Nicht se­ri­en­reif? VW macht Tau­sen­de Test­au­tos zu Geld

Volks­wa­gen ruft 4000 Vor­se­ri­en­mo­del­le zu­rück / Kraft­fahrt-Bun­des­amt: Ri­si­ken nicht aus­ge­schlos­sen / Was wuss­te der Kon­zern­chef?

Hannoversche Allgemeine - - WIRTSCHAFT - Von Chris­ti­an Brahmann

Wolfs­burg. Der Die­selskan­dal ist noch nicht aus­ge­stan­den, da muss Volks­wa­gen er­neut Tau­sen­de Au­tos zu­rück­ru­fen. Dies­mal geht es al­ler­dings nicht um ma­ni­pu­lier­te Ab­gas­wer­te: Der Au­to­bau­er hat so­ge­nann­te Vor­se­ri­en­fahr­zeu­ge ver­kauft, die zu Test­zwe­cken ge­baut wer­den und in ih­rer Aus­stat­tung oft­mals noch gar nicht für den Markt zu­ge­las­sen sind. Si­cher­heits­ri­si­ken für die Be­sit­zer sind of­fen­bar nicht aus­ge­schlos­sen.

Der „Spie­gel“be­rich­tet dar­über, dass der Kon­zern zwi­schen 2006 und 2015 knapp 15 000 sol­cher Ver­suchs­mo­del­le zu Geld ge­macht ha­be. Da­bei ha­be der Kon­zern die Kun­den nicht dar­über in­for­miert, dass es sich um kei­ne Se­ri­en­mo­del­le ge­han­delt ha­be. Das Nach­rich­ten­ma­ga­zin be­ruft sich auf ei­nen in­ter­nen Be­richt der VW-Re­vi­si­on. Nach Aus­kunft des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes ruft Volks­wa­gen der­zeit bun­des­weit 4000 Au­tos zu­rück. Die Ak­ti­on wer­de über­wacht, weil ein erns­tes Ri­si­ko nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne, teil­te die Be­hör­de mit.

VW spricht von welt­weit et­wa 6700 Fahr­zeu­gen, die zwi­schen 2006 und 2018 in ei­nem Bau­zu­stand ver­kauft wor­den sein könn­ten, der nicht der Se­ri­en­aus­stat­tung ent­spricht. Teils wer­den in die­sen Vor­ab­mo­del­len tech­ni­sche Aus­stat­tun­gen ge­tes­tet, die noch gar nicht für den Stra­ßen­ver­kehr frei­ge­ge­ben sind. Of­fen­bar weiß bei VW aber nie­mand, ob die Au­tos vor dem Ver­kauf wie­der in ei­nen le­ga­len Zu­stand ver­setzt wor­den wa­ren: „Es Ste­fan Brat­zel, Au­to­ex­per­te, über den Ver­trieb von Vor­se­ri­en­fahr­zeu­gen wur­de ver­säumt, zu do­ku­men­tie­ren, was an den be­trof­fe­nen Fahr­zeu­gen nicht se­ri­en­ge­mäß ist“, sag­te ein VW-Spre­cher am Frei­tag.

Laut „Spie­gel“wa­ren VW-Prü­fer im Jahr 2016 auf die­se Pra­xis ge­sto­ßen und hat­ten auch den da­ma­li­gen Mar­ken­chef und heu­ti­gen Vor­stands­vor­sit­zen­den Her­bert Diess dar­über in­for­miert. Den­noch ha­be es mehr als zwei Jah­re ge­dau­ert, bis der Kon­zern die Kun­den an­ge­schrie­ben ha­be. Dem VW-Spre­cher zu­fol­ge hat der Kon­zern rund 5500 be­trof­fe­nen Kun­den an­ge­bo­ten, die Au­tos zu­rück­zu­kau­fen. In ei­ni­gen Fäl­len sei auch ein Up­date mög­lich.

Wei­te­re De­tails zu den be­tref­fen­den Bau­tei­len nann­te der Spre­cher nicht. Nach ei­ge­nen An­ga­ben sind Volks­wa­gen kei­ne Un­fäl­le oder Ver­let­zun­gen be­kannt, die auf ei­ne nicht se­ri­en­mä­ßi­ge Aus­stat­tung der Au­tos zu­rück­zu­füh­ren wä­ren.

In ei­ner Stel­lung­nah­me des Wolfs­bur­ger Kon­zerns hieß es, dass die Ver­mark­tung und der Ver­trieb von so­ge­nann­ten Vor­se­ri­en­fahr­zeu­gen recht­lich zu­läs­sig und in der Au­to­in­dus­trie weit­ver­brei­tet sei­en. Die­ser Dar­stel­lung wi­der­sprach der Bran­chen­ex­per­te Ste­fan Brat­zel. Es ge­be durch­aus sol­che Fahr­zeu­ge, die aber ei­gent­lich nur mit der ent­spre­chen­den Kenn­zeich­nung ab­ge­ge­ben wür­den. „Ei­ne brei­te Ver­mark­tung wä­re für mich neu, da­von ha­be ich bis­her noch nichts ge­hört.“

Ei­ne brei­te Ver­mark­tung wä­re für mich neu, da­von ha­be ich bis­her noch nichts ge­hört.

FO­TO: JU­LI­AN STRATENSCHULTE/DPA

VW-Neu­wa­gen vor der Aus­lie­fe­rung: „Ver­säumt zu do­ku­men­tie­ren, was nicht se­ri­en­ge­mäß ist.“

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