See­ho­fer un­ter Be­schuss

FDP for­dert Un­ter­su­chungs­aus­schuss zur Auf­klä­rung der Fehl­ent­schei­dun­gen in Bre­mer Au­ßen­stel­le

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Nord (N / Nord-Ausgabe) - - MEINUNGEN - Von Mar­tin Ferber

Die Af­fä­re im Bre­mer Bamf wirft kein gu­tes Licht auf den neu­en In­nen­mi­nis­ter.

Was wuss­te der Prä­si­dent – und wann wuss­te er es? Die bei­den Fra­gen kos­te­ten 1974 dem da­ma­li­gen US-Prä­si­den­ten Richard Ni­xon in der Wa­ter­ga­te-Af­fä­re das Amt. Nun wer­den sie dem neu­en In­nen­mi­nis­ter und CSU-Chef Horst See­ho­fer im Zu­sam­men­hang mit den Vor­komm­nis­sen in der Bre­mer Au­ßen­stel­le des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) ge­stellt. Er bleibt da­bei: Er will erst am 19. April von der Af­fä­re er­fah­ren ha­ben. Doch die da­ma­li­ge Bre­mer Be­hör­den­che­fin Jo­se­fa Schmid hat­te zu­vor schon wo­chen­lang ver­sucht, mit ihm in Kon­takt zu tre­ten, be­reits am 30. März schick­te sie ihm ei­ne SMS auf sein per­sön­li­ches Han­dy, am 4. April er­hielt sein Staats­se­kre­tär Ste­phan May­er ei­nen 99sei­ti­gen Be­richt Schmids, in dem sie aus­führ­lich die Miss­stän­de be­schrieb.

Das al­les wirft kein gu­tes Licht auf den neu­en In­nen­mi­nis­ter. Ent­we­der funk­tio­nie­ren die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge in sei­nem Haus nicht – oder er wuss­te doch schon sehr viel frü­her Be­scheid. Horst See­ho­fer steht schon acht Wo­chen nach sei­nem Wech­sel von Mün­chen nach Ber­lin un­ter hef­ti­gem Be­schuss. Nun setzt er auf das Mot­to: An­griff ist die bes­te Ver­tei­di­gung. Um den Druck et­was ab­zu­bau­en, kün­digt er ei­ne in­ter­ne Un­ter­su­chung an.

Ob das reicht, ist un­ge­wiss. Die FDP hat be­reits die Ein­set­zung ei­nes par­la­men­ta­ri­schen Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses ge­for­dert, die Grü­nen schlie­ßen sich die­ser For­de­rung an. Dann geht es, wie einst bei Wa­ter­ga­te, im Kern nur um zwei harm­los klin­gen­de Fra­gen, die aber enor­me po­li­ti­sche Ex­plo­siv­kraft ha­ben: Was wuss­te Horst See­ho­fer – und wann wuss­te er es?

Die Af­fä­re um Ver­fah­rens­män­gel und Fehl­ent­schei­dun­gen beim Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) ent­wi­ckelt sich für Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) zu ei­nem ech­ten Pro­blem. Die FDP for­der­te am Don­ners­tag ei­nen Un­ter­su­chungs­aus­schuss zu den Vor­gän­gen in der Bre­mer Bamf-Au­ßen­stel­le. De­ren frü­he­re Lei­te­rin soll da­zu bei­ge­tra­gen ha­ben, dass min­des­tens 1200 Asyl­be­wer­ber wo­mög­lich zu Un­recht Schutz er­hiel­ten.

To­bi­as Lind­ner (Grü­ne) rief See­ho­fer in sei­ner Re­de zum Haus­halt des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums zu: „Tun Sie nicht so, als wä­ren Sie der Chef-Auf­klä­rer. Was wuss­ten Sie und wann wuss­ten Sie es?“See­ho­fer nahm das Bamf ge­gen den Vor­wurf der Un­fä­hig­keit und Ver­tu­schung in Schutz. „Dort wird heu­te ei­ne gu­te Ar­beit ge­leis­tet für un­ser Land in ei­nem ganz wich­ti­gen Be­reich“, sag­te er. Es sei falsch, das mög­li­che Fehl- ver­hal­ten ei­ni­ger Mit­ar­bei­ter al­len Be­schäf­tig­ten an­zu­las­ten.

