Raus mit ei­nem Lä­cheln

Ge­ra­de ein­mal 28 Mi­nu­ten dau­ert das ers­te Hoch­sprung-Fi­na­le bei ei­ner EM für Im­ke On­nen / Auch Nee­le Eck­hardt schei­tert schnell

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - Von Ma­nu­el Be­cker

Ber­lin. Fast wä­re es zu En­de ge­we­sen, be­vor es rich­tig be­gon­nen hat­te. Ein­stiegs­hö­he im EM-Fi­na­le des Olym­pia­sta­di­ons in Ber­lin, 1,82 Me­ter. Ei­gent­lich ei­ne Hö­he, die Im­ke On­nen pro­blem­los über­springt. Aber in so ei­nem End­kampf ei­ner Heim-EM, vor rund 48 500 Zu­schau­ern, da wird man dann doch mal ner­vös. Im ers­ten Ver­such springt die Ath­le­tin aus Lan­gen­ha­gen voll in die Lat­te, beim Zwei­ten bleibt sie mit dem Fuß hän­gen. Nach acht Mi­nu­ten droh­te das schnel­le En­de.

Das Pu­bli­kum be­flüg­le sie, hat­te On­nen nach der Qua­li, ih­rem ers­ten gro­ßen Auf­tritt bei ei­ner Eu­ro­pa­meis­ter­schaft, ge­sagt. Al­so nahm sie die Zu­schau­er mit. Klatsch­te mit bei­den Hän­den über dem Kopf. Das Zei­chen an die Rän­ge: bit­te mit­ma­chen. Und dann klatsch­ten die Zehn­tau­sen­den rhyth­misch mit, schau­ten ge­bannt auf die Han­no­ve­ra­ne­rin. Acht Schrit­te, Ab­sprung, drü­ber. Ge­schafft. Er­leich­tert ließ sich On­nen noch mal auf die Mat­te fal­len, fass­te sich mit der Hand ans Herz. Auch Mut­ter und Trai­ne­rin As­trid Fre­de­bold-On­nen stand die Er­leich­te­rung ins Ge­sicht ge­schrie­ben. Puh! Ein­mal durch­at­men, und wei­ter geht’s!

„Am bes­ten klappt es, wenn man sich we­nig Ge­dan­ken macht, es ein­fach ge­nießt, die At­mo­sphä­re mit­nimmt“, hat­te ihr Bru­der Ei­ke On­nen ge­ra­ten. Der 26-Jäh­ri­ge steht heu­te (20 Uhr) im Fi­na­le und lieb­äu­gelt mit ei­ner Me­dail­le, „wenn die al­ten Kno­chen mit­ma­chen“. Ges­tern drück­te er sei­ner Schwes­ter, mit der er wäh­rend der EM stets ge­mein­sam Es­sen war und den Be­ru­hi­ger und Mo­ti­va­tor mim­te,dieDau­men.

Doch auch mit der zwei­ten Hö­he hat­te Im­ke On­nen an die­sem son­ni­gen Frei­tag­abend so ih­re Pro­ble­me. Aber sie schien sich den Rat von ih­rem Bru­der zu Her­zen zu neh­men und es trotz­dem zu ge­nie­ßen. Als sie die 1,87 Me­ter riss, der Ab­stand zur Lat­te über­haupt nicht pass­te, lä­chel­te sie erst, dann lach­te sie re­gel­recht wäh­rend sie zur Tri­bü­ne schau­te, um sich ei­nen Tipp von Mut­ter und Trai­ne­rin ab­zu­ho­len. Fre­de­bold-On­nen zog kurz die Au­gen­brau­en nach oben, wuss­te nicht so recht, was sie von der Vor­stel­lung ih­rer Toch­ter hal­ten soll­te. Auch bei den wei­te­ren Ver­su­chen schaff­te es On­nen nicht über die Lat­te. Nach 28 Mi­nu­ten en­de­te ihr ers­tes EM-Fi­na­le. Ein Dank an das Pu­bli­kum, das sie herz­lich ver­ab­schie­de­te und noch mal ein Lä­cheln. Den Rest des Fi­nals be­ob­ach­te­te die 1,90-Me­ter gro­ße Hoch­sprin­ge­rin ei­ne Wo­che vor ih­rem 24. Ge­burts­tag von der Bank aus.

Heu­te gilt es dann wie­der Bru­derEi­ke­dieDau­men,das­ses­viel­leicht so­gar mit ei­ner Me­dail­le klappt. „Das hier mit­zu­er­le­ben, wä­re ein­fach toll“, sag­te On­nen.

Früh raus war auch die Göt­tin­ger Drei­sprin­ge­rin Nee­le Eck­hardt. Ei­gent­lich hat­te sie auf den per­fek­ten Sprung ge­hofft, viel­leicht so­gar erst­mals ei­nen auf 14.50 Me­ter. In der Qua­li­fi­ka­ti­on hat­te sie mit 14,33 Me­tern die dritt­bes­te Wei­te ge­schafft, auch wenn sie da ge­ahnt hat­te, „dass im Fi­na­le noch ganz schön die Post ab­ge­hen wird“. Ihr ers­ter Ver­such ges­tern: 14,01 Me­ter. Da­bei ver­schenk­te sie 25 Zen­ti­me­ter am Brett. Auch beim Zwei­ten (13,83 Me­ter) stimm­te das Ti­ming nicht, und auch der Drit­te miss­glück­te der Ath­le­tin der LG Göt­tin­gen. So en­de­te das Fi­na­le für sie schon nach zwan­zig Mi­nu­ten mit ei­ner gro­ßen Ent­täu­schung.

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