War­um tes­ten Com­pu­ter die Ma­na­ger?

Bei Ta­lanx müs­sen sich Be­wer­ber ei­ner Soft­ware-Sprach­ana­ly­se stel­len – Vor­stand Wicke er­klärt, war­um

Hannoversche Allgemeine - - WIRTSCHAFT -

Herr Wicke, bei Ta­lanx ana­ly­sie­ren Sie die Per­sön­lich­keit von Be­wer­bern seit Kur­zem voll­au­to­ma­tisch. Man te­le­fo­niert 15 Mi­nu­ten mit ei­nem Com­pu­ter­pro­gramm na­mens Pre­ci­re und be­ant­wor­tet Fra­gen. Das Pro­gramm zeigt dann, wie man tickt. Das klingt aben­teu­er­lich. Was treibt Sie da­zu?

Ich war zu­erst auch et­was skep­tisch, bis wir Pre­ci­re im Kreis der Vor­stän­de und Füh­rungs­kräf­te selbst aus­pro­biert ha­ben. Es ist ein ef­fi­zi­en­tes, aus­sa­ge­kräf­ti­ges Hilfs­mit­tel. Aber na­tür­lich schau­en wir uns wei­ter­hin auch ganz klas­sisch die Le­bens­läu­fe an und füh­ren Ge­sprä­che. Und am En­de ent­schei­det nach wie vor der Mensch.

Wie funk­tio­niert die Soft­ware?

Sie ana­ly­siert Hun­dert­tau­sen­de Merk­ma­le Ih­rer Spra­che. Nutzt der Be­frag­te bei­spiels­wei­se vie­le Fra­geo­der Füll­wör­ter? Dar­aus lei­tet Pre­ci­re ein Per­sön­lich­keits­pro­fil ab. Das hilft uns bei der Ent­schei­dung, wie gut ein Kan­di­dat auf ei­ne be­stimm­te Stel­le passt. Nur dar­um geht es. Nicht um gu­te oder schlech­te Per­sön­lich­kei­ten.

Wie ge­fällt Ih­nen Ihr Pre­ci­re-Pro­fil?

Pre­ci­re hat mich als op­ti­mis­tisch und über­aus neu­gie­rig ein­ge­schätzt. Da­ne­ben bin ich – wie die meis­ten un­se­rer Füh­rungs­kräf­te – als eher ri­si­ko­scheu be­wer­tet wor­den. Da hät­ten wir uns ger­ne et­was stär­ker ge­se­hen, weil Ri­si­ko­be­reit­schaft im Un­ter­neh­mer­tum po­si­tiv be­setzt ist. Aber es könn­te schon stim­men. Schließ­lich sind wir ei­ne Ver­si­che­rung (lacht). Das ha­ben wir dis­ku­tiert. Aber wir er­klä­ren den Kan­di­da­ten sehr ge­nau, was auf sie zu­kommt. Und je­der kann sei­ne Da­ten je­der­zeit lö­schen las­sen. Au­ßer­dem ken­nen vie­le Be­wer­ber ein ähn­li­ches Vor­ge­hen durch As­sess­ment-Cen­ter, die sie in ih­rer Kar­rie­re durch­lau­fen. Tat­säch­lich wol­len wir den Ein­satz aus­wei­ten, zum Bei­spiel für die Ge­win­nung von Ver­triebs­mit­ar­bei­tern und der Teament­wick­lung in al­len Ge­schäfts­be­rei­chen. Aber da­zu müs­sen wir uns erst mit dem Be­triebs­rat ver­stän­di­gen. Ich den­ke, das kommt in zwei bis drei Jah­ren auf die Agen­da. Das ist von Pro­dukt zu Pro­dukt recht un­ter­schied­lich. Der On­li­ne­ver­trieb von Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­run­gen macht bei­spiels­wei­se kei- nen Sinn. Da brau­chen Kun­den ei­ne aus­führ­li­che per­sön­li­che Be­ra­tung. Wir ver­kau­fen aber schon mehr als je­de zwei­te Kfz-Ver­si­che­rung on­li­ne, das ist im Bran­chen­ver­gleich sehr, sehr hoch. Zur Hö­he der Pro­vi­si­on darf ich nichts sa­gen. Aber es ist nicht bil­lig, denn bei den Ver­gleich­spor­ta­len im Ver­si­che­rungs­um­feld hat sich fak­tisch ein Mo­no­pol ge­bil­det. An­ders als zum Bei­spiel bei Flü­gen, da gibt es ei­ne gan­ze Rei­he von Ver­glei­chern und des­halb auch nied­ri­ge­re Mar­gen. Noch nicht so vie­le. Das liegt da­ran, dass die Kfz-Ver­si­che­rung in Deutsch­land schon im­mer hoch­gra­dig aus­dif­fe­ren­ziert war, mit Prei­sen je nach Mo­dell, Mo­to­ri­sie­rung, Scha­den­frei­heits­klas­se... Da sind Mil­lio­nen von Kom­bi­na­tio­nen mög­lich. Des­we­gen kön­nen Kun­den hier mit Tele­ma­tik we­ni­ger spa­ren als zum Bei­spiel in Ita­li­en. Wir ha­ben ein kla­res Prin­zip. Der Kun­de ent­schei­det, ob er uns sei­ne in­di­vi­du­el­len Fahr­da­ten zur Ver­fü- gung stellt. Da­durch kann er sei­ne Prä­mie di­rekt sen­ken. Zu­künf­tig wer­den wir auch ei­nen Ta­rif an­bie­ten, mit der er erst ein­mal aus­pro­bie­ren kann, ob sich Tele­ma­tik für ihn lohnt. Wenn der Kun­de uns sei­ne Da­ten nicht ge­ben möch­te, kann er den Tele­ma­tik­ta­rif „Ryd“wäh­len. Prä­mi­en­re­du­zie­run­gen er­hält er dann nicht, aber er be­kommt von „Ryd“, die die Da­ten ge­trennt von uns ver­wal­ten, Be­loh­nun­gen für vor­sich­ti­ges Fah­ren, zum Bei­spiel Tank­gut­schei­ne. Oder ein Kun­de gibt kei­ne Da­ten her­aus, dann ver­si­chern wir ihn trotz­dem ger­ne zu ei­ner an­ge­mes­se­nen Prä­mie, um fai­re Prei­se für al­le Kun­den zu ge­währ­leis­ten. Wir ma­chen es ein­fa­cher, In­for­ma­tio­nen ab­zu­ru­fen, aber mit höchs­ter Si­cher­heit. Wir tes­ten zum Bei­spiel ei­ne Sprach­er­ken­nungs­soft­ware, mit der wir Kun­den am Te­le­fon iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Wir müs­sen ja im­mer si­cher­stel­len, dass es wirk­lich der Kun­de ist, der an­ruft.

