El­tern be­kom­men Ver­dienst­aus­fall er­setzt

Ist die Ki­ta ge­schlos­sen und ei­ne an­de­re Be­treu­ung nicht mög­lich, zahlt un­ter Um­stän­den die Re­gi­on

Hannoversche Allgemeine - - HAN­NO­VER - Von Karl Do­ele­ke

Be­rufs­tä­ti­ge El­tern klei­ner Kin­der ha­ben un­ter Um­stän­den ei­nen An­spruch auf Ent­schä­di­gung, wenn sie auf­grund der Schlie­ßung von Schu­len und Ki­tas ei­nen Ver­dienst­aus­fall er­lei­den. Dar­auf weist die han­no­ver­sche Rechts­an­wäl­tin Karin Schat­ten­froh hin. Die Re­gi­on Han­no­ver als zu­stän­di­ge Be­hör­de ver­steckt In­for­ma­tio­nen da­zu in den Tie­fen ih­rer In­ter­net­sei­te zur Co­ro­na-Epi­de­mie.

Tat­säch­lich hat die Re­gi­on dort bis Don­ners­tag so­gar ir­re­füh­ren­de An­ga­ben ge­macht, die El­tern da­von ab­hal­ten konn­ten, den An­spruch gel­tend zu ma­chen: „Ein Ver­dienst­aus­fall kann auf der Grund­la­ge des In­fek­ti­ons­schutz­ge­set­zes nicht er­stat­tet wer­den, wenn die Ki­ta oder Schu­le ge­schlos­sen wur­de und Sie sel­ber we­gen der not­wen­di­gen Kin­der­be­treu­ung nicht ar­bei­ten kön­nen“, hieß es dort.

Das sei nicht rich­tig, sagt An­wäl­tin Schat­ten­froh. „Es gibt ei­ne so­ge­nann­te El­ter­n­ent­schä­di­gung. Der An­spruch er­gibt sich un­mit­tel­bar aus dem In­fek­ti­ons­schutz­ge­setz.“Nach ei­ner Anfrage der HAZ lösch­te die Re­gi­on den ir­re­füh­ren­den Satz. Et­wa 330 An­trä­ge auf El­ter­n­ent­schä­di­gung ha­be die Re­gi­on seit Schlie­ßung von Ki­tas und Schu­len re­gis­triert, er­klär­te ei­ne Spre­che­rin.

Seit vier Wo­chen ge­schlos­sen

Die Re­gi­on hat­te nach ei­ner Ver­fü­gung des Lan­des En­de März al­le Schu­len und Kin­der­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen in Han­no­ver und dem Um­land ge­schlos­sen. Be­treut wer­den seit­dem nur noch Kin­der von El­tern, die in für die Auf­recht­er­hal­tung des öf­fent­li­chen Le­bens wich­ti­gen Ein­rich­tun­gen ar­bei­ten. Das sind Me­di­zi­ner, Pfle­ge­kräf­te und

Po­li­zis­ten et­wa. Al­le an­de­ren müs­sen sich selbst um die Ver­sor­gung der Kin­der küm­mern.

Nach An­ga­ben von Schat­ten­froh kön­nen El­tern oh­ne An­spruch auf die­se Not­be­treu­ung un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen zwei Drit­tel ih­res Ver­dienst­aus­falls von der Re­gi­on er­setzt be­kom­men. Doch wie ma­che ich den An­spruch gel­tend? Die HAZ be­ant­wor­tet mit­hil­fe der Ju­ris­tin die wich­tigs­ten Fra­gen zur El­ter­n­ent­schä­di­gung:

▶ Wer ist an­spruchs­be­rech­tigt?

„An­spruchs­be­rech­tigt sind An­ge­stell­te und auch selbst­stän­di­ge Sor­ge­be­rech­tig­te von Kin­dern bis zum voll­ende­ten zwölf­ten Le­bens­jahr.“Das gel­te auch, er­klärt die Ju­ris­tin, „für Sor­ge­be­rech­tig­te von Kin­dern mit Be­hin­de­run­gen, die auf Hil­fe an­ge­wie­sen sind und für die eben­falls Be­treu­ung tags­über nicht mehr ge­währ­leis­tet ist.“

▶ Un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen wird die Ent­schä­di­gung ge­zahlt?

