Po­li­zei­ge­setz trifft auf har­sche Ju­ris­ten-Kri­tik

Straf­ver­tei­di­ger nen­nen ge­plan­te Mög­lich­kei­ten der Über­wa­chung „ufer­los und ver­fas­sungs­recht­lich pro­ble­ma­tisch“

Hannoversche Allgemeine - - NIEDERSACHSEN & DER NORDEN - Von Ralf Krü­ger

Han­no­ver. Nie­der­sach­sens ge­plan­tes neu­es Po­li­zei­ge­setz stößt bei Men­schen­recht­lern und Ju­ris­ten auf hef­ti­ge Kri­tik. „Un­ter gar kei­nen Um­stän­den kön­nen wir die Aus­wei­tung des Ge­wahr­sams auf bis zu 74 Ta­ge ak­zep­tie­ren“, sag­te am Frei­tag Hol­ger Nitz von der Ver­ei­ni­gung Nie­der­säch­si­scher und Bre­mer Straf­ver­tei­di­ger. Die Mög­lich­kei­ten der Über­wa­chung sei­en ufer­los und ver­fas­sungs­recht­lich pro­ble­ma­tisch, be­denk­lich die Ein­grif­fe in die Frei­heits­rech­te. Un­klar blei­be au­ßer­dem, wie heu­te ein­ge­führ­te Maß­nah­men künf­tig ein­mal ge­nutzt wür­den.

Wür­de das Ge­setz ver­ab­schie­det, füh­re das zu­dem zu ei­ner star­ken Mehr­be­las­tung der nie­der­säch­si­schen Jus­tiz­be­hör­den, sag­te Nitz. Auch Frank Bor­ne­mann vom nie­der­säch­si­schen Rich­ter­bund be­stä­tig­te das am zwei­ten Tag der An­hö­run­gen im In­nen­aus­schuss des Land­tags.

„Kein Staat in Eu­ro­pa hat ei­ne so lan­ge Höchst­dau­er, wie es jetzt ver­schie­de­ne Bun- des­län­der pla­nen“, sag­te Ma­ria Schar­lau von Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal mit Blick auf den ge­plan­ten Prä­ven­tiv­ge­wahr­sam von bis zu 74 Ta­gen. Groß­bri­tan­ni­en kom­me auf 14 Ta­ge. Auch wenn die Po­li­zei gu­te Ar­beit leis­te: Das Ge­setz dür­fe nicht Will­kür Tür und Tor öff­nen. Ähn­lich äu­ßer­te sich der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB). Das Ge­setz müs­se ver­fas­sungs- und da­ten­schutz­recht­lich kon­form sein. Der Be­griff des Ge­fähr­ders et­wa sei nicht aus­rei­chend de­fi­niert.

Auch die Mög­lich­keit, Men­schen oh­ne Ge­wäh­rung ei­nes Rechts­bei­stands ein­zu­sper­ren, stieß bei den Ju­ris­ten auf Kri­tik. Hen­ning Bahr vom An­walt- und No­tar­ver­band rüg­te zu­dem meh­re­re wei­te­re Punk­te des Ent­wurfs als recht­lich be­denk­lich.

Die Deut­sche Po­li­zei­ge­werk­schaft da­ge­gen be­grüß­te aus­drück­lich den Ge­setz­ent­wurf, ihr geht er hin­ge­gen nicht weit ge­nug. „Was wir ver­mis­sen, ist der Ein­satz in­tel­li­gen­ter Vi­deo­soft­ware; wir re­gen an, dar­auf wie­der zu­rück­zu­kom­men“, sag­te der Bun­des­vor­sit­zen­de Rai­ner Wendt. Vi­deo­ana­ly­se kön­ne „res­sour­cen­scho­nend“sein und den Da­ten­schutz er­hö­hen, wenn nur be­stimm­te Per­so­nen Zu­gang hät­ten.

Den Ein­satz von am Kör­per ge­tra­ge­nen Ka­me­ras (Bo­dy­cams) be­grüß­te Wendt aus­drück­lich. „Ge­gen den Ein­satz von Bo­dy­cams spricht nichts, wenn sie rechts­kon­form ein­ge­setzt wer­den“, sag­te Ma­rie Bröck­ling von der Or­ga­ni­sa­ti­on netz­po­li­tik.org, die sich für di­gi­ta­le Frei­hei­ten ein­setzt.

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