Schlaud­raff dreht am gro­ßen Rad

Dem neu­en 96-Sport­chef sind schon 75 Spie­ler am Tag an­ge­bo­ten wor­den. Er will mit ei­nem „po­si­ti­ven Ge­fühl“an­ste­ckend wir­ken. Schmadt­ke ist sein Men­tor und An­sprech­part­ner.

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - Von Jo­nas Szem­kus und Dirk Tie­ten­berg

Jan Schlaud­raff, was hat Sie in der Zeit als Sport­di­rek­tor am meis­ten über­rascht?

Es war am An­fang schon sehr viel, was auf mich ein­ge­pras­selt ist – vor al­lem, was man an Spie­lern an­ge­bo­ten be­kommt. Manch­mal wa­ren es bis zu 75 Spie­ler am Tag. Da hat­te ich schon ab und zu Pro­ble­me, hin­ter­her­zu­kom­men. Nach ei­ner Stun­de im Mee­ting ha­be ich an­schlie­ßend min­des­tens 20 ent­gan­ge­ne An­ru­fe auf mei­nem Han­dy und 15 neue Mails im Post­fach. Das dann ab­zu­ar­bei­ten ist nicht ganz so ein­fach. (lacht) Aber ich will mich nicht be­schwe­ren, denn es war auch sehr span­nend. Und wir ver­su­chen, die Ar­beit auf vie­le Schul­tern zu ver­tei­len.

Was ist Ih­nen als Sport­di­rek­tor wich­tig?

Ich bin ein gro­ßer Freund da­von, dass wir im en­gen, im of­fe­nen und ehr­li­chen Aus­tausch sind. Und wir von oben müs­sen vor­le­ben, dass wir im­mer 100 Pro­zent ge­ben. Die Jungs müs­sen das Ge­fühl ha­ben, dass je­der Ein­zel­ne – Trai­ner, Sport­di­rek­tor, Staff – 24 St­un­den am Tag, sie­ben Ta­ge die Wo­che für sie da ist, um sie bes­ser zu ma­chen. Und wir müs­sen ih­nen vor­le­ben, dass wir ei­ne Ein­heit sind. Wenn die Spie­ler se­hen, dass wir tag­täg­lich rund um die Uhr für die­sen Ver­ein ar­bei­ten, dann über­trägt sich das auf die Mann­schaft. Wir müs­sen uns ge­gen­sei­tig mit die­sem po­si­ti­ven Ge­fühl an­ste­cken. Wenn ich se­he, wie die Mann­schaft ar­bei­tet, dann er­kennt man, dass das funk­tio­niert. Es muss ei­ne Grup­pen­dy­na­mik ent­ste­hen. Wir brau­chen Jungs, die ei­ne be­son­de­re Be­zie­hung zum Klub ha­ben.

Ei­ne be­son­de­re Be­zie­hung gibt’s auch zwi­schen Ih­nen und Wolfs­burgs Jörg Schmadt­ke. Was ha­ben Sie von ihm und an­de­ren frü­he­ren Bos­sen ge­lernt?

Man kann von je­dem et­was mit­neh­men. Es ist im­mer wich­tig, sich mit Leu­ten aus­zu­tau­schen, die ei­nem ein ehr­li­ches und ver­nünf­ti­ges Feed­back ge­ben. Es ist kein Ge­heim­nis, dass ich ei­nen sehr en­gen Draht zu Jörg Schmadt­ke ha­be. Und na­tür­lich sind wir in en­gem Aus­tausch. Weil ich glau­be, dass mich das wei­ter­bringt. Und weil es kei­ne Kon­kur­renz­si­tua­ti­on ist. Jörg Schmadt­ke und der VfL Wolfs­burg schau­en in ei­nem ganz an­de­ren Be­reich.

Ist Schmadt­ke ein Stück weit Men­tor? Er ist schon ein sehr wich­ti­ger An­sprech­part­ner und auch pri­vat zu ei­nem gu­ten Freund ge­wor­den. Wir ken­nen uns noch aus Aa­chen, so 15 Jah­re. In den Jah­ren, die ich mich in der Fuß­ball­bran­che be­we­ge, gibt es nur ei­ne Hand­voll Leu­te, die ich als Freun­de be­zeich­nen wür­de – und da ge­hört er auf je­den Fall da­zu. Ich le­ge im Sport­li­chen und im Pri­va­ten sehr viel Wert auf sei­ne Mei­nung.

Es ist nicht all­zu lan­ge her, dass Sie selbst Pro­fi wa­ren. Wie nah ist der Sport­di­rek­tor Jan Schlaud­raff an der Mann­schaft dran?

Wenn man selbst Spie­ler war, weiß man, wie Spie­ler in ge­wis­sen Si­tua­tio­nen ti­cken. Aber na­tür­lich ver­su­che ich, ei­ne ge­wis­se Dis­tanz zu ha­ben. Weil es am En­de auch Ent­schei­dun­gen ge­ben wird, die nicht je­dem ge­fal­len – und ich muss sie dann tref­fen. Trotz­dem macht es kei­nen Sinn, den Ober­boss zu spie­len. Ich möch­te nicht ir­gend­et­was vor­spie­len, was ich nicht bin. Aber es ist nicht so, dass ich da­bei bin, wenn die Jungs in die Sau­na ge­hen oder am Abend un­ter­wegs sind. Man muss ei­ne na­tür­li­che Au­to­ri­tät aus­strah­len – über die Art, wie man die Jungs be­han­delt. Ich will da­bei aber nicht un­an­tast­bar oder un­nah­bar sein.

Wie viel wol­len Sie am Ka­der trotz­dem noch än­dern?

Auch die Wirt­schaft­lich­keit spielt da­bei im­mer ei­ne Rol­le. Wir sind nach dem ver­gan­ge­nen Jahr nicht auf Ro­sen gebettet. Trotz­dem sind wir im­mer auch auf der Su­che und schau­en uns um. Was sich ge­nau noch tut, ist schwer zu sa­gen. Es gibt da mal ein Ge­rücht und da mal ei­ne An­fra­ge. Aber mo­men­tan ist nichts so kon­kret, dass ich sa­ge, es könn­te zeit­nah et­was pas­sie­ren.

Es ist kein Ge­heim­nis, dass ich ei­nen sehr en­gen Draht zu Jörg Schmadt­ke ha­be.

Jan Schlaud­raff 96-Sport­di­rek­tor

Wie sieht’s bei Wal­de­mar An­ton aus – bleibt er?

Dass Ge­rüch­te auf­kom­men, ist schon klar. Und dass ein Spie­ler, der schon sehr gu­te Leis­tun­gen ge­zeigt hat, am liebs­ten 1. Li­ga spie­len möch­te, auch. Trotz­dem ha­ben wir noch zwei Jah­re Ver­trag mit ihm, und ich glau­be, dass er sich voll und ganz mit Han­no­ver und 96 iden­ti­fi­ziert. Des­we­gen pla­nen wir zu 100 Pro­zent mit Wal­de­mar An­ton.

FO­TO: FLO­RI­AN PETROW

Er fährt auf Han­no­ver 96 ab: Der neue Sport­chef Jan Schlaud­raff be­müht sich um ein gu­tes Ar­beits­kli­ma und sucht Spie­ler die ei­ne be­son­de­re Be­zie­hung zum Fuß­ball-Zweit­li­gis­ten ent­wi­ckeln.

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