Frau­en­kunst heu­te

Bund Bil­den­der Künst­le­rin­nen Würt­tem­bergs stellt im Was­ser­schloss aus

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis West (W / West-Ausgabe) - - KULTUR REGIONAL - Von Mar­ti­na Kit­zing-Bretz

Wie schwer es Künst­le­rin­nen im Wil­hel­mi­ni­schen Kai­ser­reich hat­ten, zeigt die Tat­sa­che, dass Frau­en der Zu­gang zur Aka­de­mie ver­wehrt war. Erst mit Be­ginn der Wei­ma­rer Re­pu­blik konn­ten Ma­le­rin­nen und Bild­haue­rin­nen ab 1919 die staat­li­che Kunst­hoch­schu­le be­su­chen.

Schon zu­vor such­ten sie nach Mög­lich­kei­ten, ih­re Kunst zur Pro­fes­si­on zu ma­chen. Sie nah­men pri­va­ten Un­ter­richt, ge­sell­ten sich zu Ma­ler­ko­lo­ni­en und grün­de­ten Ver­ei­ne. So ent­stand 1893 in Stutt­gart der Bund Bil­den­der Künst­le­rin­nen Würt­tem­bergs, kurz BBK Stutt­gart. Er stand un­ter der Schirm­herr­schaft von Kö­ni­gin Char­lot­te und fei­ert in die­sem Jahr sein 125-jäh­ri­ges Be­ste­hen.

An­lass ge­nug, das Ju­bi­lä­um mit Ver­an­stal­tun­gen wie der Aus­stel­lung „Tut­ti“im Was­ser­schloss Bad Rappenau zu fei­ern. Dort stel­len 38 von rund 100 Mit­glie­dern des Bun­des ih­re Kunst aus. Von der klas­si­schen Öl­ma­le­rei bis zur zeit­ge­nös­si­schen Vi­deo­in­stal­la­ti­on sind die un­ter­schied­lichs­ten künst­le­ri­schen Gat­tun­gen ver­tre­ten.

Auch die Vor­sit­zen­de des Ver­eins, Birgit Herzberg-Jochum, stellt dort aus. Sie weist in ih­rer Ein­füh­rung auf die Rol­le von Frau­en in der Kunst zur Zeit des Würt­tem­ber­gi­schen Ma­le­rin­nen­ver­eins hin, so nann­te sich der BBK an­fangs. Sie ver­weist auch dar­auf, dass der Ver­ein sei­ne Mit­glie­der un­ter­stützt, in­dem er ih­nen bei­spiels­wei­se güns­ti­ge Räu­me im ei­ge­nen Ate­lier­haus an der Stutt­gar­ter Eu­gen­staf­fel zur Ver­fü­gung stellt. Ihr Kunst­werk „Da­ne­ben“mit fe­mi­nis­ti­scher Sti­cke­rei auf Po­ly­es­ter­ga­ze lässt ihr En­ga­ge­ment auf dem Ge­biet der Frau­en­kunst er­ken­nen. Pas­send da­zu sind im sel­ben Raum Kis­sen­ar­bei­ten aus hand­ge­schöpf­tem Pa­pier von Su­san Tauss. Da­bei näht sie als ty­pisch weib­li­che Tä­tig­keit zwei Büt­ten­pa­pie­re zu­sam­men, be­füllt sie bis auf ei­nen Rand und be- malt sie. Ent­stan­den ist ei­ne Kunst, die das Rol­len­kli­schee der Frau be­dient und gleich­zei­tig iro­ni­siert.

Un­ter den Na­men der Künst­le­rin­nen fal­len die von Ka­rin Dorn-Tetzlaff und Rea Sie­gel-Ke­tros ins Au­ge: Sie sind auch Mit­glied des Heil­bron­ner Künst­ler­bunds. Auf ei­nem Ate­lier­tisch ar­ran­gier­te, dünn­wan­di­ge Ton­ge­fä­ße und gla­sier­te Blü­ten­blät­ter von Ka­rin Dorn-Tetzlaff ver­wei­sen auf das Pa­ra­die­si­sche und sei­ne Zer­brech­lich­keit. Rea Sie­gel-Ke­tros ist mit der Bo­den­in­stal­la­ti­on „Bren­nend“aus Wort­klang­bil­dern ver­tre­ten. Die künst­le­ri­schen Mar­ken­zei­chen der bei­den zei­gen, dass sie sich in ih­rer Kunst ge­fun­den ha­ben. Das war vor 125 Jah­ren nicht so leicht wie heu­te.

Fo­to: Mar­ti­na Kit­zing-Bretz

Re­na­te Strauß ist ei­ne von 38 Künst­le­rin­nen, die in der Bad Rap­pe­nau­er Grup­pen­aus­stel­lung ver­tre­ten sind. „Neckar“heißt ihr Bei­trag.

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