaft: Mehr als 100 Welt­kriegs­bom­ben wur­den auf dem Flug­ha­fen­platz ver­mu­tet – das Kon­zert muss­te in das et­wa 30 Ki­lo­me­ter ent­fern­te Düs­sel­dorf ver­legt wer­den. Denn hier soll dem­nächst auf ei­ner Teil­flä­che des Mes­se­park­plat­zes 1 ein rie­si­ges Are­al für Open-Air-Kon­zer­te ent­ste­hen.

Für Ed Shee­ran woll­ten die Ver­ant­wort­li­chen die ge­plan­ten Um­bau­ar­bei­ten vor­zie­hen und mit dem Event die größ­te Open-Air-Flä­che in Nord­rhein-West­fa­len ein­wei­hen. Doch die Ver­an­stal­ter hat­ten die 100 Park­platz­bäu­me nicht be­dacht, die für die­sen Zweck hät­ten ge­fällt wer­den müs­sen. Ein ro­tes Tuch für die Grü­nen im Düs­sel­dor­fer Stadt­rat. Sie lehn­ten das Kon­zert ab.

Bei der CDU kom­men nun Si­cher­heits­be­den­ken auf. „Es gibt ein­fach noch zu vie­le of­fe­ne Fra­gen, die un­ter dem Druck der Zeit nicht be­ant­wor­tet wer­den kön­nen“, sagt der Kreis­vor­sit­zen­de Tho­mas Jar­zom­bek.

Ein­zig Ober­bür­ger­meis­ter Gei­sel ist im­mer noch über­zeugt von den Kon­zert­plä­nen: „Ich kann kei­nen sach­li­chen Grund er­ken­nen, die­ser Ver­an­stal­tung die Ge­neh­mi­gung zu ver­wei­gern“, sag­te Gei­sel. Er sei selbst in der CDU-Frak­ti­ons­sit­zung ge­we­sen, wo aus sei­ner Sicht al­le Fra­gen be­ant­wor­tet und al­le Be­den­ken aus­ge­räumt wor­den sei­en, sag-

Wel­che Rech­te ha­ben Kon­zert­be­su­cher?

Soll­te der Ver­an­stal­ter ein Kon­zert im Vor­aus ab­sa­gen, er­hal­ten Käu­fer ihr Geld zu­rück. Meist ge­ben die Ver­an­stal­ter be­kannt, was die Be­su­cher tun müs­sen, um ei­ne Rück­er­stat­tung zu er­hal­ten. Kon­zert­be­su­cher soll­ten sich laut Ver­brau­cher­zen­tra­le zu­erst an die Ver­kaufs­stel­le wen­den, bei der die Ti­ckets er­wor­ben wur­den. Die Ver­an­stal­ter über­tra­gen die Rück­ab­wick­lung oft auf die Vor­ver­kaufs­stel­len. Die­se ver­wei­sen die Kon­zert­be­su­cher dann an den Ver­an­stal­ter oder über­neh­men die Rück­er­stat­tung selbst. Trifft den Ver­an­stal­ter ei­ne Schuld am Aus­fall, kön­nen auch wei­te­re Schä­den durch die­sen zu er­set­zen sein.

Ei­ne Ver­schie­bung von Kon­zer­ten

müs­sen Gäs­te grund­sätz­lich nicht hin­neh­men. Wer an dem neu­en Ter­min kei­ne Zeit hat, kann den Ein­tritts­preis und auch die Ver­sand­ge­büh­ren zu­rück­ver­lan­gen. te Gei­sel. Den­noch sol­le das Kon­zert nun of­fen­bar „po­li­ti­schen Er­wä­gun­gen ge­op­fert“wer­den. Auf dem Ge­län­de der Düs­sel­dor­fer Mes­se­park­plät­ze sol­le „die größ­te ur­ba­ne Event­flä­che Nord­rhein-West­fa­lens“ent­ste­hen. Sie sei her­vor­ra­gend an­ge­bun­den und bes­tens ge­eig­net.

Die CDU-Frak­ti­on, die sich nun auf Zeit­not be­ru­fe, sei seit Fe­bru­ar in das Pro­jekt ein­ge­bun­den ge­we­sen und ha­be bis­lang Zu­stim­mung si­gna­li­siert. Gei­sel kri­ti­sier­te auch die Grü­nen, die sich fest­ge­legt hät­ten, be­vor die Un­ter­la­gen vor­la­gen. „Mit ei­ner sach­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung hat das nichts zu tun.“

Ei­ne letz­te Hoff­nung gibt es noch: Bald sol­len meh­re­re Aus­schüs­se des Stadt­rats zu­sam­men­kom­men und ent­schei­den, ob für Shee­ran ei­ne Aus­nah­me vom gel­ten­den Be­bau­ungs­plan er­teilt wird.

Das Kon­zert auf zwei Aben­de zu ver­tei­len und in die na­he ge­le­ge­ne Are­na zu ver­le­gen, sei kei­ne Op­ti­on: „Das gibt der Tour­plan nicht her“, sag­te Michael Brill vom Ver­an­stal­ter D-Live.

Auf die Fra­ge, wie denn das Ma­nage­ment von Ed Shee­ran die Si­tua­ti­on wahr­neh­me, hieß es,

dort sei man „ir­ri­tiert“.

Wä­re gern da­bei ge­we­sen: Düs­sel­dorfs Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel (SPD).

FO­TO: DPA

Sein Ma­nage­ment ist „ir­ri­tiert“: 85 000 Ti­ckets wur­den für das Düs­sel­dor­fer Ed-Shee­ran-Kon­zert be­reits ver­kauft.

FO­TOS: DPA/ROLAND WEIHRA

FO­TO: DPA

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.