„In der Pflicht“

Heuberger Bote - - SPAICHINGE­N -

Zur Kli­nik­de­bat­te ha­ben wir ei­nen wei­te­ren Le­ser­brief er­hal­ten. „Das Spaichin­ger Kran­ken­haus ken­ne ich sehr gut, da ich elf Jah­re mei­ne Schmerz­pra­xis in den Räu­men des Kran­ken­hau­ses hat­te. Au­ßer­dem bin ich in die­sem Zeit­raum in Spaichin­gen auch Not­arzt ge­fah­ren. In die­sen Jah­ren er­leb­te ich zu­neh­mend den Nie­der­gang der Kli­nik. An­ge­fan­gen mit der Schlie­ßung der sta­tio­nä­ren chir­ur­gi­schen Ver­sor­gung und Um­wand­lung in ein am­bu­lan­tes OPZen­trum. Die Idee war vi­el­leicht gut, die Um­set­zung aber nicht. Der ge­sam­te OP-Trakt wur­de um­ge­baut, da man ver­stärkt auf am­bu­lan­te Ope­ra­tio­nen setz­te. Es ent­stan­den sehr per­so­nal­in­ten­si­ve Ope­ra­ti­ons- und (statt ei­ner zen­tra­len Über­wa­chung) Über­wa­chungs­räu­me mit lan­gen We­gen und er­höh­tem Per­so­nal­be­darf. Das Ta­ges- und Wo­chen­pen­sum an Ope­ra­tio­nen wur­de auf die Dau­er so ge­ring, dass die Mit­ar­bei­ter fast täg­lich Mi­nus­stun­den auf­schrei­ben muss­ten.

Wäh­rend mei­ner Not­arzt-Tä­tig­keit in Spaichin­gen wur­de die Not­fall­am­bu­lanz im­mer mehr zur „Ver­le­gungs­am­bu­lanz“. Die meis­ten Pa­ti­en­ten wur­den so­fort an das Tutt­lin­ger Kran­ken­haus wei­ter­ge­lei­tet. Meist konn­ten nur noch Ba­ga­tell­fäl­le und klei­ne­re Ver­let­zun­gen in Spaichin­gen be­han­delt wer­den. Auch die In­ten­siv­sta­ti­on wur­de zwi­schen­zeit­lich ge­schlos­sen, so dass auch hier Pa­ti­en­ten, die in­ten­siv­pflich­tig wur­den, um­ge­hend nach Tutt­lin­gen ver­legt wer­den muss­ten.

Lei­der konn­te der Lö­sungs­vor­schlag von Dr. Dapp, en­ga­gier­ter ehe­ma­li­ger kli­ni­scher Di­rek­tor des Spaichin­ger Kran­ken­hau­ses, ge­zwun­ge­ner­ma­ßen aber auch nur wie­der ei­ne Re­duk­ti­on der Bet­ten und da­mit des Per­so­nals be­inhal­ten, was der Kli­nik auf Dau­er kei­ne Über­le­bens­ga­ran­tie gibt.

Mei­nes Erach­tens hat das de­fi­zi­tä­re Tutt­lin­ger Kran­ken­haus die­sen per­so­nel­len Ader­lass in Spaichin­gen for­ciert be­trie­ben, da der Stand­ort Tutt­lin­gen von ei­ner Schlie­ßung des Spaichin­ger Kran­ken­hau­ses na­tür­lich enorm pro­fi­tie­ren wür­de.

In ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on vor drei Mo­na­ten be­schrieb Bea­trix Kös­ter aus Bad Sä­ckin­gen, wie in ähn­li­cher Wei­se auch das dor­ti­ge Kran­ken­haus be­wusst Stück für Stück in ei­ner Art Sa­la­mi­tak­tik ent­beint wur­de, bis es po­li­tisch ge­wollt zu ei­ner Schlie­ßung kam. Dies darf in Spaichin­gen nicht ge­sche­hen!

Fa­zit: Wenn das Spaichin­ger Kran­ken­haus wei­ter Be­stand ha­ben soll - und dies ist mög­lich und not­wen­dig - so ist ei­ne wie­der bes­tens funk­tio­nie­ren­de Chir­ur­gie und Not­fall­auf­nah­me un­ab­ding­bar. Hier­für wä­ren die bei ei­ner ge­plan­ten Kli­ni­kVer­la­ge­rung er­for­der­li­chen 48 Mil­lio­nen Eu­ro sinn­vol­ler an­ge­legt. Stadt und Kreis sind in der Pflicht. Es kann nicht sein, dass weit­rei­chen­de Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen wer­den, in­dem man sich le­dig­lich auf ein – im Üb­ri­gen feh­ler­be­haf­te­tes – Gut­ach­ten be­ruft.“Dr. med. Ur­su­la En­ges­ser, Zim­mern

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