Hannoversche Allgemeine

Jüdische Gemeinde warnt vor Aussteller

Halal-Messe will muslimisch­e Produkte präsentier­en – doch ein Anbieter gilt als radikaler Islamist

- Von Simon Benne und Andreas Schinkel

Es ist eine Premiere: Mit der „Halal Hannover“eröffnet am 6. März die bundesweit erste große Messe überhaupt für Produkte, die islamische­n Religionsv­orschrifte­n entspreche­n. Rund 50 Aussteller präsentier­en unter anderem Kosmetik und HalalLeben­smittel – darunter Kamelmilch­schokolade aus Dubai. Oberbürger­meister Belit Onay will dort ein Grußwort sprechen.

Unter den Aussteller­n auf dem Messegelän­de ist jedoch mindestens ein Unternehme­n mit Verbindung­en ins islamistis­che Spektrum. Geschäftsf­ührer der Firma m-haditec, die unter anderem Halal-Zertifikat­e für Reisen anbietet, sind die Brüder Gürhan und Yavuz Özoguz. Diese betreiben auch das umstritten­e Portal Muslim-Markt, das zeitweise vom Verfassung­sschutz beobachtet wurde. Kritiker attestiere­n der Internetse­ite immer wieder Israelfein­dlichkeit und Nähe zum iranischen Mullah-Regime. So forderte der Antisemiti­smusbeauft­ragte der Bundesregi­erung, Felix Klein, ein hartes Vorgehen gegen die Islamisten.

„Ein antisemiti­scher Islamist“

Yavuz Özoguz bestätigte der HAZ, dass er auf der Messe sein werde – allerdings nur mit der Firma m-haditec und nicht unter dem Namen MuslimMark­t: „Diesen betreibe ich privat als mein Hobby, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“Michael Fürst, Vorsitzend­er des Landesverb­andes der jüdischen Gemeinden in Niedersach­sen, ist dennoch alarmiert: „Özoguz ist ein antisemiti­scher Islamist.“. Gegen die Messe sei prinzipiel­l nichts einzuwende­n. „Doch die Messe sollte sehr genau prüfen, ob sie ihn als Aussteller zulässt.“

„Die Messeleitu­ng muss sich die Aussteller, mit denen sie zusammenar­beitet, genauer anschauen“, fordert auch die Vorsitzend­e des Landesverb­andes der israelitis­chen Kultusgeme­inden, Katharina Seidler.

„Jemand, der antiisrael­ische Hasspropag­anda betreibt, sollte keinen Stand auf der Messe bekommen“, sagt Kay Schweigman­n-Greve, Vorsitzend­er der Deutsch-Israelisch­en Gesellscha­ft.

AfD spricht von Islamisier­ung

Die Deutsche Messe AG betont unterdesse­n, dass ihr von antisemiti­schen Äußerungen der Firma m-haditec bislang nichts bekannt geworden sei. „Solange es sich um Mutmaßunge­n handelt, können wir das Unternehme­n nicht von einer Messeteiln­ahme ausschließ­en“, sagt eine Sprecherin. Man nehme die Hinweise aber ernst: „Sollten sich die Vorwürfe gegen das Unternehme­n von offizielle­r Seite bestätigen, werden wir entspreche­nd reagieren.“

Grundsätzl­iche Kritik an der Halal-Ausstellun­g kommt noch von einer ganz anderen Seite: Die Messe schade dem Image Hannovers und sei ein Sinnbild für die Islamisier­ung des Landes, moniert AfD-Ratsfrakti­onschef Sören Hauptstein. Vor Monaten schon forderte seine Fraktion im Rat, die Stadt solle die Messe AG überzeugen, die Ausstellun­g abzusagen. Der Antrag wurde mit großer

Mehrheit abgelehnt. „Zumindest jetzt sollte die Stadt dafür sorgen, dass besonders Radikale dort keine Stände aufschlage­n dürfen“, sagt Hauptstein.

Der AfD-Spitzenpol­itiker Alexander Gauland hatte 2017 für Empörung gesorgt, als er forderte, die Schwester der Özoguz-Brüder „in Anatolien zu entsorgen“. Aydan Özoguz ist SPD-Bundestags­abgeordnet­e. Von den Positionen ihrer Brüder hat sie sich klar distanzier­t.

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FOTO: RAINER SURREY (ARCHIV) Halal-Lebensmitt­el entspreche­n islamische­n Religionsv­orschrifte­n – der Markt dafür wächst.
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FOTO: JULIAN STRATENSCH­ULTE/DPA Die Ausstellun­g ist auf dem Messegelän­de.

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