Gleich­zei­tig trat See­ho­fer dem Vor­wurf ent­ge­gen, die Auf­klä­rung in der An­ge­le­gen­heit nicht ent­schie­den ge­nug vor­an­ge­trie­ben und ei­ne Mit­ar­bei­te­rin, die da­zu bei­tra­gen woll­te, straf­ver­setzt zu ha­ben. Jo­se­fa Schmid hat­te die Lei­tung der Bre­mer Au­ßen­stel­le im Ja­nu­ar an­ge­tre­ten. In­zwi­schen muss­te sie ih­ren Pos­ten wie­der räu­men. Ob­wohl sie sich ju­ris­tisch ge­gen ih­re Ab­be­ru­fung wehrt, führt die Nürn­ber­ger Bamf-Zen­tra­le für die Ver­set­zung „Für­sor­ge“-Grün­de an.

„Für die Frak­ti­on der Frei­en De­mo­kra­ten führt nun kein Weg mehr an ei­nem Un­ter­su­chungs­aus­schuss vor­bei“, sag­te der Par­la­men­ta­ri­sche Ge­schäfts­füh­rer der Frak­ti­on, Mar­co Bu­sch­mann. „Of­fen­bar ist nur so ei­ne scho­nungs­lo­se Au­f­ar­bei­tung mög­lich.“Die Grü­nen sper­ren sich nicht ge­ne­rell da­ge­gen. Sie se­hen aber nach An­ga­ben aus Frak­ti­ons- krei­sen auch noch an­de­re Mög­lich­kei­ten, für Auf­klä­rung zu sor­gen. See­ho­fer be­ton­te, die staats­an­walt­li­chen Er­mitt­lun­gen zur Bre­mer Bamf-Af­fä­re hät­ten vor sei­nem Amts­an­tritt be­gon­nen. Dass FDP und Grü­ne nun ei­nen Un­ter­su­chungs­aus­schuss zu den Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten ins Spiel ge­bracht hät­ten, sei für ihn „kei­ne Be­dro­hung“.

„Die Un­ge­reimt­hei­ten und Pro­ble­me beim Bamf neh­men mit je- dem Tag grö­ße­re Di­men­sio­nen an. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter See­ho­fer ist da­mit of­fen­bar über­for­dert und hinkt bei der Auf­klä­rung hin­ter­her“, sag­te Bu­sch­mann. „Zu­dem steht die Fra­ge im Raum, ob er nicht schon frü­her über den Skan­dal in Bre­men in­for­miert war als be­haup­tet.“Der Ein­set­zung ei­nes Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses müss­te im Bun­des­tag ein Vier­tel der Ab­ge­ord­ne­ten zu­stim­men.

Jo­se­fa Schmid ist FDP-Mit­glied und eh­ren­amt­li­che Bür­ger­meis­te­rin der Ge­mein­de Kolln­burg in Nie­der­bay­ern. Sie hat­te in ei­nem in­ter­nen Be­richt, den sie am 4. April an den Par­la­men­ta­ri­schen Staats­se­kre­tär im Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um, Ste­phan May­er (CSU), schick­te, die Ein­set­zung ei­ner „neu­tra­len Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on“durch das Mi­nis­te­ri­um an­ge­ra­ten, um für ei­ne Auf­klä­rung der Vor­fäl­le un­ab­hän­gig von der Bamf-Lei­tung in Nürn­berg zu sor­gen.

Fo­to: dpa

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) sitzt ein­sam im Plenum des Bun­des­tags. Sein Start als In­nen­mi­nis­ter wird von ei­ner Af­fä­re über­schat­tet.

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