Die Frau der 1000 Wand­lun­gen

Sie gibt den Stars Ge­sicht: Avril Paul schminkt Stars wie Klaus Mei­ne und Na­ta­scha Och­senk­necht – und die Mo­dels beim han­no­ver­schen Mo­de­preis

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER - Von Mar­leen Gai­da

Avril Paul. Dass der Fa­mi­li­en­na­me auch ein Jun­gen­vor­na­me ist, kann ein Zu­fall sein. Oder auch ei­ne Ver­hei­ßung? Auf je­den Fall liebt es Avril, da­mit zu spie­len, manch­mal auch Paul zu sein. Da­mit zu spie­len, zwei Ge­sich­ter zu ha­ben. Und ir­gend­wie wun­dert es dann auch nicht, dass Avril Paul Vi­sa­gis­tin ge­wor­den ist – kürz­lich hat sie das Sty­ling der Mo­dels beim Mo­de­preis über­nom­men. Aber auch Stars und Stern­chen ver­pflich­ten die Kön­ne­rin: et­wa Na­ta­scha Och­senk­necht, Mir­ja du Mont, Klaus Mei­ne von den Scor­pi­ons und Kirk Ham­mett, der Gi­tar­rist der Band Me­tal­li­ca.

In­ter­view­ter­min in Avril Pauls Be­au­ty­sa­lon in ei­nem Fach­werk­haus in der Stam­me­stra­ße: Die Vi­sa­gis­tin, die auch Hair­sty­lis­tin, Sän­ge­rin, Mo­del, Song­wri­te­rin, Tän­ze­rin und Fo­to­künst­le­rin ist, hat sich für das Ge­spräch ein Au­ge schwarz ge­schminkt, ei­nes weiß. Sie er­zählt da­von, wie sie dort mit ih­rem Team Haar­schnit­te und Kos­me­tik­be­hand­lun­gen an­bie­tet. Aber der La­den ist mehr als ein Fri­seur und ein Kos­me­tik­stu­dio. Sie bie­tet dort auch Make­up-, Sty­ling- und Fri­sier­kur­se für Män­ner und Frau­en an, die es selbst ler­nen wol­len. Und sie bil­det aus. An ih­rer Pri­vat­schu­le kann man sich zum Hair­sty­lis­ten und Ma­ke-up-Ar­tist aus­bil­den las­sen. „Ich nen­ne es Ate­lier“, sagt Avril Paul über den La­den, „er ist ein krea­ti­ver Pol für mich.“

Ge­ra­de ist die ge­lern­te In­dus­trie­kauf­frau, die ih­re Aus­bil­dung in Hem­min­gen-Wes­ter­feld ab­sol­vier­te, 40 Jah­re alt ge­wor­den. Doch die Zahl ist für Paul nicht wich­tig. „Das Al­ter ist für mich et­was, um Men­schen zu ka­te­go­ri­sie­ren.“Und Ka­te­go­ri­en, man ahnt es na­tür­lich, lehnt sie ab. „In mei­ner Kunst geht es auch dar­um, ge­sell­schaft­li­che Kli­schees auf­zu­lö­sen.“Ge­schlech­ter, Klas­se und Ras­se sind für sie nur Ras­ter, die den Men­schen ei­ne Ori­en­tie­rung ge­ben, die sich oh­ne der­ar­ti­ge Le­bens­leit­plan­ken et­was ver­lo­ren füh­len.

Fem­me fa­ta­le vor der Ka­me­ra

In ih­rem „Ate­lier“hän­gen Bil­der wie zum Be­weis der Wan­del­bar­keit. Paul als Fem­me fa­ta­le in ei­ner Ku­lis­se der Zwan­zi­ger­jah­re, Paul als mas­ku­li­ner Paul, der ent­fernt an Sän­ge­rin Skin von Skunk An­an­sie er­in­nert. Nicht nur vor der Ka­me­ra, son­dern auch im Le­ben sind ih­re Rol­len stets va­ria­bel. Sie ist ei­ner­seits ei­ne struk­tu­rier­te Un­ter­neh­me­rin mit zwei Fest­an­ge­stell­ten. Aber eben auch ein Fo­to­mo­del für das Ver­ruch­te und me­lan­cho­li­sche Phi­lo­so­phin, der die Un­ge­rech­tig­kei­ten die­ser Welt den Kopf zer­bre­chen.

