Neu­er Mi­gra­ti­ons­be­ra­ter bei der Ar­bei­ter­wohl­fahrt

Tris­tan Vel­kov von der AWO Rott­weil ist un­ter an­de­rem auch für Tros­sin­gen zu­stän­dig

Heuberger Bote - - PRIMTAL / HEUBERG / SPAICHINGE­N - Von Kat­ja Fuchs

(sbo) - Er ist bul­ga­ri­scher Staats­bür­ger, wur­de in Ma­ze­do­ni­en ge­bo­ren, hat zehn Jah­re in Ita­li­en ge­lebt und spricht mehr als acht Spra­chen flie­ßend. Wel­cher Be­ruf könn­te da bes­ser zu Tris­tan Vel­kov pas­sen, als der des neu­en Mi­gra­ti­ons­be­ra­ters für er­wach­se­ne Zu­wan­de­rer bei der Ar­bei­ter­wohl­fahrt (AWO)?

Seit fünf Jah­ren lebt Vel­kov in Deutsch­land und sei­ne Lauf­bahn ist un­kon­ven­tio­nell. Ein paar Jah­re lang war er Er­zie­her und auch als Al­ten­pfle­ger in Bul­ga­ri­en und Ma­ze­do­ni­en hat er es schon ver­sucht. In Ita­li­en hat er das Di­plom in So­zi­al­wis­sen­schaf­ten ge­macht.

„Ich bin seit Mit­te Fe­bru­ar bei der AWO und ha­be mich schon gut ein­ge­lebt“, er­klärt Vel­kov, sicht­lich mo­ti­viert. Er schwärmt von sei­nem vier­köp­fi­gen Team. „Die Kol­le­gen sind su­per und wir ar­bei­ten Hand in Hand.“Für Er­wach­se­ne ab 27 Jah­ren ist er der ein­zi­ge Mi­gra­ti­ons­be­ra­ter bei der AWO in Rott­weil. Hier ist er mit zwei Ta­gen pro Wo­che zu 50 Pro­zent aus­ge­las­tet. Den Rest sei­ner Ar­beits­zeit ver­bringt der 39-Jäh­ri­ge in Tutt­lin­gen, wo er auch wohnt. Dort hat die Ar­bei­ter­wohl­fahrt eben­falls Rä­um­lich­kei­ten. „Hier in Rott­weil ha­ben wir ne­ben un­se­rer Stel­le in der Haupt­stra­ße 26 auch Au­ßen­stel­len in Schram­berg, Tros­sin­gen und Obern­dorf“, er­klärt Vel­kov. Dort wer­den Ter­mi­ne mit Per­so­nen ver­ein­bart, die nicht mo­bil sind.

„Im Mo­ment bin ich noch viel da­mit be­schäf­tigt, von den Kol­le­gen zu ler­nen und mir ei­nen Über­blick zu ver­schaf­fen“, meint der neue Mi­gra­ti­ons­be­ra­ter. „Un­ser Ar­beits­all­tag sieht so aus, dass Per­so­nen mit An­lie­gen zu uns kom­men.“Al­le Mit­ar­bei­ter ha­ben Schwei­ge­pflicht. „Es ge­langt nichts nach drau­ßen, was uns er­zählt wird“, ver­si­chert Vel­kov. Ei­ni­ge Mi­gran­ten kön­nen die Spra­che nicht, an­de­re su­chen ei­nen Ar­beits­platz oder ha­ben Pro­ble­me mit der Bü­ro­kra­tie. „Wir schi­cken sie dann in Sprach­kur­se, hel­fen ih­nen bei der Be­wer­bung und dem Schrei­ben von Le­bens­läu­fen oder er­klä­ren ih­nen die Brie­fe, die sie von Be­hör­den be­kom­men ha­ben.“

Un­ge­fähr drei Jah­re lang wer­de je­der Mi­grant, der bei der AWO Rat sucht, be­treut. „Und da­nach kom­men die Leu­te in der Re­gel selbst klar.“Ein An­ge­bot der Mi­gra­ti­ons­be­ra­tung be­fas­se sich mit der Be­wer­bungs­ori­en­tie­rung. „Un­se­re Ziel­grup­pe sind Per­so­nen, die be­reits ei­nen Sprach­kurs be­su­chen“, so Vel­kov. „Sie kön­nen dann er­gän­zend ler­nen, wie ein Ar­beits­ver­trag zu ver­ste­hen ist und wie ei­ne Be­wer­bungs­map­pe aus­se­hen muss.“

All­ge­mein pfle­gen die Be­ra­ter Ko­ope­ra­tio­nen. Sie stel­len sich zum Bei­spiel in In­te­gra­ti­ons- und Sprach­kur­sen den Teil­neh­mern vor und bie­ten ih­re Hil­fe an. "So er­fah­ren die Be­trof­fe­nen, dass es uns gibt. Es läuft al­so nicht al­les nur über Mund­pro­pa­gan­da."

Ge­set­zes­la­ge än­dert sich im­mer wie­der

Die Ar­beit geht Vel­kov je­den­falls nicht aus, denn die Zahl der Rat­su­chen­den steigt. „Es wird eher mehr“, fin­det Vel­kov. Zu­mal nach wie vor Flücht­lin­ge nach Deutsch­land kom­men. „Mi­gra­ti­on ist auch in Rott­weil ein The­ma“, weiß er. Zu ihm kom­men bis­her haupt­säch­lich eu­ro­päi­sche Frau­en. „Aber ich bin ge­spannt, was in Zu­kunft noch auf mich zu­kommt.“Im Mo­ment neh­me er viel mit von den Netz­wer­ken und Be­zie­hun­gen, die sei­ne Mit­ar­bei­ter über die Jah­re aus­ge­baut ha­ben. „Au­ßer­dem gibt es im­mer vie­le Ve­rän­de­run­gen, vor al­lem, was die Ge­set­zes­la­ge an­geht. Da muss man auf dem Lau­fen­den blei­ben.“

Die schwie­rigs­ten Fäl­le sei­en die kom­pli­zier­ten, bei de­nen Per­so­nen mit vie­len An­lie­gen kom­men. „Dann ar­bei­ten wir im Team eng zu­sam­men und spre­chen uns ab, was Schritt für Schritt ge­tan wer­den muss.“Un­lös­bar war für die Be­ra­ter bis­her noch kein Fall. Eins steht für Vel­kov fest: „Bei uns wird nie­mand weg­ge­schickt, be­vor wir ihm ge­hol­fen ha­ben.“

ARCHIVFOTO: BERND WÜSTNECK / DPA

Auch die Ver­mitt­lung von Sprach­kur­sen ge­hört zu den Auf­ga­ben von Tris­tan Vel­kov, Mi­gra­ti­ons­be­ra­ter bei der AWO in Rott­weil.

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