Die Bahn kommt teu­rer

Zum Fahr­plan­wech­sel: Ti­ckets im Fern­ver­kehr kos­ten 1,9 Pro­zent mehr / Kri­tik von Fahr­gast­bünd­nis

Hannoversche Allgemeine - - WIRTSCHAFT - Von Frank-Tho­mas Wenzel

H,nno­ver. Die Bahn baut zum Fahr­plan­wech­sel am Sonn­tag ihr An­ge­bot aus. Sie re­agiert da­mit auf stei­gen­de Fahr­gast­zah­len. Der in der Kri­tik ste­hen­de Staats­kon­zern lässt sich das aber auch gut be­zah­len – die Pas­sa­gie­re müs­sen teil­wei­se deut­lich mehr be­zah­len.

Im Fern­ver­kehr wer­den die re­gu­lä­ren Ti­ckets zum vol­len Preis im Durch­schnitt 1,9 Pro­zent teu­rer, wie die Bahn mit­teil­te. We­gen Son­der­an­ge­bo­ten und Ra­bat­ten ge­be es nach Be­rech­nun­gen des Kon­zerns aber nur ei­nen Auf­schlag von 0,9 Pro­zent. Im Re­gio­nal­ver­kehr wer­den 1,5 Pro­zent auf­ge­schla­gen – das gilt für Fahr­ten über die Ver­kehrs­ver­bün­de hin­weg.

Viel­fah­rer wer­den deut­lich stär­ker zur Kas­se ge­be­ten. Die Bahn­card 100 ver­teu­ert sich um fast 3 Pro­zent. Die Prei­se für Platz­re­ser­vie­run­gen so­wie für die Bahn­card 25 und Bahn­card 50 ver­än­dern sich nicht. Wer aber sein Ti­cket im Zug kauft, muss künf­tig 19 Eu­ro statt bis­lang 12,50 Eu­ro zah­len – ein Auf­schlag um mehr als 50 Pro­zent.

Preis hat sich ver­dop­pelt

Das Bünd­nis „Bahn für Al­le“kri­ti­siert, dass die Prei­se grund­sätz­lich zu hoch sei­en, be­son­ders in An­be­tracht der vie­len Ver­spä­tun­gen und Zu­g­aus­fäl­le. Zu­dem be­män­gelt „Bahn für al­le“das Ne­ben­ein­an­der von Nor­mal-, Spar- und Su­per­spar­prei­sen und sons­ti­gen Ver­güns­ti­gun­gen. Das ma­che die Bahn nicht at­trak­ti­ver, son­dern wir­ke ab­schre­ckend. Die Bahn brau­che ein ein­fa­che­res und preis­wer­te­res Ta­rif­sys­tem.

Das Bünd­nis, zu dem Fahr­gast­ver­bän­de und Um­welt­schüt­zer ge­hö­ren, macht dar­auf auf­merk­sam, dass das Bahn­fah­ren sich in den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren dop­pelt so stark wie die all­ge­mei­ne In­fla­ti­on ver­teu­ert ha­be. Be­son­ders hef­tig fällt der Zu­schlag bei der be­lieb­ten Bahn­card 50 aus, für die ein Preis­zu­wachs von 85 Pro­zent er­rech­net wur­de.

Po­si­tiv für die Fahr­gäs­te sind die Än­de­run­gen auf der neu­en ICEStre­cke von Ber­lin nach Mün­chen. Dort sol­len künf­tig täg­lich in je­de Rich­tung fünf statt bis­her drei Sprin­ter­zü­ge un­ter­wegs sein. Zu­dem soll auf der Stre­cke die neu­es­te Ver­si­on des In­ter­ci­ty-Ex­press auf die Schie­ne kom­men.

Die Ver­bin­dung zwi­schen den bei­den Me­tro­po­len ist ei­ne Er­folgs­ge­schich­te ge­wor­den: Mit 4,4 Mil­lio­nen Fahr­gäs­ten seit der Er­öff­nung vor knapp ei­nem Jahr sind deut­lich mehr Pas­sa­gie­re ein­ge­stie­gen als er­war­tet.

Auch der Frank­fur­ter Flug­ha­fen wird mit dem Fahr­plan­wech­sel häu­fi­ger an­ge­fah­ren, näm­lich täg­lich Eu­ro kos­tet es künf­tig zu­sätz­lich, wenn Fahr­gäs­te ein Ti­cket im Zug kau­fen. Bis­her muss­ten sie 12,50 Eu­ro zah­len. Das ist ein Auf­schlag um mehr als 50 Pro­zent. von 14 statt elf Zü­gen in bei­de Rich­tun­gen. Mit dem ICE gibt es zu­dem ei­ne neue Di­rekt­ver­bin­dung von Ber­lin nach Wi­en. Hin­zu kommt ei­ne Aus­wei­tung des An­ge­bots für ei­ne gan­ze Rei­he der lang­sa­me­ren In­ter­ci­ty-Ver­bin­dun­gen – et­wa von NRW in Rich­tung Os­ten.

Für Wir­bel sorgt un­ter­des­sen der Be­richt des Bun­des­rech­nungs­ho­fes über die Bahn. Beim Er­halt der In­fra­struk­tur lau­fe vie­les falsch, der In­ves­ti­ti­ons­stau neh­me zu, die Deut­sche Bahn fah­re „auf Ver­schleiß“, hieß es in ei­nem Prüf­be­richt der Bud­get­kon­trol­leu­re.

Die Op­po­si­ti­on im Bun­des­tag for­der­te Kon­se­quen­zen. „Es braucht drin­gend ei­nen Neu­start auf der Schie­ne, da­mit je­der Eu­ro, den der Bund in die Bahn steckt, auch bei den Fahr­gäs­ten an­kommt“, sag­te Grü­nen-Frak­ti­ons­chef An­ton Ho­frei­ter.

Der FDP-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Tors­ten Herbst sag­te, der Be­richt des Bun­des­rech­nungs­hofs sei alar­mie­rend. „Wir brau­chen drin­gend mehr Trans­pa­renz bei den ein­ge­setz­ten Steu­er­mit­teln.“

FO­TO: CHRIS­TOPH SO­EDER/DPA

Die Bahn schickt mehr Zü­ge auf die Schie­nen – er­höht aber auch die Prei­se.

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