Streit um er­höh­te Par­tei­en­fi­nan­zie­rung

Hef­ti­ge Kri­tik an Eil­ver­fah­ren der Ko­ali­ti­on – SPD kämpft mit Mil­lio­nen­loch

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis West (W / West-Ausgabe) - - POLITIK - Von Georg Ismar, dpa

Uni­on und SPD wol­len am Frei­tag trotz schar­fer Kri­tik der Op­po­si­ti­on im Eil­tem­po die Aus­wei­tung der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung auf 190 Mil­lio­nen Eu­ro be­schlie­ßen. Ge­ra­de die SPD hat mit ei­nem Mil­lio­nen­loch zu kämp­fen. Al­lein die Re­gie­rungs­bil­dung mit zwei Son­der­par­tei­ta­gen, Mit­glie­der­vo­tum und Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen ha­be rund vier Mil­lio­nen Eu­ro ge­kos­tet, sag­te SPD-Schatz­meis­ter Diet­mar Nie­t­an. Der re­gu­lä­re Bun­des­par­tei­tag im De­zem­ber ha­be noch­mals mehr als zwei Mil­lio­nen ge­kos­tet. Und we­gen des his­to­risch schlech­ten Wah­l­er­geb­nis­ses be­kom­me die SPD der­zeit im Jahr et­wa 1,6 Mil­lio­nen Eu­ro we­ni­ger aus der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung.

Mit ih­rer Mehr­heit wol­len Uni­on und SPD im Bun­des­tag ei­ne An­he­bung der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung aus Steu­er­gel­dern um rund 15 Pro­zent von der Höchst­gren­ze 165 Mil­lio­nen Eu­ro auf dann 190 Mil­lio­nen Eu­ro be­schlie­ßen. Nie­t­an be­ton­te, er be­grü­ße das. „Aber es ist nicht so, dass uns das al­ler fi­nan­zi­el­len Pro­ble­me ent­le­digt.“So ha­be er seit sei­nem Amts­an­tritt im Jahr 2013 ei­nen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag al­lein in die Com­pu­ter­tech­nik und Di­gi­ta­li­sie­rung ge­steckt. Mit im­mer mehr In­for­ma­ti­ons­ka­nä­len wächst auch der Si­cher­heits­auf­wand der SPD, et­wa ge­gen Ha­cker­an­grif­fe. Die CDU ver­weist auch auf im­mer we­ni­ger Eh­ren­amt­li­che – Haupt­amt­li­che, et­wa zum Be­trieb von Ge­schäfts­stel­len in der Flä­che, kos­ten mehr Geld.

Zu­schüs­se Die Hö­he der steu­er­fi­nan­zier­ten Zu­schüs­se rich­tet sich nach den Wah­l­er­geb­nis­sen in Bund und Län­dern und nach den Ein­nah­men von Mit­glie­dern und Man­dats- trä­gern. CDU und SPD be­ka­men für 2017 48,3 und 49,2 Mil­lio­nen Eu­ro, die CSU 11,8, die Grü­nen 15,8, die FDP 11,7, die AfD 7,5 und die Lin­ke 12,2 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Zu­schüs­se des Staa­tes ma­chen in der Re­gel ein Drit­tel der Ein­nah­men aus. SPD-Che­fin Andrea Nah­les lässt der­zeit die Struk­tu­ren in der Par­tei­zen­tra­le, dem Wil­ly-Brandt-Haus, durch­leuch­ten, hier ar­bei­ten bis­her rund 200 Men­schen. „Wir müs­sen jetzt Dop­pel­struk­tu­ren ab­bau­en“, be­ton­te Nie­t­an.

Die Lin­ke droht mit ei­ner Kla­ge ge­gen das Ge­setz. „Die Ko­ali­ti­on muss den Ge­setz­ent­wurf zu­rück­zie­hen“, sag­te der Par­la­men­ta­ri­sche Ge­schäfts­füh­rer der Links­frak­ti­on, Jan Kor­te. „Wenn nicht, wer­den wir ei­ne Nor­men­kon­troll­kla­ge prü­fen.“

Al­lein könn­te die Lin­ke ei­ne sol­che Kla­ge nicht an­stren­gen, da hier­für ein Vier­tel der Mit­glie­der des Bun­des­ta­ges nö­tig wä­re. Kor­te kri­ti­sier­te das schnel­le Ver­fah­ren im Schat­ten der Fuß­ball-WM. „Die Ko­ali­ti­on schiebt et­li­che ge­sell­schaft­li­che The­men auf die lan­ge Bank, aber die ei­ge­nen Pro­ble­me be­sei­tigt sie in neun Werk­ta­gen“, be­klag­te er. „Da­mit be­schä­di­gen Uni­on und SPD das Ver­trau­en in Po­li­tik und De­mo­kra­tie.“Die „pein­li­che Ei­le“ha­be zu hand­werk­li­chen Feh­lern ge­führt. Bei der An­hö­rung im In­nen­aus­schuss hät­ten drei Sach­ver­stän­di­ge den Ent­wurf als ver­fas­sungs­wid­rig ein­ge­stuft.

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