Schreckt so ein Pro­ze­de­re nicht man­che Be­wer­ber ab? Nicht je­der lässt sich gern von ei­ner Ma­schi­ne durch­leuch­ten. Im Mo­ment nut­zen Sie Pre­ci­re nur für die Re­kru­tie­rung von Füh­rungs­kräf­ten. War­um nicht über­all – wenn die Soft­ware so gut ist? Sie di­gi­ta­li­sie­ren bei Ta­lanx auch vie­le an­de­re Be­rei­che. Kön­nen Sie ver­ra­ten, wie viel Pro­zent Ih­rer Ver­si­che­run­gen Sie mitt­ler­wei­le über das In­ter­net ver­kau­fen? Im Netz ver­die­nen oft Ver­gleich­spor­ta­le wie Check24 mit. Wie viel müs­sen Sie an die ab­ge­ben? Auch die Kfz-Ver­si­che­rung selbst wird digital: Bei der Tele­ma­tik wird der Fahr­stil aus­ge­wer­tet und fließt in die Prä­mi­en­be­rech­nung ein. Wie vie­le Kun­den ma­chen da­bei mit? Wie ge­hen Sie mit den Da­ten der Kun­den um? Ver­brau­cher den­ken bei Ver­si­che­run­gen trotz al­lem oft noch an läs­ti­gen Pa­pier­kram. Was tun Sie da­ge­gen? Sie ha­ben 2016 an­ge­kün­digt, bis 2020 rund 900 Stel­len ab­zu­bau­en – wie viel Pro­zent da­von auf­grund der Di­gi­ta­li­sie­rung?

Das kann ich nicht ex­akt be­zif­fern. Es ist ein si­gni­fi­kan­ter An­teil, wahr­schein­lich schon ober­halb von 30 Pro­zent. Durch Au­to­ma­ti­sie­rung fal­len Stel­len weg, gleich­zei­tig wer­den durch Di­gi­ta­li­sie­rung aber auch neue Stel­len ge­schaf­fen, so zum Bei­spiel in der Da­ten­ana­ly­se oder im Mar­ke­ting. Es gibt aber auch an­de­re Ur­sa­chen. Wir sind im Ge­schäfts­be­reich Pri­vat- und Fir­men­kun­den­ver­si­che­run­gen in Deutsch­land ex­trem le­bens­ver­si­che­rungs­las­tig, und durch die Nied­rig­zins­pha­se gab es we­ni­ger Ab­satz.

Wie weit sind Sie mit dem Stel­len­ab­bau?

Un­ser ei­gent­li­ches Ziel ist nicht der Stel­len­ab­bau, son­dern ei­ne Kos­ten­sen­kung, um wei­ter­hin at­trak­ti­ve Prei­se für un­se­re Kun­den zu si­chern und wett­be­werbs­fä­hig zu blei­ben. Bei den Kos­ten­sen­kun­gen sind wir vor dem Zeit­plan. 60 Pro­zent der Ein­spa­run­gen wur­den be­reits rea­li­siert.

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