„Es muss­te wie­der ei­ne Platt­form für den Bür­ger­meis­ter her“

Heuberger Bote - - SPAICHINGE­N -

Zur Dis­kus­si­on um die Wie­der­be­le­bung des Amts­blatts er­reich­te uns fol­gen­der Le­ser­brief. „Dank der Stimm­ent­hal­tung der CDU-Frak­ti­on im Ge­mein­de­rat (von ei­ner an­de­ren Frak­ti­on tref­fend be­zeich­net als „sich weg­du­cken­des Ab­stim­mungs­ver­hal­ten“) darf al­so der frü­he­re „Stadt­spie­gel“ei­ne Wie­der­ge­burt er­le­ben. Ein Ver­hal­ten ei­ner (noch) vier Per­so­nen zäh­len­den Frak­ti­on, wel­che die Fak­ten in der Ver­gan­gen­heit of­fen­sicht­lich nicht er­kannt hat. Zur Stadt­spie­gel-Chronologi­e: Die dau­ern­den Dif­fa­mie­run­gen und per­sön­li­chen An­grif­fe des Bür­ger­meis­ters in sei­nem frü­he­ren so­ge­nann­ten amt­li­chen Mit­tei­lungs­blatt ge­gen kri­ti­sche, hin­ter­fra­gen­de Per­so­nen ha­ben be­reits im Jahr 2013 nicht zu­letzt die da­ma­li­ge CDUFrak­ti­on zu dem An­trag be­wo­gen, dem Bür­ger­meis­ter die­se Dif­fa­mie­rungs­ba­sis zu ent­zie­hen. Je­ner An­trag wur­de in­des nicht wei­ter­ver­folgt.

Al­le Gut­gläu­bi­gen er­la­gen schließ­lich der trü­ge­ri­schen Hoff­nung, der Bür­ger­meis­ter wür­de sich künf­tig an er­las­se­ne Re­dak­ti­ons­sta­tu­ten hal­ten. Da­bei ent­sprach al­lein schon der e i n e Satz in den Sta­tu­ten: „Knap­pe und sach­li­che For­mu­lie­run­gen, die Mit­tei­lun­gen dür­fen kei­ne An­grif­fe auf Drit­te ent­hal­ten“den ge­setz­li­chen Schran­ken und hät­te aus­ge­reicht, das Pro­blem nicht zu ei­nem sol­chen wer­den zu las­sen. Aber: – Sol­che Re­geln gel­ten in Spaichin­gen wohl nicht für den Bür­ger­meis­ter.

In der Sit­zung vom 25.01.2016 wur­de so­dann mit den Stim­men der da­ma­li­gen CDU-Frak­ti­on die Kün­di­gung des Stadt­spie­gels be­schlos­sen. Ein Stadt­spie­gel-Ret­tungs­ver­such über ei­nen mit of­fen­sicht­li­cher Un­ter­stüt­zung des Bür­ger­meis­ters in­iti­ier­ten Ein­woh­ner­an­trag schei­ter­te.

Mit ei­ner ob­jek­ti­ven, an­fein­dungs­lo­sen Sach­in­for­ma­ti­on konn­te und kann die­ser Bür­ger­meis­ter er­fah­rungs­ge­mäß nicht le­ben. Mit dem neu­en Ge­mein­de­rat – der ak­tu­el­len CDU-Frak­ti­on sei Dank – muss­te des­halb wie­der ei­ne Platt­form für ihn her. In­wie­weit die­se neue Platt­form recht­lich trägt, wird die Zu­kunft zei­gen. In dem an­ge­führ­ten BGH-Ur­teil ist aus­drück­lich klar­ge­stellt, dass sich die Ge­mein­de bei not­wen­di­ger Öf­fent­lich­keits­ar­beit auf Sach­in­for­ma­tio­nen zu be­schrän­ken hat. Eben dar­an ist doch der al­te Stadt­spie­gel ge­schei­tert.

Lie­be CDU-Frak­ti­on, die als Recht­fer­ti­gungs­ver­such für das jet­zi­ge Ver­hal­ten im Ge­mein­de­rat zu ver­ste­hen­de Er­klä­rung, „die der­zei­ti­gen Mit­glie­der sei­en zum Zeit­punkt der Ab­schaf­fung des Amts­blat­tes nicht im Ge­mein­de­rat ver­tre­ten ge­we­sen“(s. Be­richt im Heu­ber­ger Bo­te v. 15.10.2019: „Ein Weg zu­rück in die da­ma­li­gen Ver­hält­nis­se darf es nicht ge­ben“), kommt ei­nem par­tei­po­li­ti­schen Of­fen­ba­rungs­eid gleich.

Auf wel­chem Le­vel sich der Bür­ger­meis­ter selbst sieht, wur­de doch schon in der ers­ten Sit­zung des neu for­mier­ten Ge­mein­de­rats am 1.7. mit der Be­leh­rung ei­nes Ge­mein­de­ratsMit­glieds zum Aus­druck ge­bracht: „Es steht Ih­nen nicht zu, den Bür­ger­meis­ter in ir­gend­ei­ner Wei­se zu kri­ti­sie­ren in dem, was er sagt“!! (s. Be­richt im Heu­ber­ger Bo­te vom 3.7.2019, „Rat for­miert sich…..“).

Noch ge­hört Spaichin­gen ja zu ei­nem Kul­tur­kreis, in dem kri­ti­sche An­mer­kun­gen so­gar ge­gen­über dem Bür­ger­meis­ter von Spaichin­gen durch die Mei­nungs­frei­heit ge­deckt sind. Hans-Ot­to Mül­ler, Spaichin­gen

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