Schul­so­zi­al­ar­beit: Stadt mach­te Feh­ler bei Ver­ga­be

Das Rech­nungs­prü­fungs­amt wirft der Ver­wal­tung in 18 Fäl­len ei­nen Bruch der Ver­ga­be­re­geln vor / Ober­bür­ger­meis­ter Schos­tok will nun nach­bes­sern

Hannoversche Allgemeine - - VORDERSEITE - Von Andre­as Schin­kel

Das Rech­nungs­prü­fungs­amt der Stadt hat 18 Ver­ga­be­ver­fah­ren im Be­reich der Schul­so­zi­al­ar­beit be­män­gelt. Die Ver­wal­tung ha­be nicht, wie vor­ge­schrie­ben, je­weils drei An­ge­bo­te ein­ge­holt, son­dern die Auf­trä­ge an ei­nen An­bie­ter ver­ge­ben. „Das geht gar nicht“, sag­te Amts­lei­te­rin Fran­zis­ka Wehr­mann. Ober­bür­ger­meis­ter Ste­fan Schos­tok ver­sprach ei­ne Kon­trol­le der kri­ti­sier­ten Fäl­le.

Er­neut be­kommt Han­no­vers Stadt­ver­wal­tung Är­ger mit den kom­mu­na­len Rech­nungs­prü­fern. Die Fi­nanz­kon­trol­leu­re ha­ben fest­ge­stellt, dass die Stadt im ver­gan­ge­nen Jahr in 18 Fäl­len ge­gen die Ver­ga­be­ord­nung ver­sto­ßen hat. Die Ver­wal­tung hät­te für Pro­jek­te im Be­reich Schul­so­zi­al­ar­beit, et­wa An­ge­bo­te zur Lern­för­de­rung so­wie Krea­tiv- und Be­we­gungs­übun­gen, min­des­tens drei An­bie­ter an­spre­chen müs­sen, es wur­de aber im­mer nur ein ein­zi­ges An­ge­bot ein­ge­holt. Das geht aus dem ver­trau­li­chen Be­richt des Rech­nungs­prü­fungs­am­tes her­vor, der der HAZ in Aus­zü­gen vor­liegt. „Da­durch wur­de auch nicht be­ach­tet, dass der Be­wer­ber­kreis stets neu zu­sam­men­ge­stellt wer­den und min­des­tens ein nich­torts­an­säs­si­ger An­bie­ter zum Be­wer­ber­kreis ge­hö­ren soll“, heißt es in dem Be­richt.

Die Stadt recht­fer­tigt ih­re Me­tho­de. Sie hält ein kom­pli­zier­tes Ver­ga­be­ver­fah­ren mit drei An­bie­tern für „nicht prak­ti­ka­bel und zu­dem für zu zeit­auf­wen­dig“, heißt es in dem Be­richt. Es sei schwie­rig, die Wirt­schaft­lich­keit so­zi­al­päd­ago­gi­scher Kon­zep­te zu ver­glei­chen. Zu­dem be­fürch­tet die Stadt, dass es gar nicht ge­nü­gend An­bie­ter für be­stimm­te Pro­jek­te gibt. Da­her wer­de im­mer nur ein An­bie­ter, et­wa ein Ver­ein oder ei­ne Be­ra­tungs­stel­le, auf­ge­for­dert, ein Kon­zept vor­zu­le­gen.

Die Rech­nungs­prü­fer sind ent­setzt über die ih­rer An­sicht nach la­xe Hal­tung. „Das geht gar nicht“, sag­te Fran­zis­ka Wehr­mann, Lei­te­rin des Rech­nungs­prü­fungs­amts Fran­zis­ka Wehr­mann, Lei­te­rin des Amts, jüngst in öf­fent­li­cher Aus­schuss­sit­zung. Die Ver­ga­be­ord­nung ge­be kla­re Re­geln vor, da kön­ne die Stadt nicht sa­gen, sie ha­be sich et­was an­de­res aus­ge­dacht. Die Stadt müs­se nach­bes­sern, for­der­te Wehr­mann im Aus­schuss. Ober­bür­ger­meis­ter Ste­fan Schos­tok (SPD) ver­sprach: „Wir neh­men die An­mer­kun­gen des Rech­nungs­prü­fungs­am­tes sehr ernst.“

Das bleibt der CDU zu schwam­mig. „Die Stadt ver­fährt nach Guts­her­ren­art“, kri­ti­siert CDU-Fi­nanz­ex­per­tin Kers­tin Seitz. Ver­ga­be­re­geln sei­en zwar schwie­rig, aber die Stadt kön­ne sich nicht dar­über hin­weg­set­zen. „Ich er­war­te, dass die Ver­wal­tung den Auf­for­de­run­gen der Rech­nungs­prü­fer folgt“, sagt Seitz.

Nicht zum ers­ten Mal kri­ti­sie­ren Rech­nungs­prü­fer, dass die Stadt nach ei­ge­nem Gut­dün­ken vor­geht und recht­li­che Vor­schrif­ten groß­zü­gig aus­legt. Seit Jah­ren ist es in der han­no­ver­schen Ver­wal­tung gän­gi­ge Pra­xis, Über­stun­den pau­schal zu ver­gü­ten, oh­ne ei­nen Nach­weis über die tat­säch­lich ge­leis­te­ten Ar­beits­stun­den zu ver­lan­gen. Rund ei­ne Mil­li­on Eu­ro zahlt die Stadt an pau­scha­len Zu­la­gen pro Jahr. Die Fi­nanz­kon­trol­leu­re ha­ben die­se Me­tho­de wie­der­holt kri­ti­siert. Re­agiert hat die Per­so­nal­ab­tei­lung un­ter dem in­zwi­schen sus­pen­dier­ten De­zer­nen­ten Ha­rald Här­ke bis­her nicht.

Das geht gar nicht.

FO­TO: PATRICK PLEUL, DPA

Zu den Fa­cet­ten der Schul­so­zi­al­ar­beit ge­hört auch die Un­ter­stüt­zung von Schü­lern mit Lern­schwie­rig­kei­ten.

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