Hil­fe in der Co­ro­na-Kri­se: Mie­ter in Not dür­fen Zah­lun­gen ein­stel­len

Bund und Län­der ver­ab­schie­den Mil­li­ar­den­pro­gram­me für Wirt­schaft und Pri­vat­leu­te / Ver­mie­ter­ver­bän­de lau­fen Sturm: „Haus­ei­gen­tü­mer wer­den in die Plei­te ge­trie­ben“

Hannoversche Allgemeine - - VORDERSEIT­E - Von Con­rad von Meding

Ber­lin/Hannover. Der Staat nimmt Mil­li­ar­den in die Hand, um Fir­men und Ar­beit­neh­mer vor schwe­ren Fol­gen der Co­ro­na-Kri­se zu schüt­zen. Land­tag und Bun­des­tag ha­ben am Mitt­woch die an­ge­kün­dig­ten Hilfs­pro­gram­me be­schlos­sen. Ei­ne der Re­ge­lun­gen soll Mie­tern hel­fen: Sie dür­fen ab April ih­re Zah­lun­gen ein­stel­len, wenn sie we­gen der Co­ro­na-Pro­ble­ma­tik fi­nan­zi­el­le Pro­ble­me be­kom­men.

„Wir be­grü­ßen die Initia­ti­ve des Bun­des, weil so Druck aus dem The­ma ge­nom­men wird“, sagt Ran­dolph Fries vom han­no­ver­schen Mie­ter­bund. Wenn jetzt Tau­sen­de Ar­beit­neh­mer in Kurz­ar­beit ge­hen oder so­gar ar­beits­los wer­den, kön­ne es Pro­ble­me mit den Miet­zah­lun­gen ge­ben. Dann sei es rich­tig, dass die Men­schen ih­re Woh­nung nicht ver­lö­ren. „Aber wenn die Ver­mie­ter, die für ih­re Im­mo­bi­li­en ja oft Zins und Til­gung zah­len müs­sen, in die In­sol­venz ge­trie­ben wer­den, ist auch nie­man­dem ge­dient“, sagt Fries.

Letz­te­res sieht auch der Ver­mie­ter­ver­band Haus & Grund so – und läuft Sturm: Er fürch­tet, dass nun zwar Mie­ter ge­schützt sind, da­für aber Haus­ei­gen­tü­mer in die Plei­te ge­trie­ben wer­den.

Laut bis­he­ri­ger Ge­set­zes­vor­la­ge, der das Ka­bi­nett schon am Mon­tag zu­ge­stimmt hat, müs­sen Mie­ter nicht nach­wei­sen, war­um sie in Zah­lungs­not ge­ra­ten sind. „Der Zu­sam­men­hang zwi­schen Co­vid-19-Pan­de­mie und Nicht­leis­tung wird ver­mu­tet“, heißt es in dem Ent­wurf, dem am Frei­tag noch der Bun­des­rat zu­stim­men muss. Zu­nächst gilt der Kün­di­gungs­schutz we­gen aus­blei­ben­der Miet­zah­lun­gen für die drei Mo­na­te April bis Ju­ni. Das Geld muss spä­ter trotz­dem ge­zahlt wer­den – die Frist aber läuft bis Sep­tem­ber 2022.

Der Kün­di­gungs­schutz gilt für Pri­vat­und klei­ne Ge­wer­be­mie­ter. Nor­ma­ler­wei­se darf bei zwei­ma­li­gem Aus­blei­ben der Mie­te frist­los ge­kün­digt wer­den. „Wir tun al­les, um die wirt­schaft­li­che Exis­tenz der Men­schen in der Co­ro­na-Kri­se zu si­chern“, sag­te Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht (SPD).

Han­no­vers Haus-&-Grund-Vor­sit­zen­der Rainer Beck­mann staunt: „Wir sind sehr so­zi­al ein­ge­stellt, kein Mie­ter soll sei­ne Woh­nung co­ro­nabe­dingt ver­lie­ren. Man darf aber den Ver­mie­tern nicht die Auf­ga­ben des So­zi­al­staats auf­bür­den.“Nach An­ga­ben von Haus & Grund sind 67 Pro­zent der deut­schen Woh­nun­gen im Ei­gen­tum von Pri­vat­leu­ten. Oft sei­en es et­wa Hand­werks­meis­ter, de­nen jetzt in der Co­ro­na-Kri­se die Ein­nah­men weg­blie­ben. Wenn dann noch Miet­zah­lun­gen ent­fie­len, zu­gleich aber die Ban­ken auf Ra­ten poch­ten, brin­ge man Im­mo­bi­li­en­ei­gen­tü­mer in Exis­tenz­nö­te.

Auch der Ver­band der Woh­nungs­wirt­schaft, in dem zahl­rei­che Ge­nos­sen­schaf­ten und kom­mu­na­le Woh­nungs­un­ter­neh­men or­ga­ni­siert sind, un­ter­stützt die Initia­ti­ve des Bun­des, dringt aber in ei­ner ge­mein­sa­men Er­klä­rung mit den Mie­ter­ver­ei­nen dar­auf, dass der Bund ei­nen Hilfs­fonds ein­rich­tet. Aus dem müss­ten die Haus­ei­gen­tü­mer ent­schä­digt wer­den. Auch Haus & Grund hat ei­nen sol­chen Fonds ge­for­dert.

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