Erst der An­fang

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Hohenloher Zeitung Ausgabe Künzelsau - - VORDERSEITE - Von Man­fred Stock­bur­ger @ Ih­re Mei­nung? man­fred.stock­bur­ger@stim­me.de

Die Mil­li­ar­den­bu­ße ge­gen VW ist nur der Auf­takt der Au­f­ar­bei­tung des Wirt­schafts­skan­dals. Bis­lang wa­ren es im In­land vor al­lem die Zi­vil­ge­rich­te, die im Die­selskan­dal die Auf­klä­rung vor­an­ge­trie­ben ha­ben. Mit der von der Braun­schwei­ger Staats­an­walt­schaft ver­häng­ten Mil­li­ar­den­bu­ße hat nun end­lich die straf­recht­li­che Au­f­ar­bei­tung der Ge­schich­te be­gon­nen, die als ei­ner der größ­ten Skan­da­le in die Wirt­schafts­ge­schich­te ein­zie­hen wird.

Ei­ni­ge ju­ris­ti­sche The­men hat VW mit dem Ver­zicht auf Rechts­mit­tel ab­ge­räumt: Für die Ver­let­zung der Auf­sichts­pflicht in der Wolfs­bur­ger Mo­to­ren­ent­wick­lung kann das Un­ter­neh­men nun nicht mehr be­langt wer­den. Ab­ge­schlos­sen ist das The­ma des Ab­gas­be­trugs mit dem bis­her teu­ers­ten Kn­öll­chen in Deutsch­land al­ler­dings noch lan­ge nicht. Und nicht nur, weil die Braun­schwei­ger Staats­an­wäl­te bei Au­di in Ne­ckar­sulm ent­wi­ckel­te Sechs­zy­lin­der­mo­to­ren aus­drück­lich aus­ge­nom­men ha­ben.

Wenn auch in Deutsch­land ver­mut­lich schon bald die ers­ten Be­trugs­ver­fah­ren ge­gen Ma­na­ger er­öff­net wer­den, dann wird hof­fent­lich ans Licht kom­men, wie es da­zu kom­men konn­te, dass ein Vor­zei­ge­un­ter­neh­men die ei­ge­ne Zu­kunft leicht­fer­tig aufs Spiel setz­te.

Nicht um Ra­che geht es da­bei – und auch nicht dar­um, den VW-Kon­zern oder gar die ge­sam­te deut­sche Au­to­bran­che zu zer­stö­ren. Das ha­ben auch die Braun­schwei­ger Staats­an­wäl­te mit ih­rer Be­grün­dung für die maß­vol­le Hö­he des Buß­gel­des deut­lich ge­macht. Ziel muss sein, dass Un­ter­neh­men, gleich wel­cher Bran­che, und ih­re Ver­ant­wort­li­chen ler­nen, dass sich Be­trug auch im Wirt­schafts­ge­sche­hen nicht aus­zahlt, son­dern ei­nen teu­ren Preis hat. Noch steht die Au­f­ar­bei­tung am An­fang. Wenn am En­de klar­ge­stellt ist, dass ver­meint­li­che Schum­me­lei­nen kei­ne Ka­va­liers­de­lik­te sind, dann wä­re al­len ge­dient. Und am meis­ten der Wirt­schaft: Sie ist schließ­lich größ­te Nutz­nie­ßer ei­ner sta­bi­len Rechts­ord­nung.

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