Gaf­fer ver­zö­gern Bom­benspren­gung in Kiel

We­gen Schau­lus­ti­ger und un­ein­sich­ti­ger An­woh­ner im Sperr­be­zirk stand Ein­satz kurz vor dem Ab­bruch

Hannoversche Allgemeine - - NIEDERSACHSEN & DER NORDEN - Von Mat­thi­as Ho­enig

Kiel. Die Spren­gung ei­ner bri­ti­schen Flie­ger­bom­be in Kiel ist am Don­ners­tag­abend bei­na­he we­gen Gaf­fern im Sperr­be­reich ab­ge­bro­chen wor­den. „In der Dun­kel­heit sind im­mer wie­der neue Leu­te in den Ge­fah­ren­be­reich ge­kom­men, um den Ein­satz mit­er­le­ben zu wol­len“, sag­te ei­ne Spre­che­rin des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes am Frei­tag. Wä­re es der Po­li­zei nicht ge­lun­gen, die Schau­lus­ti­gen zum Ver­las­sen der Si­cher­heits­zo­ne zu be­we­gen, hät­te der Ein­satz ab­ge­bro­chen wer­den müs­sen – mit dra­ma­ti­schen Fol­gen für die An­woh­ner, dar­un­ter Be­woh­ner ei­nes Al­ten­heims. „Die Evakuierung wä­re auf­recht­er­hal­ten wor­den, und der Kampf­mit­tel­räum­dienst hät­te mit An­bruch des Ta­ges­lichts wei­ter­ge­ar­bei­tet“, er­klär­te die Spre­che­rin.

We­gen der Gaf­fer ver­zö­ger­te sich die Spren­gung der 250-Ki­lo-Bom­be aus dem Zwei­ten Welt­krieg bis nach 22 Uhr – zwei Stun­den spä­ter, als ge­plant. Ur­sprüng­lich hat­ten al­le An­woh­ner das Ge­biet im Stadt­teil Gaar­den bis 18 Uhr ver­las­sen sol­len. Auch ein Al­ten­pfle­ge­heim wur­de eva­ku­iert. Hil­fe­be­dürf­ti­ge wur­den mit Ret­tungs­wa­gen aus dem Sperr­ge­biet ge­bracht.

An­woh­ner am Fens­ter

Im­mer wie­der sei­en aber Men­schen in den Sperr­be­reich ge­gan­gen, un­ein­sich­ti­ge An­woh­ner hät­ten aus dem Fens­ter ge­schaut, statt ih­re Woh­nung zu ver­las­sen, sag­te ein Po­li­zei­spre­cher. Man­che hät­ten mit den Be­am­ten so­gar noch über die Not­wen­dig­keit der Evakuierung dis­ku­tie­ren wol­len. Auch auf Face­book bat die Po­li­zei Kiel auf Face­book Po­li­zei ein­dring­lich: „Tut uns ei­nen Ge­fal­len: Ver­lasst den Be­reich rund um die Bom­be!!! Es lau­fen im­mer wie­der Leu­te in den Ge­fah­ren­be­reich und ver­su­chen, so nah wie mög­lich an den Fund­ort her­an­zu­kom­men. Ihr er­schwert da­mit die Ar­beit der Kampf­mit­tel­räu­mer.“Die Po­li­zei kann Platz­ver­wei­se aus­spre­chen und Gaf­fer bei Nicht­be­fol­gen auch in Ge­wahr­sam neh­men. Das ge­schah in Kiel aber nicht.

Der 250-Ki­lo-Spreng­satz lag in ei­ner Tie­fe von vier Me­tern. Auf die Bom­be wur- den 20 Ton­nen Was­ser ge­gos­sen, um die Ex­plo­si­on zu däm­men. Ei­ne Ent­schär­fung war laut Po­li­zei aus tech­ni­schen Grün­den nicht mög­lich. Die Bom­be war ver­mut­lich am 23. Ju­li 1944 über Kiel ab­ge­wor­fen wor­den. We­gen der in Kiel an­säs­si­gen Rüs­tungs­in­dus­trie war die Stadt Ziel schwe­rer Luft­an­grif­fe der Al­li­ier­ten.

Nach der Spren­gung mel­de­te die Po­li­zei auf Face­book: „Wir ha­ben fer­tig! Dank an die Kol­le­gen des Kampf­mit­tel­räum­diens­tes. Dank an den Ret­tungs­dienst und al­le Eh­ren­amt­ler. Dank an un­se­re Kol­le­gen, die über Stun­den ver­sucht ha­ben, den Be­reich zu räu­men. Dank an die An­woh­ner für eu­re Ge­duld. Aus­drück­lich kei­nen Dank an die­je­ni­gen, die un­se­re Maß­nah­men und die Ar­beit al­ler Be­tei­lig­ten durch voll­stän­di­ge Igno­ranz und Un­ein­sich­tig­keit be­hin­dert und da­durch um über zwei Stun­den ver­län­gert ha­ben. Die Stra­ßen sind wie­der frei. Ihr könnt zu­rück in eu­re Woh­nun­gen. Gu­te Nacht!“

Ob auf die Un­ein­sich­ti­gen im Nach­hin­ein noch et­was zu­kom­me, kön­ne jetzt noch nicht ge­sagt wer­den, er­gänz­ten die Be­am­ten.

Aus­drück­lich kei­nen Dank an die­je­ni­gen, die die Ar­beit al­ler Be­tei­lig­ten durch voll­stän­di­ge Igno­ranz be­hin­dert ha­ben.

FO­TO: F. MOLTER/DPA

Nach der De­to­na­ti­on lie­gen Me­tall­tei­le am Fund­ort der Welt­kriegs­bo­me: We­gen Gaf­fern be­gann die Spren­gung erst nach 22 Uhr – zwei Stun­den spä­ter als ge­plant.

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