Ein ganz rea­les Durch­ein­an­der

Die plötz­lich von der Re­al-Le­gen­de Hier­ro trai­nier­ten Spa­nier tref­fen heu­te auf die Por­tu­gie­sen um Re­al-Su­per­star Ro­nal­do

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Hohenloher Zeitung Ausgabe Künzelsau - - FUSSBALL-WM 2018 - Von Jens Marx und Ul­ri­ke John, dpa

Cris­tia­no Ro­nal­do wird kein Par­don für Re­al-Le­gen­de Fer­nan­do Hier­ro ken­nen. Der Su­per­star und Welt­fuß­bal­ler könn­te beim ers­ten WM-Schla­ger zwi­schen Por­tu­gal und Ex-Welt­meis­ter Spa­ni­en der gro­ße Pro­fi­teur vom Trai­ner-Cha­os beim Nach­barn sein. Vor zwei Jah­ren wur­den die Por­tu­gie­sen Eu­ro­pa­meis­ter, nun wol­len sie die Welt­büh­ne er­obern. Ein Coup ge­gen das auf­ge­wühl­te Team von In­te­rims­coach Hier­ro wä­re der ers­te klei­ne Schritt für Re­al-Stür­mer Ro­nal­do auf dem Weg zur größ­ten sport­li­chen Wun­sch­er­fül­lung.

Er­folgs­weg „Wir wer­den das­sel­be tun wie 2016: bis zum En­de kämp­fen und se­hen, was pas­siert“, kün­dig­te Ro­nal­do un­ge­ach­tet der bri­san­ten Si­tua­ti­on für Hier­ro an. Spa­ni­en hat ei­nen Er­folgs­weg vor­ge­zeich­net: La Ro­ja wur­de 2008 Eu­ro­pa- und 2010 dann Welt­meis­ter, ehe 2012 so­gar ein wei­te­rer EM-Ti­tel folg­te. Und für 2018 gal­ten sie als ei­ner der Top­fa­vo­ri­ten un­ter Trai­ner Ju­len Lo­pe­te­gui – bis die­ser am Mitt­woch über­ra­schend ge­hen muss­te. Ka­pi­tän Ser­gio Ra­mos hat ei­nen Tag nach dem Wir­bel die star­ke Ver­bun­den­heit der Mann­schaft mit ih­rem Ex-Trai­ner deut­lich ge­macht. „Ju­len wird im­mer Teil un­se­res Teams sein, egal, was bei die­ser WM pas­siert“, sag­te der Re­al-Pro­fi. Hier­ro sei ei­ne der bes­ten Lö­sun­gen, die es für die­sen Job ge­be. Dass die vor der Tren­nung von Lo­pe­te­gui als Top­fa­vo­rit auf den Ti­tel ein­ge­stuf­ten Spa­nier nun schwä­cheln könn­ten, glaubt der Ab­wehr­chef nicht: „Wir müs­sen das jetzt aus­blen­den, das kann uns so­gar noch stär­ker zu­sam­men­brin­gen. Wir sind hier, um die WM zu ge­win­nen.“

Dass Lo­pe­te­gu­is De­mis­si­on Ein­fluss auf die Par­tie heu­te Abend (20 Uhr/ARD) ha­ben könn­te, denkt auch Por­tu­gals Coach Fer­nan­do San­tos nicht. „Das zählt nicht für das Spiel. Spa­ni­en will ge­win­nen, und das kön­nen sie auch. Aber ge­nau das wol­len wir auch“, sag­te der 63Jäh­ri­ge. „Spa­ni­en spielt seit zehn Jah­ren den glei­chen Stil. Dar­um wird es mei­ner Mei­nung nach kei­ne Über­ra­schun­gen ge­ben.“Neu-Coach Hier­ro, bei sei­ner An­kunft in Russ­land noch Spa­ni­ens Sport­di­rek­tor, be­ton­te bei sei­nem Blitz-Amts­an­tritt rund 48 St­un­den vor der Par­tie in Sot­schi: „Ich wer­de nicht in zwei Ta­gen al­les ein­rei­ßen, was in zwei Jah­ren auf­ge­baut wur­de.“Vie­le Spie­ler woll­ten nach über­ein­stim­men­den Me­dien­be­rich­ten Lo­pe­te­gui, un­ter dem sie 20 Par­ti­en nicht ver­lo­ren hat­ten, be­hal­ten. Ra­mos äu­ßer­te sich da­zu nicht. Der neue Ver­band­sboss Lu­is Ru­bia­les fühl­te sich von Re­al-Prä­si­dent Flo­ren­ti­no Pé­rez re­spekt­los be­han­delt, als Lo­pe­te­gui sei­ne Aus­stiegs­klau­sel zog und sei­nen Ver­trag für die neue Sai­son mit Re­al Ma­drid per fekt mach­te. Der Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung der Wech­sel-Sen­sa­ti­on ge­riet zum Streit­fall. Hier­ro, einst ei­sen­har­ter Ver­tei­di­ger im Na­tio­nal­team und bei Ma­drid, stieg so ur­plötz­lich zum Chef­coach auf.

Fo­to: dpa

Ab­schluss­trai­ning mit neu­em Trai­ner: Fer­nan­do Hier­ro (oben Mit­te) er­klär­te, man müs­se bei der spa­ni­schen Na­tio­nal­mann­schaft „den Chip tau­schen“. Die trifft heu­te Abend in Sot­schi auf Nach­bar Por­tu­gal.

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