Gott ver­gisst uns nicht

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis West (W / West-Ausgabe) - - KIRCHLICHE NACHRICHTEN - Von Pfar­rer Micha­el Don­ner­bau­er

Seit dem 25. Mai gilt die eu­ro­päi­sche Da­ten­schutz­ver­ord­nung. Die­se ist nicht ein­fach vom Him­mel ge­fal­len, son­dern wur­de schon im Mai 2016 durch die EU in Kraft ge­setzt. Trotz­dem sind vie­le Fra­gen der all­täg­li­chen Pra­xis noch of­fen, und ver­mut­lich wer­den erst ju­ris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der Zu­kunft end­gül­ti­ge Klar­heit brin­gen.

Lö­schen von Da­ten Die Da­ten­schutz­ver­ord­nung trifft eben nicht nur Goog­le, Face­book, Ama­zon und Co, son­dern auch vie­le Ver­bän­de, Ver­ei­ne, klei­ne und mitt­le­re Un­ter- neh­men und auch die Kir­chen. Ge­ra­de Eh­ren­amt­li­che, die sich in ih­rer Frei­zeit en­ga­gie­ren, sind stark ge­for­dert, um die Ver­ord­nung in al­len Be­lan­gen ge­wis­sen­haft und kor­rekt er­fül­len zu kön­nen.

Nicht al­le ha­ben ei­nen gro­ßen Ap­pa­rat hin­ter sich, der sie ju­ris­tisch be­rät oder bei Rück­fra­gen be­hilf­lich sein kann. Doch ne­ben die­sen all­ge­mei­nen Fra­ge­stel­lun­gen wird in der Über­schrift der Da­ten­schutz­ver­ord­nung des Ar­ti­kel 17 aus­drück­lich das Recht auf „Ver­ges­sen­wer­den“be­nannt. Ei­ne Per­son kann sämt­li­che sie be­tref­fen­de Da­ten lö­schen las­sen, nach­dem die Grün­de für die Da­ten­spei­che­rung weg­ge­fal­len sind – oder aber der Ver­ar­bei­ter der Da­ten muss die Da­ten lö­schen, wenn es kei­nen Grund mehr gibt, die­se auf­zu­be­wah­ren oder wei­ter zu ver­ar­bei­ten. Für das Lö­schen von Da­ten gibt es gu­te Grün­de, aber muss man wirk­lich die For­mu­lie­rung „Recht auf Ver­ges­sen­wer­den“ver­wen­den, wenn auch in Klam­mern? Will je­mand wirk­lich ver­ges­sen, völ­lig aus­ge­löscht wer­den? An­ony­me Be­stat­tun­gen sind auch Aus­druck des „Ver­ges­sen­wer­dens“, weil kein Na­me mehr an ei­nen er­in­nert.

Es gibt kei­nen Ort der Trau­er mehr, an dem An­ge­hö­ri­ge oder Be­kann­te hin­ge­hen könn­ten. Es gibt kei­nen Ort mehr, an dem selbst frem­de Men­schen kurz in­ne­hal­ten und sich fra­gen, wer die­ser dort be­gra­be­ne Mensch wohl war. Ich bin dank­bar, dass es bei Gott kein Recht auf „Ver­ges­sen­wer­den“gibt, das man ein­kla­gen könn­te. Bei ihm wird kei­ner ver­ges­sen! Kein Mensch ist un­ge­wollt, kei­ner un­ge­liebt. Im Buch Je­sa­ja heißt es: „Kann denn ei­ne Frau ihr Kind­lein ver­ges­sen, ei­ne Mut­ter ih­ren leib­li­chen Sohn? Und selbst wenn sie ihn ver­ges­sen wür­de; ich ver­ges­se dich nicht.“(Jes 49,15)

War­um ver­gisst Gott ei­nen nicht? Auch da­zu gibt es ein­zig­ar­ti­ge Wor- te im Buch Je­sa­ja: „Sieh her: Ich ha­be dich ein­ge­zeich­net in mei­ne Hän­de“(Jes 49,16) oder „Ich ha­be dich beim Na­men ge­ru­fen, du ge­hörst mir.“(Jes 43,1)

Ich bin froh, dass Gott sich nicht um un­se­re Da­ten­schutz­re­ge­lun­gen küm­mert, weil wir ihm am Her­zen lie­gen und im­mer zu ihm ge­hö­ren. Die Na­men, die in Got­tes Hand ein­ge­zeich­net sind, ste­hen für un­se­re gan­ze Per­son und un­se­re Ge­schich­te. Gut, dass nichts da­von dem Ver­ges­sen an­heim­fällt, weil Gott der Ewi­ge und Un­ver­gäng­li­che, un­se­re Na­men und da­mit uns selbst mit un­se­rer gan­zen Per­sön­lich­keit für im­mer bei sich und in sich be­wah­ren wird, wie ei­nen kost­ba­ren Schatz.

IN­FO Zur Per­son

Micha­el Don­ner­bau­er ist seit 2017 Pfar­rer der ka­tho­li­schen Kir­chen­ge­mein­de St. Fran­zis­kus, Lauf­fen und seit Sep­tem­ber 2012 stell­ver­tre­ten­der De­kan des De­ka­nats Heil­bronn-Neckar­sulm.

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