We­ni­ge Mi­nu­ten rei­chen für gro­ße Schä­den

Der Wir­bel­sturm vom Mitt­woch lässt die Men­schen rat­los zu­rück

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Nord (N / Nord-Ausgabe) - - BLICK IN DIE WELT - Von An­to­nia Hof­mann und El­ke Sil­be­rer, dpa

Die Schock­mo­men­te des Tor­na­dos sit­zen vie­len Men­schen am Nie­der­rhein in den Kno­chen. Zahl­rei­che Han­dy­vi­de­os zei­gen, wie An­woh­ner den dunk­len Wir­bel­sturm er­leb­ten. „Schat­zi, un­se­re gan­ze Ter­ras­se“, ruft ei­ne auf­ge­brach­te Frau in Vier­sen in ei­nem Vi­deo ei­nem Mann zu, zeigt ihm durchs Fens­ter die Ver­wüs­tung: „Die Bir­ke ist weg.“Drau­ßen schwe­ben Pa­pier und an­de­re Ab­fäl­le me­ter­hoch. Ei­ne Män­ner­stim­me: „Boah, was al­les durch die Ge­gend fliegt. (...) Al­le Bäu­me ge­hen flie­gen.“Nach die­sem fol­gen­schwe­ren Wir­bel­sturm vom Mitt­woch­abend mit zwei Ver­letz­ten und zahl­rei­chen be­schä­dig­ten Häu­sern sind die Auf­räum­ar­bei­ten nun in vol­lem Gan­ge.

Aber wo­her kommt das sel­te­ne Wet­ter­phä­no­men, das man sonst vor al­lem aus den USA kennt? Der Wir­bel­sturm bei Vier­sen lässt vie­le Men­schen rat­los zu­rück. Fra­gen und Ant­wor­ten zum The­ma:

■ Wie ent­steht denn ei­gent­lich ein Tor­na­do?

Tief­ste­hen­de Schau­er- und Ge­wit­ter­wol­ken sind Gr­und­vor­aus­set­zung, sagt Andre­as Fried­rich, Tor- nado­be­auf­trag­ter des Deut­schen Wet­ter­diens­tes (DWD). Wenn der Wind vom Bo­den bis zur Wol­ke zu­dem Rich­tung und Ge­schwin­dig­keit än­dert, be­gin­nen die Luft­mas­sen, sich zu dre­hen. Da­mit sich der so­ge­nann­te Wol­ken­rüs­sel bil­det, muss die auf­stei­gen­de Luft sehr feucht sein. „Die aus dem Wol­ken­rüs­sel frei­ge­setz­te Ener­gie führt da­zu, dass die Luft sich im­mer schnel­ler dreht“, sagt Fried­rich. „Die­se gan­zen Zu­ta­ten wa­ren ges­tern in Vier­sen vor­han­den.“

■ Ist die Wahr­schein­lich­keit für ein sol­ches Phä­no­men in NRW be­son­ders hoch?

Hier­zu­lan­de gibt es an­ders als in den USA kein ty­pi­sches Tor­na­do-Ge­biet: Wir­bel­stür­me könn­ten in Deutsch­land über­all auf­tre­ten, sagt Fried­rich. Dass am Mitt­woch ein Tor­na­do aus­ge­rech­net über Vier­sen feg­te, war nach An­ga­ben des Ex­per­ten Zu­fall. ■ Wer­den Tor­na­dos in Deutsch­land häu­fi­ger?

Wir­bel­stür­me sind in Deutsch­land ein eher sel­te­nes Er­eig­nis. In den ver­gan­ge­nen 20 bis 30 Jah­ren sei­en jähr­lich et­wa 20 bis 60 Tor­na­dos mit­hil­fe von Au­gen­zeu­gen­be­rich­ten er­fasst wor­den, sagt Me­teo­ro­lo­ge Andre­as Fried­rich. „Die Dun­kel­zif­fer ist al­ler­dings sehr viel hö­her.“Es wer­den aber im­mer öf­ter Tor­na­dos be­kannt, weil die Stür­me heu­te et­wa ein­fach mit Smart­pho­nes ge­filmt wer­den könn­ten. We­gen der Er­wär­mung der At­mo­sphä­re wür­den die Tor­na­dos eher stär­ker, aber nicht häu­fi­ger.

■ Könn­te ein Tor­na­do auch über Groß­städ­te wie Köln oder Ber­lin fe­gen? „Ein Tor­na­do kann sich auch über Städ­ten bil­den – ent­schei­dend da­für ist we­ni­ger, was am Bo­den pas­siert, son­dern in den Luft­schich­ten“, sagt Fried­rich. „Wir ha­ben in Deutsch­land dies­be­züg­lich bis­her ein­fach Glück ge­habt.“

■ Ab wann gilt ein Tor­na­do als ge­fähr­lich?

Wir­bel­stür­me wer­den mit­hil­fe der Fu­ji­ta-Ska­la klas­si­fi­ziert. Die bis­her be­ob­ach­te­ten Stu­fen rei­chen von F0 – ma­xi­mal 116 km/h – bis F5 mit mehr als 500 Ki­lo­me­ter pro St­un­de. Auch die nied­rigs­te Stu­fe lie­ge be­reits weit über nor­ma­len Un­wet­ter­war­nun­gen, sagt Fried­rich. „Je­der Tor­na­do kann le­bens­ge­fähr­lich sein.“Dem Sturm in Vier­sen, der zahl­rei­che Dä­cher ab­ge­deckt hat­te, sei zu­nächst die zwei­te Stu­fe F1 (117 bis 180 km/h) zu­ge­schrie­ben wor­den. Der Durch­mes­ser des Wol­ken­rüs­sels lag laut Fried­rich zwi­schen 100 und 200 Me­tern.

■ Kann ein Tor­na­do vor­aus­ge­se­hen wer­den?

Weil sie klein­räu­mig auf­tre­ten und nur kurz dau­ern, sind Tor­na­dos nur sehr schwer vor­her­zu­sa­gen. Erst, wenn der Tor­na­do be­reits wü­tet und ent­deckt wur­de, kön­nen Städ­te oder Land­krei­se ge­warnt wer­den.

Fo­tos: dpa

Der Wir­bel­sturm deck­te meh­re­re Häu­ser ab, wie hier im Orts­teil Bois­heim. Selbst ein Wohn­mo­bil konn­te der Stär­ke des Tor­na­dos nichts ent­ge­gen­set­zen. Rechts: Ein Han­dy­bild des Sturms.

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