Vor­aus­set­zung ist laut Schat­ten­froh, dass El­tern kei­ne an­der­wei­ti­ge zu­mut­ba­re Be­treu­ung or­ga­ni­sie­ren kön­nen – et­wa durch den an­de­ren El­tern­teil oder durch Not­be­treu­ung in der Ki­ta. Die Groß­el­tern schei­den laut Schat­ten­froh aus: Sie zäh­len zu den vom Co­ro­na­vi­rus be­son­ders be­droh­ten Ri­si­ko­per­so­nen. Auch die Be­treu­ung durch Freun­de, Nach­barn oder Be­kann­te schei­det we­gen der Kon­takt­be­schrän­kun­gen aus. So sieht es auch der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund. Die Suche nach Be­treu­ungs­mög­lich­kei­ten kön­ne sich da­her nur auf den Kreis der Per­so­nen be­schrän­ken, „die mit dem El­tern­teil und dem Kind in ei­nem Haus­halt le­ben“, er­klärt auch der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund.

„Ei­ne wei­te­re Vor­aus­set­zung für die Ent­schä­di­gung ist, dass al­le an­de­ren Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft sind, der Tä­tig­keit vor­über­ge­hend be­zahlt fern­zu­blei­ben“, sagt die An­wäl­tin. Da­zu zäh­le der Ab­bau von Über­stun­den. Auch muss Re­s­t­ur­laub aus dem ver­gan­ge­nen Jahr und be­reits be­an­trag­ter Ur­laub ge­nom­men wer­den – nicht je­doch der ge­sam­te Jah­res­ur­laub.

„Die Mög­lich­keit, im Ho­me­of­fice zu ar­bei­ten, lässt den An­spruch eben­falls ent­fal­len“– au­ßer­dem zäh­len re­gu­lä­re Fe­ri­en­zei­ten und Fei­er­ta­ge wie Os­tern eben­falls nicht mit. „Zu­dem wer­den An­sprü­che auf Kurz­ar­bei­ter­geld und Ar­beits­lo­sen­geld auf den Ent­schä­di­gungs­an­spruch an­ge­rech­net.“Auch im Fall ei­ner Krank­schrei­bung von El­tern oder Kind wer­de das Geld nicht ge­zahlt.

▶ Wie hoch ist die Ent­schä­di­gung?

Die Ent­schä­di­gung be­trägt zwei Drit­tel des Net­to­ein­kom­mens, wird für bis zu sechs Wo­chen ge­währt und ist auf ei­nen mo­nat­li­chen Höchst­be­trag von 2016 Eu­ro be­grenzt.

▶ Wie stel­le ich den An­trag?

An­trags­for­mu­la­re fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te der Re­gi­on Han­no­ver. Der An­trag ist bei An­ge­stell­ten durch den Ar­beit­ge­ber bei der Re­gi­on Han­no­ver – Fach­be­reich Ge­sund­heit zu stel­len. Selbst­stän­di­ge müs­sen das na­tür­lich selbst ma­chen.

▶ War­um stellt der Ar­beit­ge­ber den An­trag?

„Bei Ar­beit­neh­mern hat der Ar­beit­ge­ber für die Dau­er des Ar­beits­ver­hält­nis­ses, längs­tens für sechs Wo­chen, die Ent­schä­di­gung für die zu­stän­di­ge Be­hör­de aus­zu­zah­len“, sagt Schat­ten­froh. So schreibt es das In­fek­ti­ons­schutz­ge­setz vor. „Die aus­ge­zahl­ten Be­trä­ge wer­den dem Ar­beit­ge­ber auf des­sen An­trag hin von der zu­stän­di­gen Be­hör­de er­stat­tet.“

▶ Für wel­chen Zei­t­raum kann ich den An­spruch gel­tend ma­chen?

Zei­ten vom 30. März bis vo­r­erst En­de des Jah­res fal­len un­ter die Re­ge­lung.

FO­TOS: CA­RO­LI­NE SEI­DEL/DPA, PRI­VAT

Schu­len sind seit En­de März wie Ki­tas, Hor­te und Ta­ges­pfle­ge­ein­rich­tun­gen ge­schlos­sen – El­tern müs­sen sich selbst um die Be­treu­ung küm­mern. „Da­für gibt es ei­ne so­ge­nann­te El­ter­n­ent­schä­di­gung“, sagt die han­no­ver­sche Rechts­an­wäl­tin Karin Schat­ten­froh.

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