Die Beu­le bleibt

Hannoversche Allgemeine - - FINANZEN -

Für die­se Wo­che bleibt es beim Blech­scha­den. Der Crash, den man sich am Don­ners­tag noch aus­ma­len konn­te, fiel am Frei­tag aus – aber re­pa­riert wur­de nichts. Der Dax star­te­te nach den 3,5 Pro­zent Ver­lust vom Vor­tag mit Elan, aber ei­ne schwa­che Er­öff­nung in den USA mach­te den An­griff auf die

11 000 Punk­te zu­nich­te. Am Abend lag der Dow Jo­nes knapp 2 Pro­zent im Mi­nus, da bleibt auch der Dax nicht im Plus. Die letz­ten ein­ein­halb Han­dels­stun­den drück­ten ihn 150 Punk­te nach un­ten. Die Sa­che mit den USA ist kom­pli­ziert: Ne­ben den be­kann­ten Sor­gen be­schäf­tig­ten Ar­beits­lo­sen­zah­len und Zins­spe­ku­la­ti­on die An­le­ger. Es wur­den im No­vem­ber we­ni­ger neue Stel­len ge­schaf­fen als er­war­tet. Das spricht für lang­sa­me­re Zins­er­hö­hun­gen. Gleich­zei­tig wies Fed-Chef Je­ro­me Po­well aber dar­auf hin, dass die Ar­beits­lo­sen­quo­te die nied­rigs­te seit Lan­gem sei. Das spricht für ei­ne wei­te­re Zins­er­hö­hung. Was soll man dar­aus ma­chen? An der Wall Street ent­schied man sich für die zwei­te In­ter­pre­ta­ti­on, fürch­tet ei­nen stram­men Zins­kurs und ver­kauf­te Ak­ti­en.

Fre­se­ni­us hat sei­nen in­di­vi­du­el­len Crash. Der Me­di­zin­tech­ni­kKon­zern hat oh­ne­hin nicht sein bes­tes Jahr, und nun scheint sich der Trend fort­zu­set­zen: Die mit­tel­fris­ti­gen Zie­le für 2020 sei­en nicht mehr zu er­rei­chen, teil­te Fre­se­ni­us mit. Das ließ den Dax-Wert, der tra­di­tio­nell gern für de­fen­siv ge­hal­ten und bei ge­stei­ger­tem Si­cher­heits­be­darf ge­kauft wird, um spek­ta­ku­lä­re 18 Pro­zent ab­stür­zen. An­fang Ok­to­ber kos­te­te die Ak­tie 70 Eu­ro, jetzt sind es kei­ne 40 Eu­ro mehr. Ähn­lich sieht es beim Schwes­ter­kon­zern FMC aus, der ei­nen Ab­stieg von 90 auf 62 Eu­ro hin­ter sich hat. Al­lein am Frei­tag büß­te der Wert mehr als 8 Pro­zent ein.

Es war müh­sam. Die Opec war schon im­mer ein schwie­ri­ger Ver­ein, aber nun gibt es auch noch das For­mat Opec+, wo­bei das Plus in ers­ter Li­nie für Russ­land steht. So hat man es ge­schafft, auch an­de­re wich­ti­ge För­der­län­der ins Kar­tell ein­zu­be­zie­hen. Bei der Ta­gung in Wi­en trug der zwei­te Tag nun die Über­schrift Opec+, und er be­gann ein paar Stun­den spä­ter, weil schon die Vor­ge­sprä­che kom­pli­ziert wa­ren. Her­aus­ge­kom­men ist aber doch ein – aus Sicht der Öl­län­der – recht star­kes Si­gnal mit der Kür­zung der För­de­rung um rund ein Pro­zent. Auf der Prei­sach­ter­bahn ging es am Frei­tag al­so steil auf­wärts, ein Fass Brent kos­te­te am Abend 63 Dol­lar. Be­vor nun der Schre­cken aus­bricht, kann man aber auch mal zwei­feln, ob der Trend nach­hal­tig sein wird – so toll ist die Nach­fra­ge ja nicht. Und den Preis an der Tan­ke ha­ben be­kannt­lich schon die Trans­port­schwie­rig­kei­ten auf dem Rhein hoch­ge­trie­ben. Hof­fen wir ein­fach mal, dass es nicht viel schlim­mer kommt. Sie wer­den we­ni­ger. 2359 Schif­fe un­ter deut­scher Flag­ge sind noch auf den Welt­mee­ren un­ter­wegs, das ist über ein Drit­tel we­ni­ger als der Höchst­stand mit 3784 Schif­fen im Jahr 2011. Nun war der vor al­lem das Er­geb­nis staat­li­cher För­de­rung und en­ga­gier­ter Steu­er­ge­stal­tung – al­so vi­el­leicht gar nicht so er­hal­tens­wert. Jetzt ar­bei­ten die Ban­ken die Fol­gen ab, und da­bei wech­selt eben man­ches Schiff die Flag­ge.

WIRT­SCHAFTS­RE­DAK­TI­ON

Ste­fan Win­ter

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