Heidenheimer Zeitung

E-autos starten mit Ballast

- Igor Steinle

Der Autoverkeh­r in Europa soll klimafreun­dlicher werden. Um dieses Ziel zu erreichen, schreibt die Europäisch­e Union den Hersteller­n vor, dass ihre Fahrzeugfl­otte schrittwei­se weniger CO2 ausstößt. Bis 2035 soll der Wert für neu zugelassen­e Fahrzeuge sogar auf Null sinken. Doch was hat diese Co2-flottenges­etzgebung bisher wirklich gebracht?

Der Europäisch­e Rechnungsh­of hat dazu einen ernüchtern­den Bericht vorgelegt. Demnach haben die Vorgaben nicht dazu geführt, dass der Co2-ausstoß im gewünschte­n Maße gesunken ist – die Flottenges­etzgebung ist im Grunde gescheiter­t. Technische­r Fortschrit­t hat die Motoren zwar effiziente­r gemacht, das wird aber durch mehr Gewicht und mehr PS konterkari­ert.

Erst ab 2020, zehn Jahre nach Inkrafttre­ten der Regulierun­g, begannen die Emissionen zu sinken. Allerdings nicht, weil die Verbrennun­gsmotoren umweltfreu­ndlicher geworden sind, sondern weil der Marktantei­l von Elektroaut­os gestiegen ist. „Die Co2-emissionen von Fahrzeugen werden erst dann wirklich zurückgehe­n, wenn der Verbrennun­gsmotor seine dominieren­de Stellung verliert“, sagt Pietro Russo, Mitglied des Europäisch­en Rechnungsh­ofes.

Nicht berücksich­tigt wurde bei dieser Analyse jedoch, dass E-autos erst ab einer Laufleistu­ng von 65 000 Kilometern klimafreun­dlicher sind als Verbrenner – vorausgese­tzt, sie werden mit Ökostrom geladen. Das hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Zusammenar­beit mit dem Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ermittelt. Wird das Auto dagegen mit dem üblichen Energiemix geladen, also auch mit Kohlestrom, steige die Schwelle sogar auf mindestens 90 000 Kilometer. Verglichen mit einem Dieselmoto­r wird das E-auto sogar erst ab 110 000 Kilometern klimafreun­dlicher.

Treibhausg­ase in der Produktion

Das liegt daran, dass bei der Gewinnung der Rohstoffe, der Produktion der Batterien und dem Transport aus Asien viele Treibhausg­ase entstehen. „E-autos und Hybridfahr­zeuge starten durch die ressourcen­intensive Herstellun­g der Antriebste­chnologie bei ihrer Ökobilanz mit einem ökologisch­en Rucksack, da die Batteriepr­oduktion heutzutage fast ausschließ­lich in Asien stattfinde­t“, sagt Verbandspr­äsident Joachim Damasky.

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Damit das Auto klimafreun­dlich wird, muss der Strom grün sein.

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