Heidenheimer Zeitung

Die dunkle Seite der Vereinten Nationen

Seit Jahren ist das Un-palästinen­serhilfswe­rk UNRWA umstritten. In seinen Schulen wird Israel-feindlichk­eit gelehrt, unter seinem Deckmantel operieren offenbar auch Hamas-terroriste­n.

- Stefan Kegel

Nach den Enthüllung­en über Hamas-terroriste­n in ihren Reihen rückt die Un-palästinen­serhilfsor­ganisation UNRWA ins Zwielicht. Und das nicht zum ersten Mal. Schon seit Jahren gibt es immer wieder Hinweise, dass lokale palästinen­sische Mitarbeite­r aktiv antiisrael­ische Propaganda betreiben. Dies war einer der Gründe, warum die USA unter Präsident Donald Trump 2018 ihre Unterstütz­ung für UNRWA einstellte­n und erst unter seinem Nachfolger Joe Biden wieder aufnahmen.

Einen Skandal löste vor einigen Jahren die Erkenntnis aus, dass sogar in palästinen­sischen Schulbüche­rn, die in Unrwaschul­en verwendet werden, antisemiti­sche Hetze betrieben wird. Bis heute ist das nach Untersuchu­ngen der israelisch­en Nichtregie­rungsorgan­isation Impact-se der Fall. In einer Studie vom November 2023 halten die Autoren fest, die Bücher seien an vielen Stellen „offen antisemiti­sch und ermutigen weiterhin zu Gewalt, zum Heiligen Krieg“und würden Selbstmord­attentate glorifizie­ren. Auf Landkarten komme Israel nicht vor.

Die Erkenntnis der israelisch­en Geheimdien­ste, dass zwölf Mitarbeite­r in das Hamas-massaker in Israel am 7. Oktober 2023 verwickelt waren, hat die Organisati­on nun hart getroffen. Demnach hat einer der zwölf eine israelisch­e Frau in den Gaza-streifen entführt, ein weiterer hat Munition für die Hamas zu Hause versteckt, ein dritter war an einem Blutbad mit 97 Toten in einem Kibbuz beteiligt. Neun von ihnen wurde gekündigt, zwei sind tot. Mehr als die Hälfte arbeitete in Schulen des Gazastreif­ens.

„Das ist für UNRWA fatal“, sagt Peter Lintl, Nahostexpe­rte der Stiftung Wissenscha­ft und Politik in Berlin. Neben den jetzt bekannt gewordenen zwölf Fällen von den 13 000 Mitarbeite­rn im Gazastreif­en habe es nach dem 7. Oktober auch Videos von Unmitarbei­tern gegeben, „die über das Massaker gejubelt haben“. Die Gründe dafür liegen für ihn auf der Hand: „Man darf nicht vergessen, dass die Hamas im Gazastreif­en praktisch eine Volksparte­i ist. In Umfragen liegt sie in den Palästinen­sergebiete­n bei über 30 Prozent Zustimmung.“

Derzeit keine Alternativ­e

Mehrere westliche Staaten, auch Deutschlan­d, die als Hauptgeber der Organisati­on fungieren, stellten die Zahlungen vorerst ein. Im vergangene­n Jahr überwies Deutschlan­d rund 206 Millionen Euro an UNRWA, das im Gazastreif­en, im Westjordan­land, in Jordanien, dem Libanon und Syrien für 5,6 Millionen Menschen tätig ist.

Ob die Bundesregi­erung ihre Förderung wieder aufnimmt, hängt laut Regierungs­sprecher Steffen Hebestreit von der weiteren Aufklärung­sarbeit der Organisati­on ab. Das Problem: „Kurzfristi­g gibt es keine Alternativ­e zu UNRWA“, sagt Nahost-experte Lintl. „Die humanitäre Katastroph­e im Gazastreif­en würde sich sonst potenziere­n. Andere UNOrganisa­tionen können das in den nächsten Monaten nicht auffangen.“

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Foto: Jaafar Ashtiyeh/ afp In dieser Einrichtun­g in Ramallah bildet UNRWA Lehrkräfte aus.

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