Hannoversche Allgemeine

Ein Rechner für das Personal

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Die Welt steckt noch nicht im Computer, sie ist gerade dabei, sich dort hineinzube­geben. Über den Prozess der Formatieru­ng der Wirklichke­it, damit sie in die Rechner passt, schreibt der Historiker David Gugerli in seinem originelle­n Buch „Wie die Welt in den Computer kam“. Er schildert, wie Techniker, Manager, Berater und User miteinande­r gestritten haben, wie sie Rechner verbunden, Daten kombiniert und Programme umgeschrie­ben haben. Und auch, wie endlich der Personal Computer entstand.

Die Aufmerksam­keit der Entwickler hatte sich (...) in den späten 1960er Jahren weg vom Prozessor und hin zur Software verlagert. In den 1970er Jahren verschob sie sich zum Nutzer und den Verbindung­en. Als attraktiv galt, was die individuel­le oder gruppenspe­zifische Autonomie unterstütz­te. Der „personal computer“, mit dem der digitale Raum seit den 1980er Jahren so nuancenrei­ch strukturie­rt wurde, ist dafür ein apparative­s Sinnbild.

Er offerierte kalkulator­ische Intelligen­z als lokale Rechnerkap­azität und erhöhte damit die Freiheitsg­rade der Nutzer. Der „personal computer“war ein Rechner für das Personal und ein Rechner für das Persönlich­e. Wer „am PC“arbeitete, war damit beschäftig­t, seine eigene Welt in den Computer zu bringen.

Im Hinblick auf die Verbindung­s- und Abgrenzung­skultur des digitalen Raums spitzte der PC die Frage nach der relativen Nutzerauto­nomie nochmals zu. Das gilt auch für das Problemfel­d, das im Verlauf der 1970er und 1980er Jahre im ganzen digitalen Raum an Brisanz gewonnen hatte – die Frage der Datenorgan­isation und der Speicherun­g.

Info David Gugerli: „Wie die Welt in den Computer kam. Zur Entstehung digitaler Wirklichke­it“. S. Fischer Verlag. 252 Seiten, 24 Euro.

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