„Ich ha­be Sie nicht ver­stan­den“

Ale­xa, Si­ri und Co. ge­hö­ren mitt­ler­wei­le zum All­tag – in­zwi­schen sind sie auch Pas­sa­gier im Au­to

Hannoversche Allgemeine - - MOBILITÄT - Von Micha­el Geb­hardt

Köln. Sät­ze wie „Ale­xa, wo ist der nächs­te Ita­lie­ner?“oder „Hey Si­ri, mach das Licht im Wohn­zim­mer an!“sind mitt­ler­wei­le in vie­len Fa­mi­li­en zu hö­ren, und nur sel­ten ist da­mit der ei­ge­ne Nach­wuchs ge­meint. In­tel­li­gen­te per­sön­li­che As­sis­ten­ten (IPA), auch Sprachas­sis­ten­ten ge­nannt, hal­ten mehr und mehr Ein­zug in un­se­re Haus­hal­te und sol­len uns das Le­ben er­leich­tern – oft­mals tra­gen sie al­ler­dings auch zur all­ge­mei­nen Er­hei­te­rung bei. Denn: „Tut mir leid, ich ha­be Sie nicht ver­stan­den.“oder „Das weiß ich lei­der nicht.“kommt der­zeit noch recht häu­fig als Ant­wort von den in der Re­gel in Laut­spre­chern (so­ge­nann­ten Smart Spea­k­ern) ver­steck­ten As­sis­ten­ten.

Das liegt vor al­lem dar­an, dass am an­de­ren En­de der Lei­tung na­tür­lich kein Mensch sitzt, son­dern ein Com­pu­ter, der zu ver­ste­hen ver­sucht, was der Nut­zer von ihm will. Die Fra­ge oder der Sprach­be­fehl wird, da der in­ter­ne Spei­cher in den Ge­rä­ten viel zu klein ist, in der Re­gel in Se­kun­den­bruch­tei­len an ei­nen Ser­ver in ei­nem gro­ßen Re­chen­zen­trum über­tra­gen. Der ver­ar­bei­tet die An­fra­ge und schickt die pas­sen­de Re­ak­ti­on ge­nau­so schnell zu­rück an das Ge­rät. Das trägt dann ent­we­der ei­ne Ant­wort vor oder führt ei­ne Ak­ti­on aus; zum Bei­spiel wer­den ver­netz­te Glüh­bir­nen ak­ti­viert oder der Lieb­lings­ra­dio­sen­der ein­ge­schal­tet.

Im Grun­de hat die Tech­nik zwei Schwach­stel­len: Zum ei­nen muss die An­fra­ge rich­tig ver­stan­den wer­den und ei­ne Ant­wort oder Re­ak­ti­on ver­füg­bar sein. Die ein­ge­setz­te Soft­ware macht sich die künst­li­che In­tel­li­genz zu­nut­ze, wird lau­fend ver­bes­sert und lernt mit­un­ter so­gar selbst­stän­dig aus ih­ren Feh­lern, ist aber noch lan­ge nicht per­fekt. Zum an­de­ren muss na­tür­lich ei­ne sta­bi­le, aus­rei­chend schnel­le In­ter­net­ver­bin­dung be­reit­ste­hen; nur mit dem Wis­sen in ih­rem in­ter­nen Spei­cher kön­nen die meis­ten Ge­rä­te kaum Ak­tio­nen aus­füh­ren.

In­zwi­schen sind auch Au­tos im­mer mehr ver­netzt und das In­ter­net hat längst Ein­zug in die Fahr­zeu­ge ge­hal­ten – und mit ihm auch die Sprachas­sis­ten­ten. Die sind in Sa­chen Au­to­steue­rung deut­lich schlau­er als frü­he­re Sprach­ein­ga­be­sys­te­me. Muss­te man bis­lang den ge­nau­en Wort­laut ei­nes Be­fehls ken­nen und konn­ten nur we­ni­ge Funk­tio­nen per Spra­che aus­ge­führt wer­den, kann man heut­zu­ta­ge mit­un­ter recht frei mit dem ei­ge­nen Wa­gen plau­dern. Da­bei kön­nen nicht nur Na­vi­ga­ti­ons­zie­le ein­ge­ge­ben wer­den, son­dern bei­spiels­wei­se auch die Mas­sa­ge­funk­ti­on ak­ti­viert, der nächs­te Kun­den­dienst­ter­min ver­ein­bart oder die Tem­pe­ra­tur ge­re­gelt wer­den: Ein kur­zes „mir ist kalt“reicht, und der Wa­gen dreht die Kli­ma­an­la­ge et­was hö­her. In der Re­gel er­kennt das Au­to so­gar, ob der Fah­rer oder der Bei­fah­rer mit ihm re­det.

Die Tech­nik da­hin­ter ist im­mer ähn­lich, al­ler­dings set­zen man­che

Her­stel­ler auf die In­te­gra­ti­on be­ste­hen­der Sys­te­me, wie zum Bei­spiel Ama­zons Ale­xa. Das er­leich­tert die Ver­bin­dung mit der hei­mi­schen Di­gi­tal­welt und vom Au­to aus kann zum Bei­spiel per Spra­che die Hei­zung zu Hau­se auf­ge­dreht wer­den. An­de­re hin­ge­gen ent­wi­ckeln ih­re ganz ei­ge­nen Sys­te­me, und be­nö­ti­gen dann spe­zi­el­le Schnitt­stel­len, um mit an­de­ren Di­ens­ten zu kom­mu­ni­zie­ren. Mit­un­ter bau­en die Ent­wick­ler auch Funk­tio­nen zur Un­ter­hal­tung ein: Das Mer­ce­des­Sys­tem MBUX et­wa gibt seit Kur­zem nicht nur Fit­nesstipps für den Fah­rer, son­dern liest auf Wunsch auch das ei­ge­ne Ho­ro­skop vor.

In der Re­gel er­kennt das Au­to so­gar, ob der Fah­rer oder der Bei­fah­rer mit ihm re­det.

GRA­FIK:DAIM­LER

Die Ant­wort aus dem Laut­spre­cher: Mer­ce­des-Benz in­te­griert die Mög­lich­keit in das Mul­ti­me­di­a­sys­tem MBUX, sich sein per­sön­li­ches Ho­ro­skop vor­le­sen zu las­sen. Für das Ho­ro­skop wird das Ge­burts­da­tum oder das Stern­zei­chen des Fah­rers ab­ge­fragt.

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