Die CDU bleibt in Frau­en­hand

Par­tei­tag wählt An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er knapp zur Nach­fol­ge­rin von An­ge­la Mer­kel / Fried­rich Merz un­ter­liegt im zwei­ten Wahl­gang / Par­tei in Nie­der­sach­sen zu­frie­den

Hannoversche Allgemeine - - VORDERSEITE - Von Ste­ven Gey­er und Micha­el B. Ber­ger

Ham­burg. Für die CDU be­ginnt ei­ne neue Zeit: In ei­ner Stich­wahl um den Par­tei­vor­sitz setz­te sich die bis­he­ri­ge Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er am Frei­tag mit nur 35 Stim­men Vor­sprung ge­gen den eins­ti­gen Uni­ons­frak­ti­ons­chef Fried­rich Merz durch. Mit 51,75 Pro­zent wähl­ten sie 999 De­le­gier­te auf dem Ham­bur­ger CDU-Bun­des­par­tei­tag zur Nach­fol­ge­rin von An­ge­la Mer­kel, die nach 18 Jah­ren die Spit­ze der Uni­on ver­lässt. Merz hat­te mit 48,25 Pro­zent der Stim­men nur hauch­dünn hin­ter der Mer­kel-Ver­trau­ten ge­le­gen.

Nach ih­rer Wahl be­schwor Kramp-Kar­ren­bau­er vor al­lem die Ein­heit und Ge­schlos­sen­heit der Uni­on. Da­bei sol­len auch ih­re Kon­kur­ren­ten ei­ne Rol­le spie­len. „Ich wür­de mich sehr freu­en, wenn so­wohl Jens Spahn als auch Fried­rich Merz an die­ser Auf­ga­be mit­ar­bei­ten“, sag­te die neue Par­tei­che­fin. In ih­rer Be­wer­bungs­re­de hat­te die ehe­ma­li­ge Mi­nis­ter­prä­si­den­tin des Saar­lands die CDU zu­dem zu mehr Mut und Selbst­be­wusst­sein auf­ge­ru­fen. Die Par­tei dür­fe nicht Schwarz­ma­lern hin­ter­her­lau­fen, son­dern müs­se mu­tig auch ge­gen den Zeit­geist Kurs hal­ten, so Kram­pKar­ren­bau­er.

Be­reits im ers­ten Wahl­gang hat­ten die meis­ten De­le­gier­ten für Kramp-Kar­ren­bau­er ge­stimmt: Sie hat­te mit 450 Stim­men vorn ge­le­gen, ge­folgt von Merz mit 392 Stim­men und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn, dem mit 157 Stim­men ein Ach­tungs­er­folg ge­lang.

Merz rief sei­ne An­hän­ger zur Un­ter­stüt­zung der neu­en Par­tei­che­fin auf. Er sag­te sei­ne wei­te­re Mit­hil­fe zu, ließ aber of­fen, ob er dies in ei­ner füh­ren­den Po­si­ti­on tun wol­le. Die SPD-Vor­sit­zen­de Andrea Nah­les bot Kramp-Kar­ren­bau­er ei­ne gu­te Zu­sam­men­ar­beit zur Fort­set­zung der Gro­ßen Ko­ali­ti­on an.

„CDU und CSU müs­sen wie­der en­ger zu­sam­men­rü­cken und ge­mein­sam für un­ser Land ar­bei­ten“, be­ton­te der de­si­gnier­te CSU-Chef Mar­kus Sö­der in sei­nem Glück­wunsch an die CDU-Vor­sit­zen­de.

Der nie­der­säch­si­sche CDU-Lan­des­chef Bernd Al­t­hus­mann be­wer­tet die Wahl von Kramp-Kar­ren­bau­er po­si­tiv. „Mit ih­ren Po­si­tio­nen spricht sie al­le Flü­gel un­se­rer Volks­par­tei an. Ich bin über­zeugt, dass sie un­ser kon­ser­va­ti­ves Pro­fil schär­fen und un­se­re bür­ger­li­che Po­li­tik fort­füh­ren wird“, sag­te Al­t­hus­mann, der am Abend neu ins Prä­si­di­um ge­wählt wur­de. Die han­no­ver­sche CDU-Be­zirks­vor­sit­zen­de und Staats­se­kre­tä­rin Ma­ria Flachs­barth zeig­te sich ho­cher­freut über das Er­geb­nis. Der Wahl­kampf sei ei­ne „Stern­stun­de der De­mo­kra­tie ge­we­sen“. „Ich hof­fe, dass Kram­pKar­ren­bau­er es hin­kriegt, uns klar als kon­ser­va­ti­ve Par­tei zu po­si­tio­nie­ren“, sag­te der Braun­schwei­ger CDU-Vor­sit­zen­de und stell­ver­tre­ten­de Land­tags­prä­si­dent Frank Oest­er­hel­weg, der für Merz vo­tiert hat­te. „Wir dür­fen das Feld nicht der AfD über­las­sen.“

Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel, die nicht er­neut für den Vor­sitz kan­di­diert hat­te, hat­te sich am Vor­mit­tag mit ei­ner selbst­be­wuss­ten, hu­mor­vol­len Re­de nach 18 Jah­ren an der Spit­ze von der CDU ver­ab­schie­det. Für die Zu­kunft wün­sche sie sich ei­ne CDU, die sich für den Zu­sam­men­halt in der Ge­sell­schaft ein­setzt, sag­te Mer­kel. „Wir Christ­de­mo­kra­ten gren­zen uns ab, aber nie­mals gren­zen wir aus.“Der CDU wer­de sie ver­bun­den blei­ben. „Da­für brau­che ich kei­nen Par­tei­vor­sitz – und Bun­des­kanz­le­rin bin ich ja auch noch.“

Sie spricht al­le Flü­gel in der CDU an. Bernd Al­t­hus­mann, Lan­des­vor­sit­zen­der der CDU Nie­der­sach­sen

FO­TO: AP/MAR­KUS SCHREI­BER

Stil­ler Tri­umph: Nach lan­gem Kampf und vie­len De­bat­ten­run­den hat sich An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er als CDU-Che­fin durch­ge­setzt.

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