Al­les neu in Glad­bach

Die­ter He­cking will den Bo­rus­sia-Fuß­ball neu er­fin­den und setzt da­bei auf Stür­mer Pléa

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - Von Ste­fan Döring

Mön­chen­glad­bach. Ein The­ma lässt Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach nicht los: die Ver­letz­ten­mi­se­re. In der ver­gan­ge­nen Sai­son fie­len im Schnitt sie­ben Pro­fis aus, auch in die­ser Som­mer­vor­be­rei­tung muss Trai­ner Die­ter He­cking wie­der auf sie­ben Spie­ler ver­zich­ten. Un­ter ih­nen wich­ti­ge Tei­le des Ka­ders wie Ka­pi­tän Lars St­indl, Ibra­hi­ma Tra­o­ré, Ni­co El­ve­di und Neu­zu­gang Micha­el Lang (FC Ba­sel). Sie al­le wer­den erst in den kom­men­den Ta­gen und Wo­chen wie­der ein­stei­gen kön­nen und ver­pas­sen den letz­ten Här­te­test vor dem DFB-Po­kal heu­te ge­gen Espan­yol Bar­ce­lo­na (15.30 Uhr).

Da­bei hat­te die Bo­rus­sia vom Nie­der­rhein in der Vor­sai­son ge­nug Pro­ble­me. Zum zwei­ten Mal in Se­rie wur­de der eu­ro­päi­sche Wett­be­werb ver­passt, in der Rück­run­de hol­te das He­cking-Team ge­ra­de ein­mal 19 Punk­te und rutsch­te von Platz sechs auf Platz neun ab. Ei­ne Ent­täu­schung für al­le im Ver­ein. „Die Rück­run­de wird im­mer völ­lig in die Ton­ne ge­kloppt“, sag­te Glad­bachMa­na­ger Max Eberl.

Das soll nicht wie­der pas­sie­ren. He­cking mach­te sich im Som­mer des­halb vie­le Ge­dan­ken – und er­fin­det sei­nen ei­ge­nen Fuß­ball neu. „Un­ser bis­he­ri­ges Spiel mit den ent­ge­gen­kom­men­den Stür­mern St­indl und Raf­fa­el und dem an­schlie­ßen­den Tief­gang über die Flü­gel Patrick Herr­mann und Th­or­gan Ha­zard hat sich ab­ge­nutzt“, sag­te er. „In der ver­gan­ge­nen Sai­son ha­ben wir ge­merkt, dass wir aus­re­chen­bar ge­wor­den sind, dass die Mann­schaf­ten uns zu­stel­len und dass wir dann kei­nen grö­ße­ren Spie­ler ha­ben, den wir auch mal lang an­flan­ken kön­nen“, sag­te Eberl.

Die Lö­sung ist ganz ein­fach: Ein neu­es Sys­tem muss her. An dem ar­bei­tet He­cking der­zeit mit sei­ner Mann­schaft in­ten­siv. Glad­bach will in der „Te­le­fon­num­mer“-For­ma­ti­on, wie Pep Guar­dio­la sie einst nann­te, spie­len. Heißt: He­cking lässt ein 4-3-3-Sys­tem ein­stu­die­ren. Re­kord­neu­zu­gang Alas­sa­ne Pléa (OGC Niz­za, 23 Mil­lio­nen Eu­ro) soll da­bei die zen­tra­le Rol­le im An­griff spie­len und für To­re sor­gen. Er ist kräf­tig, durch­set­zungs­stark und ge­fähr­lich, ei­ne neue Fa­cet­te im Spiel, wie sie in Glad­bach sa­gen. Ein Ein­zel­kön­ner wie Raf­fa­el soll durch ihn ent­las­tet und die Bo­rus­sia ins­ge­samt un­be­re­chen­ba­rer wer­den.

Ganz prag­ma­tisch ist das Sys­tem auch für das Mit­tel­feld. „Wir ha­ben uns Ge­dan­ken ge­macht, wie wir un­ser Spie­ler­ma­te­ri­al in ein Sys­tem brin­gen kön­nen, mit dem die meis­te Qua­li­tät auf dem Platz steht“, sag­te He­cking. Im bis­he­ri­gen 4-4-2-Sys­tem, dass seit Lu­ci­en Fav­re in Glad­bach Be­stand hat, konn­ten nur zwei der vie­len ta­len­tier­ten Ak­teu­re im Zen­trum ein­ge­setzt wer­den. Für mehr war kein Platz. In der neu­en Sai­son kön­nen De­nis Za­ka­ria, Chris­toph Kra­mer oder Micha­el Cui­sance dann zu­sam­men im Zen­trum agie­ren.

Glad­bach soll wie­der at­trak­ti­ven und er­folg­rei­chen Fuß­ball spie­len. Da­für hat Ma­na­ger Eberl vier Spie­ler ge­holt. Flü­gel­spie­ler Herr­mann kann zu­dem als ei­ne Art Neu­zu­gang ge­se­hen wer­den nach sei­nen vie­len Ver­let­zun­gen in der Ver­gan­gen­heit. Er ent­schied sich, trotz meh­re­rer An­ge­bo­te in Glad­bach zu blei­ben, und ver­sprach, sich noch mehr ins Zeug le­gen zu wol­len. Ein Ver­spre­chen, das er im Trai­ning bis­her hält.

In­nen­ver­tei­di­ger Jan­nik Ves­ter­gaard (FC Sout­hamp­ton) ver­ließ den Ver­ein hin­ge­gen. Und auch Ha­zard lieb­äu­gelt im­mer noch mit ei­nem Wech­sel, ob­wohl He­cking den fei­nen Tech­ni­ker gern hal­ten wür­de.

Der Trai­ner weiß: Nach zwei Spiel­zei­ten, in de­nen die Bo­rus­sia un­ter den Er­war­tun­gen blieb, geht es auch um sei­ne Zu­kunft. En­de der Sai­son läuft He­ckings Ver­trag aus.

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