Die Po­li­zei kommt mit dem Leih­wa­gen

Weil die Stadt­kas­se leer ist, nut­zen Bre­mens Ord­nungs­hü­ter Car­sha­ring-Au­tos – al­ler­dings nicht für Blaulicht-Ein­sät­ze

Hannoversche Allgemeine - - NIEDERSACHSEN & DER NORDEN - Von Eck­hard Sten­gel

Bre­men. Fi­nanz­not macht er­fin­de­risch: Weil die Bre­mer Po­li­zei zu we­ni­ge in­tak­te Di­enst­wa­gen hat, grei­fen die Be­am­ten auf die Leih­au­tos ei­nes Car­sha­ring-An­bie­ters zu­rück. „Ins­ge­samt ver­fügt die Po­li­zei Bre­men le­dig­lich über ei­ne Min­dest­aus­stat­tung an Fahr­zeu­gen. Fal­len Fahr­zeu­ge aus, ist es schwie­rig, die­se ad­äquat und zeit­nah zu er­set­zen,“sag­te ein Po­li­zei­spre­cher der HAZ. Des­halb ha­be die Po­li­zei „qua­si aus der Not ei­ne Tu­gend ge­macht“.

Fahr­zeu­ge sind oft ka­putt

Bei Not­fäl­len mit Blaulicht-Ein­satz nut­zen die Bre­mer Be­am­ten wei­ter­hin aus­schließ­lich ih­re ei­ge­nen Fahr­zeu­ge. Aber im­mer dann, wenn ei­ne we­ni­ger dring­li­che Di­enst­fahrt an­steht und ge­ra­de kein re­gu­lä­rer Strei­fen- oder Zi­vil­wa­gen zur Ver­fü­gung steht, wen­den sie sich an Cam- bio – den größ­ten Car­sha­ring-An­bie­ter vor Ort.

Die­ser Fall kann in der ex­trem ver­schul­de­ten Han­se­stadt häu­fi­ger ein­tre­ten, denn der Fuhr­park ist knapp be­mes­sen, und et­li­che der vor­han­de­nen Fahr­zeu­ge sind fast schon Old­ti­mer, so­dass sie häu­fi­ger in der Werk­statt ste­hen.

„Mehr­fach mo­nat­lich“nut­zen des­halb ver­schie­de­ne Di­enst­stel­len seit 2016 aus dem Be­reich der Er­mitt­lungs­kom­mis­sa­ria­te, des Ein­satz­sta­bes und der re­gio­na­len Re­vie­re die Leih­wa­gen – sei es für Er­mitt­lun­gen, Fort­bil­dun­gen oder an­de­re Di­enst­fahr­ten, bei de­nen kein Blaulicht ge­braucht wird. Auch für über­re­gio­na­le Di­enst­rei­sen bu­chen man­che Po­li­zis­ten ei­nen Car­sha­ring-Wa­gen – selbst wenn Di­enst­fahr­ten grund­sätz­lich mit öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln er­fol­gen sol­len.

Cam­bio un­ter­hält in der Stadt Bre­men im­mer­hin rund 100 Sta­ti­o­noch nen mit meist zwei bis drei Wa­gen. Wenn ei­nes der Au­tos ge­ra­de frei ist, lässt es sich von jetzt auf gleich bu­chen: per Te­le­fon, per Han­dy-App oder In­ter­net. Der Zünd­schlüs­sel steckt in ei­nem Sta­ti­ons­t­re­sor oder im Hand­schuh­fach des ge­buch­ten Au­tos. Die Tre­sor- oder Au­to­tür lässt sich mit ei­ner Chip­kar­te und ei­nem PIN-Co­de öff­nen.

Für Ver­wechs­lun­gen oder Ver­däch­ti­gun­gen hat das Ver­fah­ren nicht ge­sorgt. „Bis­her sind uns kei­ne Fäl­le be­kannt, bei de­nen Po­li­zis­ten, die ein Car­sha­ring-Au­to nutz­ten, für fal­sche Po­li­zei­be­am­te ge­hal­ten wur­den“, ver­si­chert der Spre­cher. Ob die­se Pra­xis ei­ne Dau­er­lö­sung wird, müs­se man al­ler­dings erst noch se­hen.

Ta­rif für Viel­fah­rer

Be­hör­den­ra­batt scheint die Po­li­zei nicht zu be­kom­men. „Wir zah­len den nor­ma­len Ta­rif für Viel­fah­rer“, sagt der Po­li­zei­spre­cher. Laut Cam­bio-Preis­lis­te ist zu­nächst ei­ne Mo­nats­grund­ge­bühr fäl­lig: 25 Eu­ro plus 2 Eu­ro für je­den wei­te­ren Fahrt­be­rech­tig­ten. Für die ein­zel­nen Tou­ren kom­men Zeit- und Ki­lo­me­ter­prei­se hin­zu, je nach Wa­gen­grö­ße 1 bis 2 Eu­ro pro Stun­de und 20 bis 22 Cent pro Ki­lo­me­ter. Al­le Prei­se ver­ste­hen sich in­klu­si­ve Ben­zin – aber Buß­gel­der für zu schnel­les Fah­ren oh­ne Blaulicht sind nicht in­klu­si­ve.

FO­TO: CAR­MEN JAS­PER­SEN/DPA

Vie­le Fahr­zeu­ge aus dem ei­ge­nen Fuhr­park sind fast schon Old­ti­mer: In we­ni­ger dring­li­chen Fäl­len ho­len sich Bre­mer Po­li­zis­ten ei­nen Wa­gen vom Car­sha­ring.

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