Und im­mer häu­fi­ger ist Paul, die Toch­ter ei­nes Deut­schen und ei­ner Süd­afri­ka­ne­rin, jetzt auch wie­der Mu­si­ke­rin. „Ich ma­che Rock mit Got­hic-Ein­flüs­sen“, er­klärt sie. „Ich ha­be mich fünf Jah­re lang nur auf Ma­ke-up kon­zen­triert. Jetzt bin ich in ei­ne Pha­se in mei­nem Le­ben ge­kom­men, in der ich mehr und mehr ei­ge­ne Din­ge prä­sen­tie­ren will“, er­klärt sie.

Ihr Mu­sik­pro­jekt hat sie Paul V Ri­la ge­nannt. Ein Ana­gramm aus den Buch­sta­ben, die sich auch in die Rei­hen­fol­ge Avril Paul brin­gen las­sen. „Ich re­flek­tie­re ger­ne Ge­gen­sätz­lich­kei­ten.“Die spie­le­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit mas­ku­li­nen und fe­mi­ni­nen Aspek­ten, die Am­bi­va­lenz des An­dro­gy­nen rei­ze die 40-Jäh­ri­ge be­son­ders, er­klärt sie. Und da­bei re­det sie lie­ber vom Mensch, als von Frau und Mann. Das trei­be sie um, las­se sie über das Le­ben sin­nie­ren. Über ih­re mu­si­ka­li­schen Ein­flüs­sen sagt sie: „Ich lie­be die Acht­zi­ger­jah­re. Mei­ne Vor­bil­der sind Ti­na Tur­ner, De­pe­che Mo­de, Eu­ryth­mics.“Dem­ent­spre­chend düs­ter und me­lan­cho­lisch kommt ihr Syn­thie­pop zeit­wei­se da­her, ge­sät­tigt mit Dra­ma und Ein­dring­lich­keit. Wenn sie Songs am Key­board kom­po­nie­re, dann kom­me ihr wand­lungs­lie­ben­der Geist et­was zur Ru­he.

Durch­star­ten als Mu­si­ke­rin

Seit 2001 lebt sie in Han­no­ver. Mitt­ler­wei­le füh­le sie sich an­ge­kom­men. „Ich bin hier auf­ge­wach­sen. Das ist mei­ne Hei­mat. Ich rei­se sehr ger­ne, aber hier bin ich zu Hau­se.“Jetzt be­ginnt für Avril Paul ein neu­er Le­bens­ab­schnitt. „Ich freue mich auf ei­ne krea­ti­ve Rei­se. Wir sind be­reit für das Boo­king.“Das sa­gen Mu­si­ker, wenn sie mei­nen: Wir sind büh­nen­reif, bucht uns! Die Sing­le „Sto­ne on Sto­ne“wird dem­nächst im In­ter­net ver­öf­fent­licht. Ih­re Bot­schaft? „Ich glau­be, wir wür­den in ei­ner bes­se­ren Welt le­ben, wenn wir uns al­le mehr re­flek­tie­ren wür­den“, sagt sie mit in die Fer­ne schwei­fen­dem Blick, der den Ge­sprächs­part­ner spe­ku­lie­ren lässt: Wahr­schein­lich voll­zieht sich ir­gend­wo in Pauls Kopf ge­ra­de wie­der die nächs­te Wand­lung.

FO­TOS: SA­MAN­THA FRAN­SON, SA­RAH BRÜCK­NER, PRIVAT (2)

Avril Paul schminkt ihr Mo­del Ca­ro­li­ne Schmitz.

Im­mer an­ders, nicht im­mer ar­tig: Avril Paul bei der Fre­aky-Fa­shion-Mo­den-Schau ...

... und streng fri­siert im schwar­zen An­zug – bei­de De­signs vom La­ble In­saint – ...

... und mit den Band­kol­le­gen Vam­pirVam­py (v. l.), Le­on We­gen­werth und Ul­ja­na Gru­den­ta­ler.

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