Heidenheimer Zeitung

Varta geht auf Sparkurs

Der Batteriehe­rsteller kündigt „Personalma­ßnahmen“an. Was das für die Beschäftig­ten in Dischingen bedeutet, ist aber noch unklar. Im nächsten Schritt stehen Gespräche mit den Betriebsrä­ten an.

- Von Jens Eber

Die in Ellwangen ansässige Varta AG plant „eine Kapitalerh­öhung und ein umfangreic­hes Restruktur­ierungskon­zept“. Dabei soll es offenbar auch Einschnitt­e beim Personal geben, in welchem Umfang und an welchen Standorten, blieb zunächst unklar. Im Werk Nördlingen gilt bereits seit November Kurzarbeit. In Dischingen, wo Varta mit rund 500 Mitarbeite­nden Haushaltsb­atterien herstellt, wurde bislang wie gewohnt gearbeitet. Ohnehin galten die Produkte aus Dischingen bisher als profitable Zugpferde innerhalb des Batterieko­nzerns. Noch im vergangene­n Jahr hatte dieser Bereich Zuwächse verzeichne­t.

Varta litt zuletzt unter einem Umsatzrück­gang. Auch der Gewinn ist den Unternehme­nszahlen zufolge eingebroch­en. Hohe Kosten für Energie und Rohstoffe belasten Varta zudem. Der Börsenwert der Varta AG ist über die vergangene­n zwölf Monate hinweg um rund 70 Prozent gesunken. Die Geschäftsz­ahlen für 2022 sollen erst Ende April veröffentl­icht werden.

50 Millionen Euro aus Aktien

Um das Unternehme­n finanziell zu stabilisie­ren, hat Varta nun vor, mehrere Millionen Anteile auf den Markt zu bringen und hofft, dadurch bis zu 50 Millionen Euro zu erlösen. Allerdings sollen die Aktien nicht frei gehandelt werden. „Zur Zeichnung wird ausschließ­lich die VGG Beteiligun­gen SE, eine 100-prozentige Tochterges­ellschaft der Montana Tech Components, zugelassen“, heißt es in der Mitteilung. Dahinter

steht der österreich­ische Investor Michael Tojner, der mit seinen Unternehme­n bereits Großaktion­är von Varta ist und auch dem Aufsichtsr­at vorsitzt. Tojners Anteil an Varta lag laut „Manager Magazin“schon bisher bei rund 50 Prozent. Wie groß sein Anteil künftig sein wird, werde sich erst nach Abschluss der geplanten Kapitalerh­öhung herausstel­len, so Varta-pressespre­cher Christian Kucznierz.

Mit dem „Zuschießen frischen Geldes“, wie das „Manager Magazin“diesen Schritt bewertet, soll es aber nicht getan sein. Offenbar

wird die jüngste Geschäftse­ntwicklung auch Folgen für die Mitarbeite­nden haben. Varta strebe „die Rückkehr auf einen stabilen Wachstumsk­urs an“, schreibt das Unternehme­n einige Absätze weiter. „Dafür ist eine Anpassung von Produktion­s- und Strukturko­sten geplant, die auch Personalma­ßnahmen umfasst.“

Folgen für die Beschäftig­ten?

In einer ebenfalls am Montag veröffentl­ichten Ad-hoc-mitteilung liest sich das noch etwas kühler: Zu den Plänen der AG „zählen unter anderem die gruppenwei­te,

konsequent­e Reduzierun­g der Kostenbasi­s in den Bereichen Beschaffun­g, interner Prozessste­uerung und Personal“. Solche Meldungen müssen Aktiengese­llschaften zum Beispiel dann veröffentl­ichen, wenn es Entwicklun­gen gibt, die den Aktienkurs beeinfluss­en könnten. Nach der Veröffentl­ichung am Montag gab der Kurs zunächst nach, erholte sich jedoch wieder teilweise.

Was die neuen Pläne aus der Konzernzen­trale für die Beschäftig­ten bedeuten, ist noch offen. Dr. Marcus Hackstein, Sprecher des Vorstands der Varta AG, wird in der Pressemitt­eilung aber so zitiert: „Dass dieses Vorgehen auch Einsparung­en bei den Personalko­sten beinhaltet, ist leider unausweich­lich.“Man habe dem Betriebsra­t angeboten, „umgehend Gespräche über die Ausgestalt­ung der konkreten Maßnahmen aufzunehme­n“. Bei der IG Metall ist man über die anstehende­n Gespräche informiert. Womöglich werde es bereits diese Woche Erkenntnis­se über die Folgen der jüngsten Entwicklun­g geben.

Gespräche mit Betriebsrä­ten

Auch auf Nachfrage will Varta seine Pläne nicht weiter konkretisi­eren. Man werde über „notwendige Kosteneins­parungen im Personalbe­reich“mit den Betriebsrä­ten sprechen, so Kucznierz. Das Konzept stehe „unter dem Vorbehalt der finalen Zustimmung der zuständige­n Gremien der Banken“. Sprich: die Gläubigerb­anken bestimmen den Sanierungs­kurs maßgeblich mit.

 ?? Foto: Geyer-luftbild ?? Das Varta-betriebsge­lände in Dischingen. Hier werden jährlich bis zu 1,75 Milliarden Haushaltsb­atterien hergestell­t.
Foto: Geyer-luftbild Das Varta-betriebsge­lände in Dischingen. Hier werden jährlich bis zu 1,75 Milliarden Haushaltsb­atterien hergestell­t.

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